Ein Tencent-Logo ist am Firmensitz zu sehen
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Das Internetunternehmen Tencent Holdings Ltd. ist eines der größten in China

Der Multikonzern im Fokus

Tencent: Ein Riese in Chinas Internet-Business

Tencent ist präsent: im Videospielmarkt ebenso wie im Bereich von Messenger- und Streamingdiensten. Das Unternehmen hält Anteile von zahlreichen renommierten Firmen, von Spielentwicklern bis zu Autobauern.

Shenzhen – Die Metropole Shenzhen im Süden Chinas in unmittelbarer Nähe zu Hongkong gilt als Silicon Valley des Fernen Ostens. Zahlreiche international tätige Unternehmen haben dort ihren Firmensitz – darunter auch Tencent. Das in Hongkong gelistete Internetunternehmen Tencent Holdings Ltd. ist eines der größten in China und gehört zu den wertvollsten Betrieben weltweit. Im Jahr 2020 erwirtschaftete es einen Gesamtumsatz in Höhe von 482,1 Milliarden chinesische Yuan. Das entspricht rund 73,6 Milliarden US-Dollar.

Tencent: Gründer und Geschichte

Ma Huateng, genannt Pony Ma - der heutige Vorsitzende - und Zhang Zhidong (Tony Zhang) gründeten im November 1998 das Internetunternehmen Tencent. Zhang nimmt heute die Position des CTO (Chief Technology Officer) ein. Das erste Produkt sprang 1999 auf den Boom des Messengers ICQ auf: Tencent rief den Dienst OICQ ins Leben. Der Name des Produkts wurde später aufgrund der Namensähnlichkeit mit dem Vorbild in Tencent QQ umbenannt.

Der Messenger feierte in China immense Erfolge. Innerhalb eines Jahres nach der Gründung wurde Tencent das erste Internetunternehmen Chinas, das Gewinn verbuchte. Fünf Millionen Menschen luden QQ im ersten Jahr herunter. Das rasante Wachstum machte einen Ausbau der Serverinfrastruktur notwendig. Da die nötigen Mittel dafür fehlten, fanden Ma und Zhang zwei Beteiligungsgesellschaften: die Bostoner International Data Group und das Hongkonger Telekommunikationsunternehmen Pacific Century Cyberworks (PCCW).

QQ ist bis heute der mit Abstand am meisten genutzte Instant-Messenger-Dienst Asiens. Ende Dezember 2019 verzeichnete die Lösung rund 647 Millionen Nutzer allein über mobile Endgeräte. Der Dienst läuft darüber hinaus auf Windows- und Mac-Systemen.

Tencent: Börsengang, Wachstum und neue Produkte

Seit 16. Juni 2004 ist Tencent an der Börse von Hongkong notiert, seit Mai 2007 im MSCI Emerging Markets. Dieser Aktienindex spiegelt die Börsenentwicklung der wichtigsten Schwellenländer wider. Seit Juni 2008 ist das Internetunternehmen beim Hang Seng Index gelistet und damit beim führenden Börsenindex Asiens.

Nach dem Messengerdienst QQ entwickelte Tencent im Jahr 2005 das soziale Netzwerk Qzone. Drei Jahre später nutzten mehr als 100 Millionen Menschen das chinesische Pendant zu Facebook. Im Jahr 2019 zählte die Plattform mehr als 500 Millionen User. Damit ist Qzone das aktivste soziale Netzwerk der Welt.

Tencent arbeitete in den 2000er-Jahren nicht nur am Ausbau des Messengers QQ sowie an neuen Produkten und Lösungen. Ein wichtiger Faktor der Unternehmensstrategie ist die Forschung. 2007 investierte Tencent mehr als 15 Millionen US-Dollar in den Aufbau des Tencent Research Institutes, des ersten Forschungs- und Entwicklungsinstituts für Internet-Technologien in China.

Tencent: Geschäftsfelder und Beteiligungen

Im Juni 2008 gründete Tencent ein Joint Venture mit MIH, einer Tochtergesellschaft des südafrikanischen Medienkonzerns Naspers. MIH ist für die Internetsparte des Dienstleisters aus Kapstadt zuständig. Naspers und Tencent beteiligten sich zwei Jahre später gemeinsam an der russischen Mail.Ru Group, die damals noch unter dem Namen Digital Sky Technologies aktiv war. Naspers selbst besitzt heute 31,2 Prozent von Tencent.

Die strategische Partnerschaft war der Beginn einer Reihe von Beteiligungen. Tencent erschloss dadurch nicht zuletzt neue Geschäftsfelder. Das Internetunternehmen ist heute in zahlreichen Sparten aktiv. Dazu gehören insbesondere folgende:

  • Onlinemedien
  • Mehrwertdienste
  • Onlinewerbung
  • Gaming

Tencent im Gaming-Business

Die Liste der Geschäftsfelder von Tencent ist lang – ebenso wie die der Beteiligungen. Im Jahr 2008 stieg das Unternehmen in die Gaming-Branche ein. Aufgrund des Joint Ventures mit Naspers / Mail.Ru gelangte es in den Besitz von Anteilen der Spielfirma Riot Games. Die US-amerikanische Gaming-Schmiede machte sich vor allem mit der PC-Games-Reihe „League of Legends“ einen Namen. Bis 2011 steigerte Tencent seine Anteile durch eine Investition von 400 Millionen US-Dollar auf 92,78 Prozent, Anfang 2016 übernahmen die Chinesen das Unternehmen vollständig.

