Tesla-Werk in Grünheide: Der E-Autopionier hat das quälend lange Genehmigungsverfahren für seine Gigafactory in Brandenburg am Donnerstag heftig kritisiert.
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Tesla-Werk in Grünheide: Der E-Autopionier hat das quälend lange Genehmigungsverfahren für seine Gigafactory in Brandenburg am Donnerstag heftig kritisiert.

Stellungnahme zu Gerichtsverfahren

„Irritierend langsam“: Tesla watscht deutsche Behörden ab

  • Thomas Schmidtutz
    vonThomas Schmidtutz
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Beim Bau seines neuen Werks in Grünheide bei Berlin hat der US-Autobauer Tesla die deutsche Bürokratie offensichtlich unterschätzt. Jetzt kommt die Retourkutsche – und sie fällt heftig aus.

Berlin – Der E-Autopionier Tesla hat das schleppende Genehmigungsverfahren für sein deutsches E-Autowerk in Grünheide bei Berlin heftig kritisiert. „Der deutsche Genehmigungsrahmen für Industrie- und Infrastrukturprojekte sowie für die Raumplanung steht in direktem Gegensatz zu der für die Bekämpfung des Klimawandels notwendigen Dringlichkeit der Planung und Realisierung solcher Projekte“, schrieb das US-Unternehmen in einer am Donnerstag veröffentlichten Stellungnahme zu seinem Werksneubau in Brandenburg.

Als „besonders irritierend“ bemängelte Tesla, dass es 16 Monate nach dem Antrag noch keinen Zeitplan für die Erteilung einer endgültigen Genehmigung gebe. Das „eklatanteste Problem“ sei, dass in aktuellen Verfahren und Gesetzen Projekte, die den Klimawandel bekämpften und solche, die ihn beschleunigten, gleichbehandelt würden.

Tesla: Wollen unsere Erfahrungen teilen

Tesla äußerte sich in einem Verfahren zwischen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) und der Bundesrepublik vor dem Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg. Die DUH fordert, dass die Bundesregierung dazu verurteilt werde, ein Programm aufzustellen, um das nationale Klimaschutzziel 2030 zu erreichen. Tesla reichte die Stellungnahme als „Freund des Gerichts“ ein, da es im Interesse des Verfahrens sei, die Erfahrungen zu teilen.

Umwelthilfe-Chef Jürgen Resch sagte, er sei von Teslas Vorstoß überrascht worden, begrüßte ihn aber. Der Brief sei „segensreich“: „Das Wesentliche ist, dass jetzt wieder Schwung in die Diskussion hineinkommt, wie wir diese Überbürokratisierung in Deutschland zurückfahren können, ohne dass die Mitwirkungsmöglichkeiten der Zivilgesellschaft und der Umweltverbände geschliffen werden.“

Man brauche eine schnellere Genehmigungspraxis in Deutschland, um den Klimaschutz-Anforderungen gerecht zu werden. Genehmigungsverfahren dauerten zu lange und würden zum Beispiel für Windräder auch immer schwieriger. Ein Problem sei etwa, dass die Einreichung von Dokumenten per E-Mail von Behörden häufig abgelehnt werde.

Tesla: Bislang gibt es für Grünheide nur Genehmigungen auf Widerruf

Tesla will in seinem ersten europäischen Werk in Grünheide in Brandenburg im Sommer die Produktion aufnehmen und mit der Zeit 500.000 Autos pro Jahr fertigen. Das Werk in den Niederlanden will der Konzern aufgeben.

In Deutschland baut der US-Konzern bisher mit vorläufigen Zulassungen. Die Arbeiten an der neuen Gigafactory wurden nach Einsprüchen wiederholt unterbrochen. Unter anderem ging es dabei um die Umsiedlung von Tieren. Kritiker warnen auch vor Risiken für die Trinkwasser-Versorgung der Region.

Tesla: Konkrete Vorschläge zur Beschleunigung des Genehmigungsverfahrens

Tesla schlug in der Stellungnahme zehn Maßnahmen vor, mit denen die Genehmigungsabläufe verbessert werden sollen. Dazu gehören beschleunigte Verfahren für nachhaltige Projekte sowie die Berücksichtigung auch indirekter Auswirkungen auf die Umwelt. Aktuell könnten Hinweise auf relativ geringe lokale Folgen in größerem Maßstab positive Projekte verhindern, argumentierte der US-Konzern. Tesla kritisierte auch, dass bei der Beteiligung der Öffentlichkeit „einige der aktuellen Bestimmungen zu Missbrauch einladen“. So belohnten große Anhörungen „Lautstärke statt Substanz“.

Tesla: Deutsche Umwelthilfe geht auf Distanz zu E-Autobauer

In diesem Punkt ging DUH-Chef Resch auf Distanz zu Teslas Brief: „Wir hätten das nicht geschrieben.“ Alle Argumente von Umwelt- und Bürgerverbänden müssten abgewogen werden, „und am Ende entscheiden die Gerichte“. Zweifel äußerte Resch zudem daran, dass man von vornherein klimafreundliche und -schädliche Projekte trennen könne. Schließlich werde jeder Betrieb von positiven Effekten sprechen.

Auch Brandenburgs Landesregierung zeigte sich bei diesem Vorschlag skeptisch. Man halte zwar Verfahrensbeschleunigungen „an geeigneter Stelle“ für sinnvoll. „Rechtlich kann es jedoch keine Unterscheidung zwischen scheinbar klimafreundlichen und eher klimabelastenden Investitionen geben, denn das Recht ist nicht teilbar.“ Der US-Konzern schreckt traditionell vor Auseinandersetzungen nicht zurück. Erst vor wenigen Tagen hatte Konzern-Chef Elon Musk das ZDF wegen eines Beitrags von Frontal 21 heftig kritisiert. (dpa/utz)

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