1. Startseite
  2. Wirtschaft

Nach der Bundestagswahl: Tempolimit rückt immer näher

Erstellt:

Kommentare

Autobahn in Deutschand, Begrenzungsschild von Tempolimit auf 130 Stundenkilometer im Hintergrund
Was in anderen europäischen Ländern Standard ist, sorgt hierzulande für Aufregung: Das Tempolimit. Steht eine Entscheidung kurz bevor? (Symbolbild). © MiS / Imago

Tempolimits auf Autobahnen sind in Europa längst Standard - nur in Deutschland nicht. Das könnte sich mit der künftigen Bundesregierung bald ändern.

Berlin - Nach einem spannenden Wahltag stehen nun schwierige Verhandlungen zwischen den Parteien an. In den Sondierungsgesprächen steht das Thema Verkehrspolitik ganz oben auf der Agenda. Unterschiedlicher als beim Tempolimit könnten die Meinungen bei FDP und den Grünen nicht sein: Die einen sind gegen ein Verbot, die anderen fordern eine Begrenzung auf 130 Stundenkilometer. Doch eine Einigung könnte kommen.

Das spricht für eine Einigung zwischen FDP und Liberalen

Tempolimit: Kompromisslinie in Sicht

Wer hätte das gedacht? Der VW-Chef Herbert Diess formuliert strengere Klimaziele als die Bundesregierung und FDP und Grünen versuchen, in der Verkehrspolitik auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Wichtige Themen sind unter anderem: Der Verbrenner und das Tempolimit. Dabei soll sich Angaben der Welt zufolge bereits eine Kompromisslinie zwischen Grünen und Liberalen abzeichnen.

Verhandlungen sind immer ein Geben und Nehmen, jede Partei muss sich in einem gewissen Maße auf die andere zubewegen. Konkret könnte das bedeuten, dass ein Tempolimit für die FDP nicht mehr ausgeschlossen ist. Im Gegenzug könnte dann aber das Verbrenner-Aus nicht auf ein bestimmtes Jahr festgelegt werden. Eine entsprechende Regelung käme ohnehin von der EU-Kommission, sagte ein Grünen-Insider der Welt. Zwar sind die Positionen beim Tempolimit sehr unterschiedlich, die Grünen gehen jedoch anscheinend davon aus, dass die Liberalen in diesem Punkt einlenken könnten. „Das ist eigentlich eine überholte Diskussion“, so die Grünen-Meinung. Der Markt gibt also das Tempo vor und so erkennt wohl auch die FDP, dass das Verbrenner-Aus nicht aufzuhalten wäre. Formal will die Partei im Koalitionsvertrag an der Technologieoffenheit beim Antrieb aber festhalten.

FDP will Technologieoffenheit beim Antrieb sichern

Zahlreiche Autobauer hatten bereits angekündigt, künftig auf Elektroautos umsteigen zu wollen. Die Industrie reagiert damit nicht nur auf Markttrends, sondern auch auf die geplante Erhöhung der CO2-Preise und fordert diese sogar selbst ein, wie das Beispiel des VW-Chefs Diess zeigt. Diess will, dass der CO2-Preis schon 2024 (statt frühestens 2026) auf 65 Euro pro Tonne (statt 55 Euro) steigt.

Übrigens hatte auch CSU-Chef Markus Söder klargemacht, dass Verhandlungen für eine Jamaica-Koalition am Verbrenner-Aus nicht scheitern würden. Beim Tempolimit hätten die Grünen in einer schwarz-grün-gelben-Regierung allerdings wohl das Nachsehen.

Tempolimit auf deutschen Autobahnen: Was bringt es?

Das Tempolimit ist in Deutschland für viele ein emotionales Thema. Die unbegrenzte Geschwindigkeit auf Autobahnen setzen manche mit individueller Freiheit gleich. Auch gebe es keinen Regelungsbedarf, wenn die Autobahnen frei seien, heißt es. Doch die Mehrheit der Deutschen ist einer Umfrage zufolge für ein Tempolimit. Faktisch betrachtet spricht einiges dafür: Weniger Verkehrstote und weniger Umweltverschmutzung sind die Hauptargumente.

Als Brandenburg auf der A24 im Jahr 2002 ein Tempolimit von 130 Stundenkilometern einführte, reduzierte das die Anzahl der Unfälle um die Hälfte. Von 654 Unfällen in drei Jahren ohne Tempolimit sank die Zahl auf 337 Unfälle in drei Jahren mit 130 Stundenkilometern Begrenzung. Ein Tempolimit reduziert zudem die Umweltverschmutzung: Bei einer Obergrenze von 130 Stundenkilometer fallen Schätzungen zufolge 1,9 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente weniger an. Einen praktischen Grund gibt es für Verbraucher auch: Langsamer fahren verbraucht weniger Benzin – und spart damit Kosten.

Auch interessant

Kommentare