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Doch alles anders? Tesla-Chef Elon Musk äußert sich überraschend optimistisch zum Chipmangel

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Von: Bettina Menzel

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Tesla-Gründer Elon Musk steigt aus einem Tesla aus.
Tesla-Chef Elon Musk scheint die Chip-Krise in der Autoindustrie locker zu nehmen (Symbolbild). © Saquan Stimpson / ZUMA Wire / Imago

Während Autobauer wie Volkswagen und Daimler ihre Produktion zurückfahren und Fließbänder stilllegen, scheint Tesla-Chef Elon Musk die weltweite Chip-Krise locker zu sehen.

Palo Alto, USA - Der Chipmangel ist zum Dauerproblem in der Autoindustrie geworden. Große Autobauer wie Volkswagen, Daimler, Porsche und Co. müssen Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken und die Produktion zurückfahren. Der Grund: Es fehlen Halbleiter. Tesla ist ebenso mit dem Problem konfrontiert, hatte im August aber eine kreative Lösung parat. Nun äußert sich der Tesla-Chef Elon Musk erneut zum Thema – und widerspricht anderen Autobauern mit seiner Prognose.

Tesla-Chef Elon Musk: „Chipmangel ist kurzfristiges Problem“

Die Krise werde länger dauern, „als wir alle dachten“ sagte der Analyst Dan Hearsch der US-amerikanischen Beratungsfirma Alix Partners der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Halbleiter-Lagerbestände der Autobauer seien nun aufgebraucht: „Das Fass ist leer, es gibt nichts mehr zu holen“, so Hearsch. Bei Volkswagen geht man davon aus, dass die Chipkrise noch bis Ende 2022 Bestand haben werde. Das sagte etwa Einkaufsvorstand Murat Aksel. BMW-Chef Oliver Zipse merkte auf der IAA in München an, dass die „grundsätzliche Anspannung in den Lieferketten die nächsten sechs bis zwölf Monate“ andauern werde.

Tesla-Chef Elon Musk ist optimistischer. Auf der Italian Tech Week in Turin sagte er am Freitag, dass der weltweite Chipmangel in der Autoindustrie nur „kurzfristiger Natur“ sei. Es würden gerade viele Chipfabriken gebaut, weshalb nächstes Jahr genügend Kapazität vorhanden sei. „Ich hoffe es auf jeden Fall, aber es sieht danach aus“, so Musk weiter.

Tesla schafft Rekordproduktion während Chipkrise

Im August klang das noch anders. Damals hatte Musk erklärt, dass auch Tesla von der Chipkrise betroffen sei. Zudem hatte er gegen die Chiphersteller Reneseas undBosch gewettert. Trotzdem fand Musk eine Lösung für den Halbleitermangel. Während woanders die Fließbänder stillstanden, baute Tesla so viele Autos wie noch nie. Im zweiten Quartal 2021 erzielte das Unternehmen erstmals einen Nettogewinn von über einer Milliarde US-Dollar. Teslas Geheimrezept: Der Elektroautobauer setzte alternative Chips ein und schrieb die Software um.

Auch für die Zukunft scheint sich Musk abzusichern: Der Blog Teslarati berichtet, dass Samsung den Standort Taylor in Texas für ein neues Halbleiter-Werk gewählt hat. Dies liegt rund 40 Minuten von Teslas-Gigafabrik in Texas entfernt.

Halbleiter-Mangel: Wie kurzfristig ist der Halbleiter-Mangel wirklich?

Der Grund für die Chipkrise in der Autoindustrie ist hausgemacht: Während der Corona-Krise hatte die Autoindustrie große Mengen an Halbleitern abbestellt. Die Chiphersteller produzierten aber weiter und fanden beispielsweise in der Computerbranche neue Abnehmer. Denn während der Pandemie stieg die Nachfrage nach Computern, Smartphones und Tablets. Als die Nachfrage nach Autos wieder anzog, hatten sich die Chiphersteller schon umorientiert. Die Autobranche bemerkte die Abhängigkeit ihrer Lieferketten zu spät. Weitere Faktoren waren Rohstoffengpässe sowie Spannungen zwischen China und den USA.

Der Chipmangel kostet die Industrie Schätzungen des US-amerikanischen Beratungsunternehmens Alix Partners zufolge 210 Milliarden US-Dollar. Insgesamt werden wegen des Materialmangels 7,7 Millionen Autos weniger produziert. Noch im Mai hatte Alix Partners von 110 Milliarden US-Dollar Verlust gesprochen. Bei der Chipkrise geht es jedoch nicht nur um Milliardenverluste, sondern auch um die nationale Sicherheit. Die Abhängigkeit von asiatischen Produzenten könnte Sabotage oder Spionage möglich machen, asiatische Chips in Elektrogeräten und Autos wären wie ein trojanisches Pferd. Die USA haben den Chipmangel daher zur Frage nationaler Sicherheit ausgerufen. Auch Europa versucht durch heimische Werke unabhängiger vom asiatischen Markt zu werden und hat dafür das Programm Important Project of Common European Interest, kurz Ipcei ins Leben gerufen.

Ob es für die Lieferengpässe eine schnelle Lösung gibt wie Elon Musk prophezeit, ist derzeit unklar. Für die Herstellung eines Chips sind über tausend Arbeitsschritte notwendig und auch der Bau eines Werkes ist langwierig: Die Errichtung des Halbleiter-Werkes im österreichischen Villach beispielsweise hatte drei Jahre gedauert. „Abbremsen und herunterfahren können wir in unserer Branche zügig, neue Kapazitäten aufbauen dauert lange“, erklärt der Infineon-Chef Reinhard Ploss gegenüber dem Spiegel.

Derweil liefert Mercedes aufgrund des Chipmangels Neuwagen mit abgespeckter Ausstattung an die Kunden.

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