Tesla-Mitarbeiter poliert Model 3
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Das Model 3 von Tesla steht wegen mangelnder Fertigungsqualität in der Kritik (Symbolbild)

Eklatante Qualitätsmängel

Tesla: Produktionsexperte nimmt Verarbeitung von Model 3 unter die Lupe und ist entsetzt: „Nicht akzeptabel“

  • Josef Forster
    vonJosef Forster
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Der E-Autopionier Tesla ist zuletzt wiederholt wegen der Qualität seiner Fahrzeuge in die Kritik geraten. Auch Produktionsexperte Sandy Munro zeigt sich von der Fertigungsqualität entsetzt.

München - Tesla ist der wertvollste Autobauer der Welt. Mit CEO Elon Musk an der Spitze mischt das junge Automobilunternehmen die Branche auf, lässt mit einem Marktwert von rund 580 Milliarden Euro die etablierten Autohersteller zurück. Innovation, ansprechendes Design und günstiger Preis.

Auf diesen Grundpfeilern stützt sich die Aufstieg von Tesla, doch anhaltende Kritik an der Fertigungsqualität lässt manche potentiellen Kunden zurückschrecken. Für den US-Konzern deshalb essenziell: Der Erfolg des Model 3, das im Vergleich zu den Modellen S, X und Y für breite Bevölkerungsgruppen erschwinglich ist.

Der massentaugliche Elektroflitzer legt jedoch den größten Kritikpunkt am US-Unternehmen frei. Zwar besticht das Auto durch Preis und Reichweite, die Qualität lässt allerdings oft zu wünschen übrig. In einem Youtube-Video untersucht der Automobilingenieur Sandy Munro das aktuelle Modell. Schon 2018 nahm er das Model 3 genauer unter die Lupe. Damals habe er sich „fast übergeben, so schlecht war es“. Die Fehler, die ihm vor drei Jahren auffielen, erwartete er eher „bei einem Kia aus den 1990er Jahren“. Auch beim Model 3 aus dem Jahr 2021 fallen dem Autoexperten auf den ersten Blick gravierende Mängel auf.

Model 3: „Das ist nicht akzeptabel“

Tesla-Kunden kritisierten in der Vergangenheit die Lackarbeiten des US-Autobauers scharf. Auch Autoexperte Munro verweist auf die teilweise miserable Lackierung in der Vergangenheit, die Qualität habe sich beim aktuellen Modell verbessert. „Denjenigen, der für die Lackierung verantwortlich war, haben sie wohl gefeuert“, mutmaßt Sandy Munro, der daraufhin die Spaltmaße des Model 3 untersucht.

Mithilfe eines kleinen Werkzeugs misst der Ingenieur den Abstand zwischen Tür und Kotflügel, doch die Mängel an der Beifahrerseite sind auch mit bloßem Auge zu erkennen. Die Lücke dazwischen ist nicht gleichmäßig. Unterhalb des Außenspiegels betrage der Abstand nur einen Millimeter, am unteren Ende der Beifahrertür liege das Spaltmaß bei rund fünf Millimeter, so Munro. Ein Fertigungsfehler, der den Ingenieur erzürnt: „Ich verstehe nicht, warum es noch immer Fertigungsprobleme gibt.“ Der Mangel sei „nicht akzeptabel“, ärgert sich Munro. Und spricht damit wohl vielen Tesla-Kunden aus der Seele, die ähnliche Qualitätsmängel bei ihren Fahrzeugen entdeckten.

Tesla Model 3: Spaltmaße „wie ein Geländewagen“

In der Fahrzeugentwicklung sei es die „einfachste Sache“ eine perfekte Fertigung zu gewährleisten, resümiert der Automobilexperte. In der Verarbeitung sieht Munro bei Tesla dringenden Handlungsbedarf. „So funktioniert das nicht“, prangert er die Mängel bei den Spaltmaßen an. Die Spalten, die an den Türen der Beifahrerseite zu sehen sind, vergleicht Munro mit denen eines Geländewagens. Sein Jeep weise solche Spaltmaße auf, damit man „den Schmutz besser auswaschen“ könne.

Auch für die Rücklichter setzt es Kritik. Diese seien nicht bündig mit der Heckklappe, so dass die Leuchten etwas hervorstehen. Ein Mangel, der wohl bei vielen Automobilherstellern in der Abnahme des Fahrzeugs aufgefallen wäre. Trotz der offensichtlichen Verbesserungsmöglichkeiten stellt Munro dem Model 3 ein gutes Zeugnis aus. Die aktuelle Version sei eine „gigantische Verbesserung im Vergleich zum damaligen Modell“, bilanziert er.

Elon Musk räumt Qualitätsprobleme bei Tesla-Modellen ein

Tesla wächst schnell. Der Absatz der Fahrzeuge steigt, neue Produktionsstätten wie die Gigafactory nahe Berlin befinden sich im Bau. Pro Jahr sollen zukünftig allein in der deutschen Produktionsstätte eine halbe Million Autos vom Band laufen. Doch geht das Wachstum auf Kosten der Qualität? In einem Gespräch mit Sandy Munro gibt Tesla CEO Elon Musk zu, dass die Güte der produzierten Autos schwanke.

Die Qualität sei generell schlechter, wenn Tesla die Produktion schnell hochfahre, so Musk. Es sei dann eine „sehr herausfordernde Aufgabe“, die Autos in perfekter Ausführung auszuliefern. Im Hinblick auf den Preisdruck und eine zuverlässige Endproduktion sei die Fertigung die „Hölle“, merkt der CEO an.

Die Gigafactory in Brandenburg soll ab diesen Sommer die ersten Tesla-Modelle fertigen. Es bleibt abzuwarten, ob die künfigen Fahrzeuge auch dem Qualitätscheck von Automobilingenieur Sandy Munro standhalten. (jjf)

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