„Wahnsinnig“

Musk überrascht mit Bitcoin-Kehrtwende bei Tesla

  • Lena Bammert
    vonLena Bammert
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Tesla und Elon Musk beenden Zahlungen und Verkauf mit Bitcoin. Den Grund lieferte der 49-jährige Unternehmer gleich mit.

Palo Alto/Kalifornien - Elon Musk und Tesla gelten als Pioniere im Bereich der Herstellung von umweltfreundlichen Elektroautos. Gleichzeitig ist der 49-jährige Unternehmer aber auch bekennender Fan von eher wenig umweltverträglichen Kryptowährungen, wie Bitcoin. Eine Diskrepanz, die in der Vergangenheit vor allem im Netz immer wieder diskutiert wurde. So investierte Musks Unternehmen Tesla im Februar ganze 1,5 Milliarden US-Dollar in Bitcoin. 272 Millionen davon veräußerte Tesla innerhalb des ersten Geschäftsquartals gleich wieder und konnte sich so an Kursgewinnen von 101 Millionen Dollar und dadurch deutlich verbesserten Geschäftszahlen erfreuen. Damit ist jetzt wieder Schluss, das gab Elon Musk auf Twitter sehr überraschend bekannt.

Tesla steigt aus dem Bitcoin-Geschäft aus - Elon Musk informiert auf Twitter

Ende März dieses Jahres hörte sich das nämlich noch ganz anders an. Damals twitterte Elon Musk kurz und knapp: „Ihr könnt jetzt einen Tesla mit Bitcoin kaufen.“ Weniger als zwei Monate später erfolgte nun eine etwas längere Erklärung, die das alles wieder zurücknimmt. Demnach hat Tesla die Möglichkeit eines Autokaufs per Bitcoin eingestellt. Auch ein Verkauf von Bitcoin-Anteilen schließt der E-Auto-Bauer zum jetzigen Zeitpunkt aus. Der Grund - die schlechte Umweltbilanz der Kryptowährung.

Nach Berechnungen der Cambridge University verbraucht das sogenannte Mining - also die Herstellung der Bitcoins mittels großer Rechenzentren - derzeit etwa 151,16 Terrawattstunden (TWh) pro Jahr. Der Bitcoin Energy Consumption Index wird auf der Webseite der Universität regelmäßig aktualisiert. Der jährliche Strombedarf der Kryptowährung liegt damit vor dem Bedarf ganzer Länder. Aufgrund der Standorte der Rechenzentren ist der hohe Strombedarf bei der Herstellung von Bitcoins ökologisch besonders problematisch. Laut der Uni Cambridge verteilt sich ein Großteil der Zentren in Asien. Der Anteil von fossilen Energieträgern ist in Asien noch hoch.

Bitcoin: Musk bezeichnet Anstieg des Energieverbrauchs als „wahnsinnig“

In der Erklärung, die Musk auf Twitter veröffentlichte, ist genau dieser Umstand auch der Grund für den Rückzug aus dem Bitcoin-Geschäft: „Wir sind besorgt über die schnell zunehmende Nutzung fossiler Brennstoffe für das Schürfen von Bitcoin und die damit verbundenen Transaktionen, vor allem von Kohle, die die schlimmsten Emissionen aller Brennstoffe hat.“ Den Anstieg des Bitcoin-Energieverbrauchs in den letzten Monaten, der auf der Webseite der Universität Cambridge einzusehen ist, bezeichnete er zudem als „wahnsinnig“. Musks Tweet sorgte für einen kurzen Einsturz des Bitcoin-Kurses um mehrere Tausend Dollar. Gleichzeitig betonte Musk jedoch die „vielversprechende Zukunft“ der Kryptowährung.

Der hohe Energiebedarf liegt an der Herstellung, dem sogenannten Mining der Bitcoins. Um Doppelausgaben des Digitalgelds zu unterbinden, legte der Erfinder des Bitcoin ein Verfahren fest, das auf dem Lösen von mathematischen Problemen durch die „Miner“ und ihre Hochleistungsrechner basiert.

Kryptowährung: Umweltfreundlichere Alternativen mit Peercoin, Nxt und Blackcoin

Nicht alle Kryptowährungen haben einen so hohen Energie-Konsum wie Bitcoin, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet. Demnach arbeiten kleinere Kryptowährungen wie Peercoin, Blackcoin und Nxt mit einem anderen Verfahren, bei dem der Besitz von Hochleistungsrechnern weniger wichtig ist. Ein Großteil der „Miner“ innerhalb der Bitcoin-Gemeinschaft lehnt dieses umweltfreundlichere Verfahren jedoch ab, da sie bereits viel Geld in ihre Technik investiert haben. Musk kündigte auf Twitter jetzt trotzdem an, dass Tesla sich von nun an Kryptowährungen anschauen wird, deren Energieverbrauch bei unter einem Prozent des Bitcoin-Verbrauchs liegt. (leb via dpa)

Rubriklistenbild: © Susan Walsh/dpa

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