Ermittlerbericht zu Karl-Erivan Haub

Mysteriöses Verschwinden des Tengelmann-Milliardärs: Geheimnisvolle Russin stellt Ermittler vor Rätsel

  • Markus Hofstetter
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Das Verschwinden des Tengelmann-Milliardärs Karl-Erivan Haub ist um ein Rätsel reicher. Eine Russin mit KGB-Kontakten soll eine Rolle gespielt haben.

Mülheim an der Ruhr - Es ist ein Drama in mehreren Akten. Am 27. April 2018 verschwand der Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub spurlos bei einer Skitour in den Schweizer Alpen. Er soll dort tödlich verunglückt sein. Am 14. Mai 2021 hat das Amtsgericht Köln Karl-Erivan Haub für tot erklärt. Rechtskräftig ist der Beschluss aber erst nach Ablauf der Rechtsmittelfrist am 22. Juni um 24 Uhr.

Doch es gibt schon länger Zweifel an der Unfalltheorie. Denn die Leiche des Tengelmann-Milliardärs wurde bisher nicht gefunden. So kommt der am 10. Juni ausgestrahlte RTL-Dokumentarfilm „Tengelmann - Das mysteriöse Verschwinden des Milliardärs“ zu dem Schluss, dass ein Unfall wenig wahrscheinlich ist. Darin wird unter anderem der Frage nachgegangen, ob ihm seine Russlandgeschäfte zum Verhängnis geworden sein könnten.

Mysteriöses Verschwinden des Tengelmann-Milliardärs: Haub hat am Vorabend mit russischer Bekannten telefoniert

In die gleiche Richtung geht der Bericht „Zermatt RU“, den ein Ermittlerteam, das Christian Haub nach dem Verschwinden seines Bruders beauftragte, erstellte. Laut Bild, der der Bericht vorliegt, sollten die Ermittler „mögliche aktuelle Kontakte“ von Haub in die Russische Föderation untersuchen.

Ein Rolle dabei spielt möglicherweise Haubs langjährige, russische Bekannte Veronika E., manche sprechen sogar von seiner Geliebten. Mit der Marketing-Direktorin der Touristikagentur „Russian Event“ in St. Petersburg soll er am Abend vor seinem Verschwinden telefoniert haben. Sie ist nicht nur eine Alpinkletterin und Hubschrauberpilotin. Ihre Agentur soll auch Kontakte zu „ehemaligen hochrangigen KGB-Mitarbeitern“ haben, zitiert Bild aus dem Bericht.

Zwei Tatsachen könnten Belege dafür sein, dass der KGB seine Finger im Spiel gehabt haben könnte. So sind die Ermittler in St. Petersburg von Unbekannten bedroht worden. In einer Nachricht hieß es unter anderem: „Ihre Familien brauchen Sie doch!“ Zum anderen ist Veronika E. seit dem Verschwinden von Karl-Erivan Haub ebenfalls wie vom Erdboden verschluckt. Doch insgesamt gesehen scheint es keine konkreten Beweise für eine Beteiligung russischer KGB-Agenten an Haubs Verschwinden zu geben.

Todeserklärung der Tengelmann-Milliardärs: wie viel Steuern zahlen die Erben?

Wenn die Todeserklärung Karl-Erivan Haubs am 15. Juni rechtskräftig ist, könnten bei der Tengelmann-Gruppe, zu der unter anderem die Baumarktkette Obi und der Textildiscounter Kik zählen, klare Verhältnisse einkehren. Denn Christian Haub ist bereit, für den Anteil des verschollenen Bruders 1,1 Milliarden Euro an Katrin Haub, Karl-Erivans Ehefrau, und ihre Kinder zu zahlen.

Katrin Haub hat einen großen Anreiz, dem Verkauf bis zum 15. Juni zuzustimmen. Denn nur bis zu diesem Datum kann sie bei der Kaufsumme die Einkommensteuer auf den Veräußerungsgewinn von der Erbschaftsteuer abziehen. Dabei handelt es sich immerhin um rund 100 Millionen Euro. Dennoch werden die künftige Witwe und ihre Kinder schätzungsweise 400 bis 500 Millionen Euro an das Finanzamt zahlen müssen. Doch die Zahlen können sich noch ändern, da niemand weiß, wie hoch der Kaufpreis und damit das Erbe genau ist.

Todeserklärung der Tengelmann-Milliardärs: eindeutiges Mehrheitsverhältnis könnte Konzern stabilisieren

Kommt der Handel zustande, wird ein Erbstreit verhindert. Christian Haub, der dann die Mehrheit an Tengelmann hält, kann allein über die Unternehmensstrategie bestimmen.

Rubriklistenbild: © Rolf Vennenbernd/dpa

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