Der Ingenieur Stefan Schwunk in einem Video auf seinem Kanal „Schwunkvoll“. Rechts: Das Logo von Mercedes-Benz auf einer Felge (oben), das Logo von Tesla auf einer Felge (unten).
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Der ehemalige Daimler-Ingenieur Stefan Schwunk wechselte zu Tesla, arbeitete dort jedoch keinen einzigen Tag.

Fake-Interview bringt Stein ins Rollen

Job-Flop: Daimler Manager wechselt zu Tesla – und wird noch vor seinem ersten Arbeitstag gefeuert

  • Jonas Raab
    vonJonas Raab
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Tesla sucht für sein neues Werk in Grünheide händeringend Personal. Jetzt sorgt der Fall eines Daimler-Ingenieurs für Aufsehen. Er wurde noch vor seinem ersten Arbeitstag gefeuert. Der Grund überrascht.

  • Daimler-Ingenieur und YouTuber Stefan Schwunk unterschreibt einen Vertrag bei Tesla und freut sich darüber auf seinem YouTube-Kanal.
  • Das Video geht viral und sorgt für ein riesiges Medienecho.
  • Doch beim kalifornischen E-Autopionier kommt das gar nicht gut an.
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Berlin - Der ehemalige Daimler-Ingenieur Stefan Schwunk wollte sein Glück bei Tesla suchen. Er unterschrieb im Dezember 2020 dort einen Vertrag, freute riesig sich auf seine neue Aufgabe in der neuen Gigafactory in Grünheide bei Berlin - und wurde noch vor seinem ersten Arbeitstag wieder gefeuert. Für Teslas Geschmack hatte sich Schwunk wohl zu sehr über seinen Jobwechsel gefreut.

Stefan Schwunk war lange Jahre Ingenieur bei Daimler, ist ein bekennender E-Auto-Fan und beackert das Feld der Elektromobilität deshalb auch nebenberuflich auf seinem YouTube-Kanal Schwunkvoll. Die Freude seiner Fans war wohl ebenso groß wie bei Schwunk selbst, als er in einem Video den Wechsel von Daimler zu Tesla ankündigte. Sein Traum: „Vielleicht mal die Fabrik auch von unten zeigen, vielleicht mal auf die Themen einzugehen, die in der Presse negativ aufgegriffen werden.“ Schwunk und Tesla: Das schien Deckel auf Topf. Das Video ging bei YouTube schnell viral. In rund zehn Tagen wurde es mehr als 110.000 Mal angeklickt. Dann löschte Schwunk das Video plötzlich.

Tesla-Ingenieur für einen Tag: Aprilscherz wird für Stefan Schwunk bittere Wahrheit

Am 1. April gab der ehemalige Daimler- und jetzt Tesla-Ingenieur überraschend bekannt, jetzt für Elli zu arbeiten, ein hundertprozentiges Volkswagen-Tochterunternehmen im Bereich der E-Mobilität. Was Schwunk seinen Followern erst als Aprilscherz verkaufte, stellt sich als bittere Wahrheit heraus: Er ist seinen Job bei Tesla schon wieder los, ohne auch nur einen Handgriff gearbeitet zu haben. Was ist passiert?

Im Podcast Moin Tesla! stand Schwunk nun Rede und Antwort zu den Gründen – zumindest soweit er das darf. Genau hier scheint die Krux zu liegen. Tesla hätte ihm bei der Vertragsunterzeichnung zugesichert, seinen YouTube-Kanal auch weiterhin betreiben zu können, allerdings jede Menge Verschwiegenheitserklärungen auf den Tisch gelegt. „Ich dachte, die wären da ein bisschen offener“, gibt Schwunk zu und erklärt, dass das schon vor Jobbeginn bei ihm „ein bisschen Magengrummeln“ ausgelöst habe.

Tesla-Ingenieur und YouTuber in einem: Keine gute Kombination

Interna wollte Schwunk ohnehin nicht preisgeben. Aber scheinbar sah der amerikanische E-Auto-Konzern bereits die Verkündung des Jobwechsel als kritisch. Das lässt Schwunk im Podcast zwischen den Zeilen anklingen. Sein Wechsel-Video hatte einen Stein ins Rollen gebracht: Schwunk bekam massenhaft Interview-Anfragen, Tageszeitungen berichteten und eine französische Publikation veröffentlichte ein vermeintliches Interview mit ihm, das dann sogar der große US-Blog Cleantechnica aufgriff.

Das Problem: Schwunk hatte nie mit den Franzosen gesprochen. Als das Fake-Interview seinen Schaden längst angerichtet hatte, räumte die Plattform bei Twitter ein, kein Interview mit dem deutschen YouTuber geführt zu haben. Das half Schwunk auch nichts mehr. Eigentlich sollte Schwunk im Februar bei Tesla starten, seine Bekanntheit kostete ihn allerdings den Job. Noch vor seinem ersten Arbeitstag sei Schwunk im Januar von Tesla zu einem Gespräch gebeten worden, in dem man sich auf eine Vertragsauflösung einigte, erklärt er jetzt.

Tesla-Ingenieur Stefan Schwunk sofort gefeuert: „Da kam mir Tesla mit diesem Gespräch zuvor“

Die Auflösung des Arbeitsvertrags scheint auch in Schwunks Sinne zu sein. „Da kam mir Tesla mit diesem Gespräch zuvor“. Einen kleinen Seitenhieb Richtung Elon Musk kann er sich aber dann doch nicht verkneifen. „Ich glaube, da ist schon ziemlich viel dran, dass es bei Tesla einen Menschen gibt, der sozialmedientechnisch aktiv sein darf – und alle anderen nicht.“ Sei’s drum, denn jetzt nicht für Tesla zu arbeiten, sondern zur VW-Tochter Elli zu wechseln, bezeichnete er als „eine der besten Entscheidungen“ in seinem Leben.

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