Karl-Erivan Haub mit seinen Brüdern Georg und Christian Haub vor einer Tengelmann-Filiale in Mühlheim. (V.l.n.r. )
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Einigung im Tengelmann-Erbschaftsstreit zwischen den Familienzweigen des verschollenen Milliardärs Karl-Erivan Haub und seiner Brüder Georg und Christian Haub (V.l.n.r. ) (Archivbild).

Rätselraten geht weiter

Tengelmann: Familien-Streit um milliardenschweren Unternehmer beigelegt – doch wichtigste Frage bleibt offen


Der Milliardär Karl-Erivan Haub ist vor drei Jahren bei einer Skitour unter mysteriösen Umständen verschwunden. Seither tobt ein Streit um Einfluss und Geld. Jetzt gibt es die lang ersehnte Lösung.

Mülheim/Ruhr – Die zerstrittenen Familienzweige von Karl-Erivan Haub und Christian Haub haben nach jahrelangem Streit um die künftige Eigentümerverhältnisse bei Tengelmann zu einer Einigung. Das gaben die Rechtsanwälte der beiden Parteien, Mark Binz und Peter Gauweiler, am Montag bekannt. In der Erklärung wurde vereinbart, dass die Erben von Karl-Erivan Haub ihre Tengelmann-Anteile an Christian Haub verkaufen. Dabei geht es um 34,3 Prozent der Anteile an der Unternehmensgruppe.

Angestrebt werde nun, „den vereinbarten Anteilskauf noch im Mai zu beurkunden und zu vollziehen“. Der jüngere Bruder Christian Haub hatte nach dem Verschwinden des Milliardärs die Geschäftsführung übernommen. Doch es war ein Streit um das Milliardenimperium entbrannt. Karl-Erivan Haub gehörte zu den reichsten Deutschen.

Erbfall Tengelmann: „Wir haben sehr harte Verhandlungen geführt“

„Wir haben sehr harte Verhandlungen geführt“, teilten die Rechtsanwälte am Montag mit. Der genaue Streitwert wurde nicht bekannt. Doch bereits Ende 2020 hatte Christian Haub den Erben des Karl-Erivan Haub ein Angebot in Höhe von 1,1 Milliarden Euro unterbreitet. Im Gegenzug wollte er die Firmenanteile seines verschwundenen Bruders erhalten.

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG schätzt den Wert des Unternehmens vor Corona auf vier Milliarden Euro. Das geht aus Angaben des Anwalts Mark Binz hervor, der Christian Haub vertritt. Zum Handelskonzern der Familie gehören unter anderem die Baumarktkette Obi oder der Textil-Discounter Kik.

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Familie stellt Antrag auf Todeserklärung beim Amtsgericht Köln

Die Familie geht davon aus, dass der Milliardär im April 2018 am Klein Matterhorn bei Zermatt verunglückte. Dort war er allein auf einer Skitour unterwegs. Noch im Mai könnte er nun für tot erklärt werden. Einen entsprechenden Antrag stellte die Familie im vergangenen März beim Kölner Amtsgericht. Die Ehefrau des Verschollenen, Katrin Haub, hatte sich zunächst gegen eine Todeserklärung ausgesprochen. „Es ist sehr befremdlich, dass sich jemand Drittes anmaßt, solche Entscheidungen für unsere Familie treffen zu wollen“, sagte sie der dpa. Später hatte sie selbst einen entsprechenden Antrag gestellt.

Das im März gestellte Aufgebot fordert den Milliardär auf, das Amtsgericht Köln bis zum 12. Mai über seinen Verbleib zu informieren. Erfolgt dies nicht und gehen auch sonst keine Hinweise ein, kann Karl-Erivan Haub offiziell für tot erklärt werden. Durch die Todeserklärung steigt der Verkaufsdruck auf die Erben, denn die Erbschaftssteuer der beiden Kinder des Verschollenen beläuft sich Schätzungen zufolge auf einen Betrag in dreistelliger Millionenhöhe. (dpa)

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