Das Cockpit des Tesla Model 3.
+
Beide Hände fest am Steuer: Vom autonomen Fahren ist Tesla noch meilenweit entfernt.

Briefwechsel aufgetaucht

Tesla und das autonome Fahren: So wenig kann der neue Full Self-Driving-Modus wirklich

  • Jonas Raab
    vonJonas Raab
    schließen

Teslas neuer Full Self-Driving-Modus hat nichts mit autonomem Fahren zu tun hat. Das enthüllt ein Briefwechsel zwischen dem Autobauer aus Palo Alto und einer Verkehrsbehörde.

Palo Alto - Ein paar Mal hat sich Daueroptimist Elon Musk schon verschätzt. Noch bevor das Jahr ohne die von ihm angekündigte Fahrt eines autonomen Tesla von einer amerikanischen Küste zur anderen verstrich, korrigierte er seine Prognose um zwei Jahre nach hinten. Auch das war noch zu früh. Ende 2020 passierte es dann endlich: Ein Tesla Model 3 fuhr zwar nicht von Küste zu Küste, hat aber die 600 Kilometer lange Strecke von San Francisco nach Los Angeles (fast) komplett autonom zurückgelegt. Der Fahrer, ein amerikanischer Youtuber, musste nur ein einziges Mal eingreifen. Balsam auf Musks Seele.

Möglich gemacht hat das Teslas neuer Full Self-Driving-Modus (FSD). In den USA ist er seit Oktober 2020 in einer Beta-Version erhältlich, in Europa wird er je nach Konfiguration und Modell im Lauf des ersten Quartals 2021 erhältlich sein. Die Software ist aber alles andere als völlig selbstfahrend. Vom autonomen Fahren ist Teslas FSD-Modus mindestens so weit entfernt wie Los Angeles von Amerikas Ostküste. Das gibt Tesla jetzt selbst zu.

Tesla meilenweit vom autonomen Fahren entfernt - Briefwechsel aufgetaucht

Laut Handelsblatt gab es 2020 einen Briefverkehr, den Tesla mit der kalifornischen Straßenverkehrsbehörde DMV führte. Daraus geht hervor, dass ein FSD-Tesla nicht in der Lage ist, statische Objekte zu erkennen und adäquat auf Einsatzfahrzeuge, Baustellen, schlechtes Wetter oder ähnlich alltägliche Situationen zu reagieren. Im Dezember 2020 stellte Tesla deshalb klar: Das Update, dessen Name allein schon einen vollständig selbstfahrenden Tesla verspricht, werde auch in Zukunft ein Assistenzsystem bleiben. Der Full Self-Driving-Modus ist auf das Autonomie-Level 2 beschränkt.

Der Weg zum autonomen Fahren wird in fünf Entwicklungs-Levels unterteilt. Level 2 wird als teilautomatisiertes Fahren definiert. Das klingt weiter fortgeschritten, als es ist. Das Auto kann zwar prinzipiell Objekte erkennen – allerdings so eingeschränkt, dass sein Fahrer höchstens kurz die Hände vom Steuer nehmen darf, beispielsweise in Stausituationen. Im Internet kursierende Videos, die amerikanische Tesla-Fahrer bei einem Nickerchen während der Fahrt zeigen, werden vor diesem Hintergrund noch pikanter als sie es ohnehin schon sind.

  • Level 1: Das assistierte Fahren: Der Fahrer bekommt erste Hinweise und Unterstützung von seinem Auto – beispielsweise von einem Notbremsassistenten.
  • Level 2: Das teilautomatisierte Fahren: Fahrerassistenzsysteme können Objekte erkennen. Die Kombination aus Radar und Kamera ermöglicht teilautomatisiertes Fahren – beispielsweise in Stausituationen.
  • Level 3: Das hochautomatisierte Fahren: Das Auto ist in der Lage, über längere Strecken und in bestimmten Verkehrssituationen, beispielsweise auf der Autobahn, komplett selbständig zu fahren – das ist die Schwelle zum autonomen Fahren.
  • Level 4: Das vollautomatisierte Fahren: Theoretisch kommt das Auto ohne Fahrer aus. Im Bedarfsfall kann er aber eingreifen.
  • Level 5: Das autonome Fahren: Im Gegensatz zu Level 3 und 4 kennt das Auto jetzt keine Fahrer mehr, nur noch Passagiere – Lenkrad und Pedale gibt es deshalb nicht mehr.

Tesla und das autonome Fahren: Setzt Elon Musk auf die falsche Technik?

Elon Musk und Tesla setzen beim (teil)autonomen Fahren auf eine andere Technologie als die restlichen Autohersteller. Statt Lidar-Sensoren, die ein Auto dank Laserstrahlen und einer 3D-Karte bis zu 250 Meter weit sehen lassen, basiert Teslas Full Self-Driving-Modus auf einem „Pseudo-Lidar“-System. Elon Musk setzt auf 2-D-Kameras und Künstliche Intelligenz. Dem System werden im Vergleich zu echten Sensoren zwar Schwächen, aber auch ein großes Entwicklungspotenzial nachgesagt.

Erfunden hat den „Pseudo-Lidar“ Kilian Weinberger. Er ist Informatik-Professor von der Cornell-Universität und fährt selbst einen Tesla. „Aber würde er ein Nickerchen am Steuer eines Tesla machen?“, fragt ihn das Handelsblatt. „Auf keinen Fall.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare