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Tesla will Produktion revolutionieren - und den deutschen Herstellern zeigen, wie man Autos baut

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Von: Jonas Raab

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Tesla-Chef Elon Musk am Tag der offenen Tür in der Gigafactory Grünheide
Tesla-Chef Elon Musk am Tag der offenen Tür in der Gigafactory Grünheide © picture alliance/dpa

In Grünheide will Tesla die Produktion von Autokarosserien revolutionieren. Die Konkurrenz zittert und macht daraus auch keinen Hehl.

Grünheide - Deutschland rühmt sich als Land der Dichter, Denker und Autobauer. In seiner neuen Gigafactory in Grünheide will der US-Amerikanische Elektropionier Tesla den Deutschen zeigen, wie man heute Autos baut. Elon Musk nennt das, was er unweit von Berlin vorhat, eine „Umwälzung im Karosseriebau“. Und die deutschen Autogrößen? Die blicken mit Argusaugen nach Brandenburg – und schlagen jetzt schon öffentlich Alarm.

Im Oktober gab Musk bei einem Tag der offenen Tür in Grünheide dem Publikum einen Einblick in seine Fertigungs-Vision, die bald Realität wird. Plakate zeigten, wie die Autos in der neuen Gigafactory entstehen werden: Die vorderen und hinteren Karosserieteile werden in gigantischen Maschinen in einem einzigen Stück Metall gepresst. Zum Vergleich: Heute besteht laut Handelsblatt alleine der hintere Unterboden des Model 3 aus 70 einzelnen Metallteilen.

Tesla setzt in Grünheide auf „Giga-Pressen“

Bei den „Giga-Pressen“, wie Tesla die Maschinen nennt, handelt es sich um die größten Druckgussmaschinen der Welt. Acht dieser Monstermaschinen sollen in Grünheide zum Einsatz kommen. In den Pressen wird bis zu bis zu 850 Grad Celsius heißes Aluminium mit 6.100 Tonnen Druck zu einer Karosserie geformt. Das spare Zeit und Kosten, reduziere Gewicht und erhöhe die Reichweite, sagt Musk. 

Die vorderen und hinteren Gussteile, die aus den „Giga-Pressen“ kommen, werden anschließend mithilfe von Rahmen verbunden. So wird auch die Batterie direkt ins Fahrgestell integriert. Das mache die Fertigung wesentlich einfacher und reduziere die Komplexität, gab Musk auf Teslas „Battery Day“ 2020 zu Protokoll. Bei Twitter erklärte der Tesla- und SpaceX-Chef die neue Produktionsart so: „Mit unseren riesigen Gussmaschinen versuchen wir, Autos in voller Größe so herzustellen, wie man Spielzeugautos baut.“

Tesla plant in Grünheide „Autofabrik der Zukunft“

Autoanalysten wie Adam Jonas von Morgan Stanley verglichen Teslas Revolution der Fahrzeugproduktion mit der Henry Fords Erfindung des Fließbands. „Tesla baut die Autofabrik der Zukunft“, schrieb er in einem seiner monatlichen Berichte.

Die deutschen Autobauer lehrt die Gigafactory in Grünheide schon vor ihrer Eröffnung das Fürchten. Volkswagen-Boss Herbert Diess mahnte bei einer Betriebsversammlung Anfang Oktober, dass Tesla Elektroautos in gerade einmal zehn Stunden bauen könne, das VW-Werk in Zwickau aber mehr als 30 Stunde dafür brauche.

Tesla Werk in Grünheide beunruhigt VW-Chef

„Wir dürfen uns unseren Standort, unsere Konzernzentrale, nicht von Tesla in Grünheide kaputtmachen lassen“, appellierte er an seine Mitarbeiter bei Volkswagen. Beim geplanten Werksneubau in Wolfsburg überlegt der Golf-Konzern, in Reaktion auf Musks Vorstoß ebenfalls eine neue Elektroauto-Fabrik bei Wolfsburg zu bauen. Milan Nedeljkovic, Produktionschef bei BMW, blickt gespannt auf Teslas Gigafactory. Er bezeichnete Teslas Ansatz kürzlich als „spannend“ und stellte in Aussicht: „Wenn es funktioniert, würden wir es vielleicht in Betracht ziehen“, so der Manager.

Auch Musk selbst will sich seine Brandenburger Blaupause erst einmal genau anschauen, bevor sie auch an anderen Standorten eingeführt werden könnten: „Viele neue Technologien werden in Berlin entwickelt, was erhebliches Produktionsrisiko mit sich bringt“, twitterte er 2020. Wenn sich die neue Produktionsart bewährt, soll sie in zwei Jahren auch in den Tesla-Werken in Schanghai und Fremont Einzug halten. Währenddessen verdeutlichen zwei E-Mails von Elon Musk den eigenwilligen Führungsstil des Tesla-Chefs. (jo)

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