Karl-Erivan Haub im Jahr 2016 bei einer Pressekonferenz - zwei Jahre vor seinem Verschwinden
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Karl-Erivan Haub im Jahr 2016 bei einer Pressekonferenz - zwei Jahre vor seinem Verschwinden.

Verschwundener Milliardär

Richter könnten Ex-Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub im Mai für tot erklären

  • Patrick Freiwah
    vonPatrick Freiwah
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Seit Frühjahr 2018 ist Karl-Erivan Haub spurlos verschwunden. Aller Voraussicht nach wird der schwerreiche Unternehmer der Handelsgruppe Tengelmann bald für tot erklärt.

Köln - Im Rahmen der Nachlassverwaltung des 2018 verschwundenen Tengelmann-Geschäftsführers Karl-Erivan Haub steht für die Verbliebenen eine bedeutsame Entscheidung an: Das Amtsgericht Köln erließ auf Antrag von Ehefrau und Kindern des verschollenen Milliardärs, seines Bruders Christian Wilhelm Haub sowie zweier Familienunternehmen das Aufgebot im sogenannten Todeserklärungsverfahren.

Karl-Erivan Haub: Verschollener Tengelmann-Chef könnte bald für tot erklärt werden

Wie eine Gerichtssprecherin erläuterte, könne der seit drei Jahren verschollene Tengelmann-Chef im Mai 2021 für tot erklärt werden. Karl-Erivan Haub wird in einem Aufgebot in den Veröffentlichungen Bundesanzeiger sowie Kölner Stadt-Anzeiger aufgefordert, bis zum 12. Mai über seinen Verbleib zu informieren. Andernfalls könne der Unternehmer für tot erklärt werden.

Darüber hinaus werden alle Personen aufgefordert, mögliche Kenntnisse oder Hinweise über den Verbleib haben, sich bis zu diesem Datum gegenüber dem Amtsgericht mitzuteilen. Sollten bis dahin neue Erkenntnisse eingehen, werden diese im Rahmen einer Amtsermittlungspflicht geprüft.

Karl-Erivan Haub, einer der reichsten Deutschen, war am 7. April 2018 in den Schweizer Alpen allein zu einer Skitour aufgebrochen und nicht zurückgekehrt. Die Familie geht davon aus, dass er am Klein Matterhorn bei Zermatt tödlich verunglückte. Zuletzt keimten Spekulationen auf, der 2018 verschollene Tengelmann-Geschäftsführer Karl-Erivan Haub habe sich möglicherweise nach Russland abgesetzt, wobei der inländische Geheimdienst eine Rolle gespielt haben könnte.

Tengelmann-Chef: Todeserklärung von Haub könnte Erben Millionen kosten

Nach dem Verschwinden von Karl-Erivan Haub, der sich bei der damaligen schicksalhaften Bergtour auf einen strapaziösen Wettbewerb vorbereitete, schwelt ein Familienstreit. Es geht um die Neuverteilung der Macht bei dem Handelskonzern. Mit dem Antrag auf Todeserklärung stieg der Druck auf Katrin Haub und ihre Kinder, Anteile aus dem Tengelmann-Imperium zu verkaufen. Schließlich müssten sich die Nachkommen in diesem Fall auf hohe Zahlungen von Erbschaftssteuer einstellen. Hier ist die Rede von einem dreistelligen Millionenbetrag.

Doch hat mittlerweile offenbar eine Annäherung der entfremdeten Familienstämme stattgefunden: Christian Haub verriet kürzlich der Wirtschaftswoche, es bringe niemandem etwas, „Öl ins Feuer zu gießen“. Deshalb habe man vereinbart, über Themen privater Natur künftig nicht mehr öffentlich sprechen zu wollen, um den Prozess der Einigung voranzutreiben. Der nun geschäftsführende jüngerer Bruder Christian Haub hatte seiner Schwägerin zuletzt angeblich 1,1 Milliarden Euro für die Firmenanteile geboten.(PF/dpa)

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