Arbeiter beim Bau von Stromleitungen in Wangdian, Provinz Jiangsu
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Bau von Stromleitungen im ostchinesischen Wangdian - die Arbeiter hängen rund 100 Meter über dem Boden

Strenge Regeln für Energiesparziele

Tesla und Apple: Produktion in China für mehrere Tage gestoppt - Strommangel bedroht Lieferketten

  • Christiane Kühl
    VonChristiane Kühl
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Im Kampf gegen den stark steigenden Stromverbrauch hat China strenge Richtlinien erlassen. Jetzt müssen erste Firmen die Produktion drosseln. Betroffen sind auch Zulieferer von Apple und Tesla

Peking/München - Chinas Stromverbrauch steigt immer weiter. Nun will die Regierung eine Kehrtwende einleiten und den Stromverbrauch drosseln. Dazu erließ Peking kürzlich strenge Vorschriften – die nun erste Unternehmen zu drastischen Maßnahmen zwingen. Mehrere Zulieferer von Apple und Tesla haben diese Woche nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters für mehrere Tage die Produktion in einigen ihrer chinesischen Fabriken ausgesetzt, um die strengen Richtlinien zum Energieverbrauch einzuhalten.

Die Zentralregierung in Peking will den Stromverbrauch im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um drei Prozent reduzieren, um ihre Klimaziele zu erreichen – und hat entsprechende Vorgaben an die Provinzen ausgegeben. Hinzu kommen Berichte zunehmender Stromausfälle in wichtigen Produktionsregionen etwa entlang der Küste Ostchinas.

China: Apple-Zulieferer unterbricht Produktion

So hat der Apple-Zulieferer Unimicron Technology die Produktion in drei seiner chinesischen Tochtergesellschaften zwischen Sonntag und Donnerstag eingestellt. Auch der Konzern Concraft Holding, der unter anderem Teile für iPhone-Kopfhörer herstellt, will laut Reuters in zwei Werken bis Donnerstag die Bänder stilllegen und stattdessen auf seinen Lagerbestand zurückgreifen, um die Nachfrage zu bedienen.

Eson Precision Engineering – eine Tochterfirma des taiwanischen Apple-Zulieferers Foxconn – legt die Produktion in China bis Freitag still. Mehrere Halbleiterfirmen aus Taiwan sagten der Agentur dagegen, ihre Fertigung sei aktuell nicht beeinträchtigt. Doch der Druck dürfte weiter steigen. Denn die Probleme in Chinas Stromsektor werden sich voraussichtlich weiter verschärfen, was vor der anstehenden Hochsaison für Elektronikartikel die Lieferketten des Sektors empfindlich stören könnte. Das Abflauen der Corona-Pandemie treibt schon jetzt die Nachfrage nach den vielen in China hergestellten Elektronikprodukten in die Höhe.

China: Drosselung des Wachstums im Stromverbrauch

Hintergrund der neuen chinesischen Maßnahmen ist, dass Chinas Strombedarf aufgrund des Wirtschaftswachstums immer weiter steigt – im ersten Halbjahr 2021 im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019 um 14 Prozent (das Frühjahr 2020 ist wegen der Corona-Pandemie ein Ausnahmejahr und daher ausgeklammert). 90 Prozent des globalen Wachstums im Stromverbrauch entfielen in diesem Zeitraum auf China, wie die Denkfabrik Ember Climate errechnete. Seit 2000 ist der Pro-Kopf-Stromverbrauch in der Volksrepublik um das Sechsfache angestiegen. Und noch immer werden etwa zwei Drittel des Stroms aus Kohle generiert.

Maßnahmen sind also nötig, zumal die Weltgemeinschaft China zu mehr Klimaschutz drängt. 16 von 31 Provinzen rationieren daher derzeit nach einem Bericht der Hongkonger South China Morning Post die Elektrizität. In manchen Provinzen erstrecken sich die Sparmaßnahmen sogar auf private Haushalte. In Nordostchina sind Privatwohnungen immer öfter von Abschaltungen betroffen. In manchen Gegenden dürfen Einwohner keine Wasserkocher oder Mikrowellen mehr benutzen, oder Fahrstühle in Hochhäusern wurden abgestellt. China will außerdem die Produktion in energiefressenden Sektoren wie Stahl oder Zement drosseln. In diesen Branchen sind die meisten Firmen in Staatshand, können also direkt von den Provinzregierungen kontrolliert werden.

Chinas Stromkrise: Weitere Gefahr für globale Lieferketten

Die Stromknappheit in China fällt in eine Zeit, in der globale Lieferketten ohnehin bereits gestört sind. Seit Monaten beeinträchtigt ein weltweiter Chipmangel viele Industrien, unter anderem die Autoproduktion. Auch gibt es Störungen in der Schifffahrt, nachdem zunächst das Containerschiff Ever Given tagelang den Suez-Kanal blockierte und anschließend zwei chinesische Häfen wegen eines lokalen Corona-Ausbruchs die Abfertigung unterbrochen haben. Beides führte zu erheblichen Schiffsstaus. Von den resultierenden Rückstaus im Warenverkehr haben sich die Lieferketten bis heute nicht gänzlich erholt. (ck)

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