+
Die Kaiser's Supermärkte gehören zu Tengelmann. Foto: Martin Gerten

Fusion: Tengelmann und Edeka beantragen Ministererlaubnis

Nach dem Nein des Bundeskartellamts soll es nun Wirtschaftsminister Gabriel richten. Edeka will die Übernahme der Tengelmann-Supermärkte mit einer Ministererlaubnis doch noch unter Dach und Fach bringen. Hauptargument: 16 000 Arbeitsplätze.

Mülheim/Ruhr (dpa) - Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) soll den Weg für den vom Bundeskartellamt untersagten Zusammenschluss der Supermarktketten Edeka und Tengelmann doch noch frei machen.

Um das Verbot der Wettbewerbshüter zu umgehen, beantragten die Handelsriesen eine Ministererlaubnis für die Übernahme der 451 Kaiser's-Tengelmann-Filialen durch Deutschlands größten Lebensmittelhändler. Nur so könnten die rund 16 000 Arbeitsplätze "umfassend gesichert werden", begründete Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub den Schritt.

Gabriel hat nun vier Monate Zeit zu entscheiden, ob er das Veto des Kartellamts zur Fusion überstimmt oder nicht. Entscheidend ist dabei, ob gesamtwirtschaftliche Vorteile oder ein überragendes Interesse der Allgemeinheit schwerer wiegen als die Bedenken der Kartellwächter.

Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub betonte: "Wir sind überzeugt, dass die tatsächlichen gesamtwirtschaftlichen Vorteile unseres Fusionsvorhabens die rein wettbewerbsrechtlichen Kritikpunkte des Bundeskartellamtes weit überwiegen." Edeka bestätigte lediglich den Antrag auf Ministererlaubnis.

Das Bundeskartellamt hatte Anfang April Deutschlands größtem Lebensmittelhändler Edeka die Übernahme von Kaiser's Tengelmann untersagt. Bei einem Zusammenschluss befürchtet die Wettbewerbsbehörde Preiserhöhungen und weniger Konkurrenz.

Edeka wollte die traditionsreiche, aber seit Jahren rote Zahlen schreibende Supermarktkette eigentlich Ende Juni übernehmen. Insgesamt sind in den 451 Filialen knapp 16 000 Mitarbeiter beschäftigt. Sie erwirtschafteten zuletzt einen Netto-Umsatz von rund 1,8 Milliarden Euro.

Beim Bundeskartellamt stießen diese Pläne jedoch von Anfang an auf große Bedenken, da Edeka schon heute mit weitem Abstand die Nummer eins auf dem deutschen Lebensmittelmarkt ist und seine Marktmacht durch den Zukauf noch ausbauen würde. Versuche, einen Kompromiss zu finden, scheiterten. Während Edeka und Tengelmann anboten, rund 100 Filialen aus dem Deal herauszulösen und an andere Einzelhändler zu verkaufen, verlangten die Wettbewerbshüter den Verkauf von rund 300 Filialen an andere Ketten.

Die Handelsgruppe Tengelmann will sich aus dem Lebensmittelhandel zurückziehen, in dem sie zuletzt nach eigenen Angaben nur noch Verluste machte. Firmenchef Haub hatte bei Bekanntgabe der Verkaufspläne gewarnt, wenn das Geschäft nicht zustande komme, drohe im schlimmsten Fall das Aus für die rund 450 Filialen.

Edekas Konkurrent Rewe lehnt eine Ministererlaubnis für eine Fusion der Lebensmittelhändler Edeka und Tengelmann vehement ab. Die Argumente der beiden Unternehmen, dass die geplante Fusion gesamtwirtschaftliche Vorteile habe und nur so Tausende Arbeitsplätze gesichert werden könnten, "sind und bleiben falsch", teilte Rewe in Köln mit. "Für Kaiser's Tengelmann gibt es weiterhin andere Optionen." Auch Rewe hatte Interesse bekundet, den Wettbewerber zu übernehmen. In diesem Fall würden ebenfalls alle Arbeitsplätze gesichert, betonte das Unternehmen. Allerdings hatte das Bundeskartellamt auch in einem solchen Fall massive Bedenken signalisiert.

Bundeswirtschaftsministerium zur Ministererlaubnis

Entscheidung des Bundeskartellamtes

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Experten: Nachrüstungen alter Diesel "grundsätzlich möglich"
Die Regierung lässt Millionen Autobesitzer seit Monaten im Unklaren: Kommt doch noch mehr als neue Software, um Motoren zu schmutziger Diesel sauberer zu bekommen? Nun …
Experten: Nachrüstungen alter Diesel "grundsätzlich möglich"
Wegen des Deutschland-Spiels gegen Schweden: Edeka- und Rewe-Filialen schließen früher
Für die DFB-Elf geht es am Samstag schon um alles. Gut ist das immerhin für die TV-Einschaltquoten - und die Spannung. Auch mehrere Supermarkt-Filialen reagieren.
Wegen des Deutschland-Spiels gegen Schweden: Edeka- und Rewe-Filialen schließen früher
Opec+ weitet Ölproduktion um eine Million Barrel am Tag aus
Die Opec hat am Freitag vorgelegt, einen Tag später ziehen die Nicht-Opec-Länder nach. Mehr Öl soll in den Markt gepumpt werden, um eine Balance zwischen Angebot und …
Opec+ weitet Ölproduktion um eine Million Barrel am Tag aus
Daimler stoppt Auslieferung von Diesel-Modellen - diese Fahrzeuge sind betroffen 
Daimler hat die Auslieferung mehrerer Diesel-Modelle gestoppt. Grund  ist der angekündigte Rückruf für Fahrzeuge, die einen Diesel-Motor nach der Norm 6b enthalten.
Daimler stoppt Auslieferung von Diesel-Modellen - diese Fahrzeuge sind betroffen 

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.