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Sind die Goldbarren in Sicherheit? Nicht jeder Tresor hält, was der Eindruck verspricht.

Im Test: Krisengewinner Panzerschränke

Tresorhersteller gehören zu den Krisengewinnern. Gold oder Bargeld behalten viele Deutsche, die aus Angst vor der nächsten Investmentpleite um ihr Erspartes zittern, lieber gleich zuhause. Doch nicht jeder Tresor bietet die gewünschte Sicherheit.

Der typische Käufer eines Panzerschranks ist bereits 50 Jahre alt oder älter. Er will neben klassischen Wertgegenständen wie Schmuck, Sammlungen oder Schlüssel auch sensible Daten oder Dokumente wegsperren. Bedarf an besonderer Sicherheit besteht oft auch bei wertvollen persönlichen Dingen wie Familienfotos und anderen Erinnerungsstücken sowie hochwertigen Werkzeugen und Diagnosegeräten.

Tresorhersteller können sich in der Krise über einen überraschenden Auftragsboom freuen. Gekauft werden die Panzerschränke derzeit vor allem von Kunden über 50 Jahren und älter.

Doch nicht jeder Tresor bietet die gewünschte Sicherheit. Der Dachverband der Sicherheitsbranche, die „European Security System Association“, warnt vor Spontankäufen und weist auf ausreichende Sicherheitsstufen und Verankerungen hin. Einbrecher hätten sonst leichtes Spiel und könnten die Wertgegenstände samt Tresor einfach wegtragen.

„Orientierung bietet die ECB-S-Zertifizierung, die den Verbraucher verlässlich über den tatsächlichen Widerstandsgrad eines Produktes informiert“, erklärt Daniela Schmale von Burg-Wächter. Um das Zertifikat zu erhalten, muss der Tresor eine regelrechte Gewaltserie über sich ergehen lassen: Feuerstoß- und Sturzprüfungen sowie ein Einbruchsversuch in den Tresor geben Aufschluss über die Sicherheit.

Die Güteklasse des Tresors ist an einem aufgeklebten Siegel auf der Innenseite der Tresortür zu erkennen, auf dem ein Code vermerkt ist. Datensicherungsschränke in der höchsten Güteklasse P halten Hitzeentwicklungen bis 170 Grad aus, ein Tresor der Stärke D hält immerhin noch 70 Grad stand. Die Basiskategorie DIS verspricht Sicherheit bis zu einer Wärme von 50 Grad. „Da die meisten Kunden sich nicht mit den Sicherheits- und Feuerschutzklassen auskennen, sollte man sich an einen Fachhändler wenden und nicht das erstbeste Modell aus dem Baumarkt kaufen“, raten die Vertreter aller drei Tresorhersteller übereinstimmend.

Achten sollten Verbraucher zudem auf die Bedienerfreundlichkeit – elektronische Schlösser sind besonders praktisch, da man keinen Schlüssel verwahren und suchen muss. Doch ganz ohne Schlüssel kommt auch diese Variante nicht aus: Falls die Batterie des Elektroschlosses aufgebraucht ist, lässt sich der Panzerschrank im Notfall mit einem mitgelieferten Schlüssel öffnen. „Außerdem sollte man darauf achten, dass der Tresor ausreichend Volumen bietet“, rät Christian Fretter vom Tresorfabrikanten Hartmann. „Die Erfahrung zeigt, dass sehr schnell Dinge hinzukommen, die man im Tresor verwahren möchte“, meint Fretter.

Zudem müsse der tatsächliche Sicherheitsbedarf ermittelt werden – je nachdem, welche Werte sich im Tresor befinden, muss der Widerstandsgrad des Tresors ausgewählt werden: „Für die Lagerung von Datenträgern muss der Tresor beispielsweise über Feuerschutz S 30 DIS oder S 60 DIS verfügen“, erklärt Hartmann-Sprecher Christian Fretter.

Die Sicherheitsstufe ist auch relevant für die Versicherbarkeit des Inhalts – je höher die Sicherheitsstufe, desto höher kann der Inhalt versichert werden. Weil ein Tresor meist über Jahrzehnte genutzt wird, sollten Verbraucher aber auch zukünftige Entwicklungen beim Kauf berücksichtigen: „Durch Inflation und Wertsteigerung können in 10 Jahren jedoch Ihre Werte schon doppelt so viel wert sein, der maximale Versicherungsschutz für Ihren Tresor bleibt aber bestehen“, erinnert Ingo Schonert, der ein Tresorgeschäft in Stuttgart betreibt und ein Diplom als Fachberater für Sicherheitstechnik hält. Schonert rät deshalb, „mindestens eine Sicherheitsstufe höher“ auszuwählen, als aktuell benötigt wird.

100-prozentigen Schutz vor Einbrechern bietet ein Tresor allerdings nicht. Sicherheitsexperten raten deshalb zu einer „Doppelstrategie“: „Zu mir kam ein Kunde, der in einem Feuer alles verloren hatte. Auch wichtige Dokumente gingen leider zu Asche. Seitdem rate ich dazu, eine Mappe für den Notfall zusammenzustellen“, berichtet Sicherheitsberater Ingo Schonert.„Seitdem rate ich dazu, zwei Mappen mit den für Sie wichtigsten Dokumenten zu haben, eine mit den Originalen und eine mit den Kopien“, erklärt Schonert. Eine Mappe kommt in eine erschwingliche Brandschutzkassette, die im Notfall leicht griffbereit ist, die andere Mappe kommt in den Tresor.

Von Sebastian Wieschowski

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