Blick über die Baustelle der Tesla Gigafactory.
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Baustelle des Tesla-Werks in Grünheide: Der E-Autopionier will ab Juli die Produktion aufnehmen - doch es könnte eng werden.

Gigafactory

Tesla-Werk Grünheide: Elon Musk droht Mega-Fail - Geplanter Produktionsstart kaum zu halten

  • Jonas Raab
    vonJonas Raab
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Tesla will ab Juli in Grünheide bei Berlin Elektroautos im großen Stil bauen. Doch die Fragezeichen hinter dem ohnehin ambitionierten Zeitplan werden immer größer.

Grünheide - Tesla steht im Stau: In Grünheide laufen die Bauarbeiten für Elon Musks neue Gigafactory zwar auf Hochtouren, eine endgültige Baugenehmigung steht allerdings immer noch aus. Noch im Juli sollen hier die ersten Elektroautos vom Band laufen. Der Termin wird jedoch immer fragwürdiger: Weil die Pläne des US-amerikanischen Branchenprimus‘ scheinbar noch viel ambitionierter sind als bisher bekannt, weil dafür das Wasser fehlt und weil deutschen Mühlen langsam mahlen – viel zu langsam, wie Musk findet.

Das erste europäische Werk des Elektroautoherstellers, das aktuell in Brandenburg in den Himmel wächst, sorgte schon für so manche Verstimmung: Bei Anwohnern und Umweltschützern, weil sie Trinkwasser und Tierwelt gefährdet sehen; bei Tesla, weil es deswegen bei der Baugenehmigung immer wieder zu Verzögerungen kommt. Elon Musk kritisierte in einem Schreiben das deutsche Genehmigungsrecht und lieferte sich nach einem Beitrag im ZDF einen öffentlichen Schlagabtausch mit dem TV-Magazin „Frontal21“.

Teslas Mammutprojekt in Grünheide stockt: Erneute Öffentlichkeitsbeteiligung möglich

In Grünheide baut Tesla derzeit auf eigenes Risiko. Sollte die endgültige Genehmigung nicht erteilt werden, muss das Unternehmen das Gelände auf eigene Kosten wieder in seinen Ursprungszustand versetzen. Erst kürzlich erteilte das Brandenburger Amt für Umwelt Tesla eine weitere vorläufige Genehmigung für den Bau der Fabrik.

Der weitere Fahrplan wurde in einer Ausschusssitzung im Brandenburger Landtag bekanntgegeben: Umweltminister Axel Vogel erklärte, die Landesbehörden hätten reichlich Vorab-Anträge von Tesla zu prüfen. Mit einer abschließenden Erlaubnis sei bis Mitte Mai sei keinesfalls zu rechnen, da es immer noch an grundlegenden Informationen dafür fehle.

Vogels Abteilungsleiter Axel Steffen hatte vergangene Woche noch mehr schlechte Nachrichten für den Konzern: Er schloss nicht aus, dass wegen Änderungen der Gigafactory-Pläne eine erneute Öffentlichkeitsbeteiligung nötig wird. Allein die Fristen dafür (vier Wochen Auslegung, vier Wochen Zeit für Einwendungen, anschließend Auswertung) würden Teslas angedachtem Produktionsstart im Juli einen Riegel vorschieben und die Umweltdebatte erneut befeuern.

Tesla baut seine Gigafactory schließlich im Wasserschutzgebiet. Umweltschützer befürchten negative Einflüsse auf den Grundwasserverlauf, Schadstoffeintrag und Salzwasseraufsieg. Darüber hinaus brauche Tesla sehr viel Wasser, das in der Region nicht vorhanden sei, heißt es immer wieder.

Teslas Gigafactory macht Wasser in Grünheide für fünf Jahre knapp

Um seinen ehrgeizigen Zeitplan dennoch einzuhalten, macht das Unternehmen jetzt Druck. Ende März stellte der Elektroautohersteller zwei weiter Vorab-Anträge, um an Werktagen rund um die Uhr und im Inneren der Gigafactory sogar sonntags arbeiten zu dürfen. Die Anträge würden aktuell geprüft, bestätigte Minister Vogel. Auch für Teslas längerfristige Pläne für den neuen Standort brachte die jüngste Landtagssitzung keine guten Neuigkeiten. Wie bei den Verzögerungen in der ersten Phase des Gigafactory-Projekts geht es um Wasser. Tesla hat die Reserven des vor Ort zuständigen Versorgers schon mit der ersten Ausbauphase der Gigafactory nahezu komplett verplant.

In Grünheide will Tesla zunächst ausschließlich sein Model Y für den europäischen Markt bauen. Berichten zufolge plant der Elektroautohersteller aber bereits weitere Ausbauphasen und rechnt mittlerweile mit 40.000 statt 12.000 Beschäftigten. Pläne würden drei weitere große Produktionshallen zeigen, schreibt das Portal Teslamag. Dafür braucht Tesla Wasser, das es in Grünheide seit seiner Ansiedlung nicht mehr gibt. Das Land Brandenburg nimmt deshalb ein mögliches Grundwasser-Vorkommen in Hangelsberg unter die Lupe.

Dafür läuft bislang eine „Vorerkundung“, wie eine Mitarbeiterin des Landesumweltamts jetzt im Landtag berichtet. Sie dauert zwei Jahre. Erst dann können konkrete Planung beginnen und die Erschließung beantragt werden. Und das muss wiederum genehmigt und umgesetzt werden. Die Beamtin erklärte, es werde wohl insgesamt fünf Jahre dauern, bis Wasser aus Hangelsberg zu Tesla fließen könne – sollte es nicht zu „Unwägbarkeiten“ kommen.

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