2012 ging es in der Gaming-Branche weiter. Durch den Erwerb von 48,4 Prozent der Aktien von Epic Games für 330 Millionen US-Dollar ging einer der bekanntesten und größten Spieleentwickler teilweise in den Besitz von Tencent über. Epic Games entwickelt unter anderem den Survival-Shooter „Fortnite“. Das Internetunternehmen ist darüber hinaus an folgenden Unternehmen aus der Gaming-Branche beteiligt:

  • Supercell (entwickeln unter anderem das Strategiespiel „Clash of Clans“)
  • Activison Blizzard (bekannt für Titel wie „Call of Duty“, „World of Warcraft“ und „Crash Bandicoot“)
  • Ubisoft (verantwortlich für „Assassin’s Creed“, „Watch Dogs“ und „Rayman“)
  • Paradox Interactive („Valhalla Chronicles“, „Stellaris“)
  • Funcom (bekanntestes Spiel ist das Online-Rollenspiel „Anarchy Online“)
  • Frontier Development (bekannt für „Planet Coaster“, „Jurassic World Evolution“)
  • Grinding Gear Games (Entwickler von „Path of Exile“)
  • Dontnod Entertainment (verantwortlich für Titel wie „Life Is Strange“ sowie „Vampyr“ und „Remember Me“)
  • Digital Extremes (Entwickler der Spiele „Unreal“, „Unreal Tournament“, „Warframe“, „Startrek“)

Außer Riot Games gehören heute Funcom und Digital Extremes vollständig zum Tencent-Konzern. Mit QQ Games entwickelte Tencent 2003 ein eigenes Multiplayer-Onlineportal. Seit 2017 ist die Spielevertriebsplattform WeGame online.

Tencent: Kommunikation und Medien

Mit dem hauseigenen Messenger Tencent QQ wurde das Unternehmen weltbekannt. Im Januar 2011 verlor QQ mit dem zunehmenden Siegeszug der Smartphones an Attraktivität. Anstatt die Software mit neuen Funktionen zu versehen, veröffentlichten die Chinesen mit WeChat einen neuen Chat-Dienst für Smartphones. QQ lief dabei weiter und etablierte sich als stationärer Messenger.

WeChat startete als reiner Messenger und wurde mittlerweile um zahlreiche Funktionen erweitert, unter anderem um ein Bezahlsystem nach dem Vorbild von Google und Apple Pay. In China gehört WeChat Pay neben Alipay von Alibaba einer der zwei dominanten Online-Bezahldienste Chinas. Die WeChat-App hat heute weltweit mehr als 1,2 Milliarden Nutzer. Rund 100 Millionen von ihnen leben außerhalb Chinas.

Tencent ist darüber hinaus mit 12,1 Prozent am Messengerdienst Snapchat beteiligt.

Tencent: Weitere Produkte und Dienste

Tencent erwarb im Laufe seiner Geschichte zahlreiche weitere Unternehmen, Dienste und Marken beziehungsweise beteiligte sich an verschiedenen Firmen. Dazu kommen eigene Entwicklungen. Die weiteren Geschäftsfelder im Überblick:

Musik

  • QQ Player, 2008 veröffentlichter hauseigener Musikplayer
  • Beteiligung am Streamingdienst Spotify (7,5 Prozent)

E-Commerce

  • Beteiligung an der chinesischen Online-Handelsplattform JD.com (18,1 Prozent)
  • PaiPai, 2006 entwickelte An- und Verkaufsplattform
  • Tenpay, Online-Bezahlverfahren

Webbrowser und E-Mail-Clients

  • Tencent Traveler
  • Foxmail
  • Beteiligung an Mail.Ru (7,4 Prozent)

Elektromobilität

  • Beteiligung am E-Autobauer Tesla (5 Prozent)
  • Beteiligung am Online-Geodatendienst Here (10 Prozent)
  • Mitbegründer der Future Mobility Corporation (heute Byton) für die Elektroauto-Entwicklung und -Produktion

Tencent: Unternehmenszahlen im Überblick – Umsätze, Wachstum, Mitarbeiter

Betrachtet man die Entwicklung 2019 bis 2021, gewann die Tencent-Aktie um 65 Prozent an Wert. Ein Rekordjahr war 2009: Der Wert der Aktie wuchs im Jahresmittel um mehr als 215 Prozent.

Positiv entwickeln sich auch die Umsatzzahlen. Im Jahr 2019 verbuchte das Internetunternehmen ein Wachstum um ein Fünftel im Vergleich zum Vorjahr. Der Jahresumsatz stieg um 21, der Gewinn um 22 Prozent. Der Gesamtumsatz betrug in diesem Jahr 48,8 Milliarden Euro (377,3 Milliarden Yuan).

Im Jahr 2020 verbuchte Tencent abermals ein starkes Wachstum, das über das Plus von 2019 weit hinausging. Im dritten Quartal schnellte der Gewinn um knapp 90 Prozent in die Höhe. Tencent verbuchte allein in jenen drei Monaten des Jahres einen Umsatz von rund 16,1 Milliarden Euro (125,45 Milliarden Yuan). Dafür war nicht zuletzt die Videospielsparte verantwortlich.

Analog zu den Umsatz- und Gewinnzahlen entwickelte sich die Anzahl der Mitarbeiter von Tencent. Im Jahr 2016 arbeiteten rund 38.700 Menschen für das Internetunternehmen. 2017 waren es bereits 44.796, im Jahr 2018 zählte man 54.309 Mitarbeiter. Ende 2019 meldete Tencent 62.885 Beschäftigte. Der Großteil ist am Firmensitz in Shenzhen tätig. Tencent hat darüber hinaus Niederlassungen in Amsterdam, Kuala Lumpur, Bangkok, Hongkong, Taipeh, Seoul, Tokyo und Palo Alto.

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