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BMW, Mercedes und VW leiden unter Chipmangel - Tesla feiert Auslieferungsrekord - Wie macht Elon Musk das?

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Von: Markus Hofstetter

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Wegen des Halbleitermangels können deutsche Autohersteller Millionen von Fahrzeugen nicht bauen. Tesla scheint dagegen immun zu sein. Was sind die Gründe?

München - Die deutschen Automobilhersteller ächzen unter der Chipknappheit. Wegen eines Mangels an Halbleitern legen die Unternehmen teilweise ihre Werke still. VW schickte seine Mitarbeiter in Kurzarbeit. Opel kündigte Ende September sogar an, aufgrund des Chipmangels im Werk in Eisenach bis Anfang 2022 keine Autos mehr vom Band laufen zu lassen. Mercedes liefert Neuwagen mit abgespeckter Ausstattung aus. Auch der Lkw-Produzent MAN musste die Produktion drosseln.

Deutsche Autobauer leiden unter Chipmangel: Millionen Autos können nicht gebaut werden

Die angespannte Lage schlägt sich bei den Neuzulassungen nieder. Laut dem Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) sank die Zahl der verkauften Neuwagen im August im Vorjahresvergleich um 23 Prozent, im September sogar um 26 Prozent. In den ersten neuen Monaten summierte sich das Absatzminus auf rund 25 Prozent, nur noch rund zwei Millionen neue Autos wurden zugelassen.

„Die Chipkrise schlägt immer heftiger auf den Neuwagenmarkt durch“, erklärt Peter Fuß, Automobilmarktexperte der Beratungsfirma EY, den deutlichen Rückgang. „Derzeit können Millionen Autos nicht gebaut und ausgeliefert werden, weil Halbleiter fehlen.“ Der Absatz 2021 könne sogar niedriger liegen als im Corona-Jahr 2020.

Deutsche Autobauer leiden unter Chipmangel: keine schnelle Lösung erwartet

Der derzeitige Chipmangel ist auch ein hausgemachtes Problem von BMW, VW & Co. Sie stornierten in der Hochphase der Corona-Krise in 2020 viele Halbleiterbestellungen, so dass die Chipfertiger gezwungen waren, sich umzuorientieren. Neue Verträge wurden mit Pandemie-Profiteuren wie Computerherstellern abgeschlossen. Als der Aufschwung schließlich wieder einsetzte, hatten die Autoproduzenten bei den Chipbestellungen das Nachsehen.

Die deutschen Autohersteller sind nicht sehr optimistisch, was das Ende der Chipkrise angeht. BMW-Chef Oliver Zipse sagte auf der IAA in München: „Ich denke, dass die grundsätzliche Anspannung in den Lieferketten die nächsten sechs bis zwölf Monate andauern wird.“ So sieht es auch VW-Chefkontrolleur Hans Dieter Pötsch, der noch bis ins erste Halbjahr 2022, vielleicht noch weitergehender mit Auswirkungen rechnet. 

Tesla-Chef besucht die Fabrik-Baustelle in Grünheide
Tesla-Chef Elon Musk kann sich trotz Chipkrise über eine Auslieferungsrekord freuen © Christophe Gateau/dpa/picture alliance

Tesla trotzt Chipkrise: Konzern entwickelt Halbleiter selbst

Während den deutschen Herstellern Milliardenumsätze verloren gehen, glänzt Tesla mit Rekordzahlen. Im dritten Quartal steigerte das Unternehmen die Auslieferungen gegenüber dem Vorjahr um 53 Prozent auf rund 241.000 Fahrzeuge. Insgesamt wurden bis Ende September 627.000 Autos verkauft, nach 318.000 im Vorjahrjahreszeitraum. 

Tesla und Elon Musk scheinen der Chipkrise also zu trotzen. Doch wie gelingt es den Kaliforniern den traditionellen Autoherstellern die Butter vom Brot zu nehmen? Wie der E-Autobauer das gemacht hat, zeigt ein Morgan Stanley-Report, aus dem das Portal Insideevs zitiert. Demnach scheint Tesla im gewissen Maße Chips selbst zu designen und zu produzieren.

Tesla trotzt Chipkrise: Elektroautobauer verfügt über starke Verhandlungsmacht

Diese Inhouse-Kompetenz führt zu einem weiteren Vorteil: Sie stärkt die Verhandlungsmacht gegenüber den Chipproduzenten. Wenn sie nicht liefern, baut Tesla die Halbleiter eben selbst. Zudem setzt der Elektroautobauer alternative Chips ein und schrieb die Software um. 

Letztendlich gibt es einen Größeneffekt. Tesla ist zwar kleiner als die Konkurrenz, wächst aber wesentlich schneller. Einen solch strategischen und renommierten Kunden wollen sich die Chiphersteller natürlich gewogen halten. Sind Autobauer wie VW, BMW und Co. schon abgehängt? Elon Musk spricht den deutschen Herstellern Mut zu.

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