Dunkle Wolken über Tesla: Viele Kunden werfen dem Konzern Qualitätsmängel vor. Jetzt droht den Kaliforniern eine Schadenersatzklage.
+
Dunkle Wolken über Tesla: Viele Kunden werfen dem Konzern Qualitätsmängel vor. Jetzt droht den Kaliforniern eine Schadenersatzklage.

Jetzt organisiert sich der Widerstand

Tesla: Zahlreiche Qualitätsmängel sorgen für massiven Ärger bei Kunden – „Damit sie die Q2-Zahlen schaffen“

  • Thomas Schmidtutz
    vonThomas Schmidtutz
    schließen

Defekte Bordcomputer, Klappern, Ladeprobleme: Viele Tesla-Fahrer beklagen sich über Qualitätsmängel. Jetzt holen die frustrierten Kunden der Kalifornier zum Gegenschlag aus.

  • Mit einem Börsenwert von umgerechnet 346 Milliarden Euro ist Tesla der wertvollste Autobauer der Welt.
  • Doch in der Vergangenheit häuften sich die Beschwerden wegen Qualitätsmängeln.
  • Enttäuschte Tesla-Fahrer wollen sich das nicht mehr bieten lassen und fordern Schadenersatz.

München. Der E-Autopionier Tesla hat in den vergangenen Monaten richtig abgeräumt. Während Hersteller wie Volkswagen oder BMW wegen Corona empfindliche Absatzeinbußen hinnehmen mussten, haben die Kalifornier gerade ein weiteres Rekordquartal hingelegt. Auch an der Börse hat die Tesla-Aktie die Konkurrenz längst abgekocht. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 345 Milliarden Euro ist Tesla inzwischen rund dreimal so viel wert, wie die deutschen Autobauer BMW, Daimler und VW zusammen.

Das ist durchaus erstaunlich. Denn die Kalifornier kämpfen offenbar weiterhin mit massiven Qualitätsproblemen. Erst Anfang Oktober sorgte ein Video eines Tesla Model Y für Aufsehen im Web. Der kalifornische Kardiologe Walter Chien war mit seiner Familie auf dem Weg nach Hause, als sich plötzlich das Dach löste und über den Highway flog.

Der Vorfall ist längst kein Einzelfall. Vor allem beim Model Y gibt es offenbar zahllose Probleme, angefangen von losen Sicherheitsgurten über unbefestigte Rücksitzbänke bis hin zu Spaltmaßen, bei denen VW-Chef Herbert Diess seinen Produktionsvorstand wohl zügig zu einem Sechs-Augen-Gespräch in die Personalabteilung bitten würde.

Tesla: Quick-and-dirty-Installation sorgt für Aufregung im Web

Den Vogel schossen die Tesla-Monteure jüngst mit einer Quick-and-Dirty-Installation ab. Weil ein paar Teile offenbar knapp und das Quartalsende nah war, zurrten die Bandarbeiter einen Kühlkondensator im Motorraum kurzerhand mit Bauholz und Plastikgurt fest. „Die sind zum Home-Depot gefahren und haben ein paar Sachen gekauft, damit sie die Q2-Zahlen schaffen“, wetterte der demoralisierte Eigentümer Anfang September im Forum des Tesla Motors Club und trat damit eine Lawine los. Innerhalb weniger Stunden posteten zahlreiche Tesla-Besitzer ähnliche Bilder.

Tesla: E-Autobauer droht Gegenwind von frustrierten Kunden

Angesichts der Qualitätsmängel droht den Kaliforniern nun nicht nur in den USA Gegenwind. Erst vor wenigen Wochen haben enttäuschte Tesla-Fans in den Niederlanden zur Mobilmachung geblasen. Auf Teslaclaim.nl können sich unzufriedene Fahrer melden. Tesla, heißt es auf der Webseite, habe „Autos mit dem Versprechen verkauft, dass sie praktisch wartungsfrei sind“. Zudem geriere sich das Unternehmen als „serviceorientierte Marke“. Die Realität sehe dagegen ganz anders aus, heißt es unter Verweis auf eine marken-typische Mängelliste.

Zu den bekannten Fehlern gehören etwa defekte Computer, kaputte Beleuchtungen, abnehmbare Zierstreifen, Klappern bei Beschleunigung oder Ladeprobleme. Außerdem gebe es immer wieder Türen, die sich nicht mehr öffnen ließen, reduzierte Leistungswerte und Reichweiten sowie Werkstattaufenthalte, bei denen nicht alle bekannten Probleme behoben würden.

Tesla: Webseite für Sammelklage trifft einen Nerv

Mit der Webseite für gefrustete Tesla-Fahrer haben die Betreiber offenbar einen Nerv getroffen. Binnen weniger Tage hätten sich bereits 91 unzufriedene Kunden gemeldet, erklärte Tesla-Claim-Anwalt Sieger Suurbier gegenüber Merkur.de*. Die Mängel träten vor allem bei Model P auf, seien aber nicht auf dieses Modell beschränkt. „Es gibt keine einzige Baureihe, die ordentlich funktioniert“, Suurbier. Daher wolle man nun die Interessen der geschädigten Tesla-Fahrer bündeln.   

„Wir wollen uns mit Tesla außergerichtlich auf Schadenersatz einigen“. Sollte das nicht gelingen, werde man vor Gericht ziehen, kündigte Surrbier an.

Wichtiger Hinweis: Selbstverständlich hätte die Redaktion Tesla sehr gerne um eine Stellungnahme zu den Vorwürfen gebeten. Allerdings hat der Konzern seine PR-Abteilung unlängst geschlossen. Daher können wir die Position des Unternehmens hier leider nicht berücksichtigen. Das bedauern wir.

Auch interessant

Kommentare