Terror-Warnung treibt Ölpreis auf Rekord: Börsen gehen in die Knie

- München - Es ist wieder einmal die explosive Mischung: Hohe Ölpreise, neue Angst vor Terroranschlägen, sinkende Aktienkurse. Wie genau welche Rädchen ineinandergreifen ist nicht feststellbar. Die Wirtschaft aber leidet.

<P>Am Sonntagnachmittag sah es in Europa noch recht sonnig aus. Gute Vorgaben von der Wall Street ließen auf steigende Börsenkurse hoffen - erfreulich, nachdem bereits die Vorwoche gut gelaufen war. Dann wurde es Abend in Europa: Tagesschau-Zeit. In Washington war es 14 Uhr. Tom Ridge, US-Heimatschutzminister, trat vor die Kameras von CNN und schraubte die Sicherheitsstufe für die Hauptstadt und für New York von gelb auf orange hoch. Es seien Anschläge auf Finanzinstitutionen geplant. Weltbank, internationaler Währungsfonds, Citigroup und die New Yorker Börse wurden als mögliche Ziele genannt. Ridge berief sich auf Geheimdienstinformationen, und den Angaben gefangener Al Qaida-Mitglieder.</P><P>Die Börsenbarometer drehten schlagartig. Fallende Kurse sind die logische Folge, wenn das Finanzzentrum der Welt getroffen werden könnte. Da halfen nicht einmal passable Unternehmensdaten im alten Europa: Die Aktien standen deutlich im Minus.</P><P>Spontan schnellten auch die Öl-Notierungen in die Höhe: Der Opec-Korbpreis stieg auf 28,69 Dollar pro Barrel, dem höchsten Stand seit 14 Jahren. Neben der Terror-Angst spielt hier auch wieder die Krise um den pleitebedrohten russischen Ölkonzern Yukos eine Rolle. Dieser könnte die Ölförderung einstellen, wurde gestreut.</P><P>Experten allerdings glauben nicht, dass der Kreml den Machtkampf mit der Privatwirtschaft so weit treiben wird, dass die wichtigste Devisenquelle des Landes versiegt. Selbst wenn Yukos pleite gehe, "wird auf den Ölfeldern nicht abgesperrt und der Schlüssel weggeworfen", sagt Rainer Wiek vom Hamburger Energie-Informationsdienst. Er hält den russischen Machtkampf für überbewertet. Schließlich seien auch Entspannungszeichen aus Russland an den Märkten verpufft. Hauptursache für den hohen Ölpreis ist für ihn, dass die Förderländer die hohe weltweite Nachfrage nicht befriedigen können.</P><P>Auch zu den Terror-Warnungen aus den USA kamen kritische Stimmen. Denn diese kamen just als erste Umfragen nach dem Wahlparteitag der Demokraten den Herausforderer John Kerry mit 49 Prozent vor Präsident George W. Bush (42 Prozent) sahen. Auf den Zusammenhang wies Kerrys (in den Vorwahlen unterlegener) Konkurrent Howard Dean hin.</P><P>Nun sind auch sinkende Aktienkurse nicht gerade gut für die Wertschätzung einer US-Regierung. Und so ruderte der republikanische New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg bereits in die Gegenrichtung. Er werde, ließ er mitteilen, den Börsenhandel diese Woche einläuten. So galt es schon als halber Sieg der Vernunft über die Panik, dass die Dax-Kurse zwar morgens um rund 1,2 Prozent nachgaben, diesen Stand aber bis in den Nachmittag halten konnten. Die US-Anleger erwiesen sich als noch gelassener: Die wichtigsten Indizes starteten mit Abschlägen von 0,3 bis 0,6 Prozent.</P>

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