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Test: Welche Jeans ihr Geld wert sind

München - Für Männer-Jeans kann man zehn oder 250 Euro ausgeben. Der Preis sagt aber nichts über die Qualität der Hose, hat Stiftung Warentest herausgefunden. Überrascht waren die Tester nicht nur davon, welche Jeans am besten abschnitt.

15 Hosen wurden unter die Lupe genommen – von den Billigjeans beim Discounter Kik (zehn Euro) bis zur amerikanischen 7 for all mankind, für die man fast 250 Euro hinblättern muss. „Dazwischen liegen Welten, sollte man meinen“, schreiben die Tester, „optisch stimmt das auf alle Fälle, qualitativ weniger.“ Die teure 7 for all mankind wird zwar mit „gut“ bewertet, die unscheinbare Hose vom Discounter Kik bekommt aber auch noch ein „befriedigend“. Überhaupt ist nicht darauf Verlass, für viel mehr Geld deutlich bessere Qualität zu bekommen. „Entscheidend für den Preis ist in erster Linie das Design und der klangvolle Name der Marke“, so das Fazit der Prüfer.

Das zeigt sich auch bei den Ergebnissen. Der Testsieger ist die Zara Slim fit 003, die nur 26 Euro kostet. Unter den neun mit „gut“ bewerteten Jeans befinden sich noch zwei weitere Hosen, die ebenfalls unter 50 Euro zu haben sind: die For friends FF Slim (26 Euro) und die Original regular waist straight leg von H&M (40 Euro). Einzelne Jeans im Überblick:

-Zara Slim fit 003: Der Testsieger erhält die Note 1,9. „Einfach verarbeitet, trotzdem robust und strapazierfähig“, lautet das Urteil.

-Boss Orange 31 every-day: „Die ideale Jeans fürs Büro“, loben die Tester. Sehr gut verarbeitet sei die Hugo- Boss-Hose, und nicht schadstoffbelastet (Note 2,0, Preis: 100 Euro).

-Lee Power low slim: Trotz leichtem Stoffmaterial robust, die Jeans von Lee überzeugte die Tester mit ihrer Passform. Zu bemängeln hatten sie aber die unsaubere Verarbeitung an Bund und Knopflöchern. Note: 2,0. Preis: 90 Euro.

-Zu den mit „gut“ bewerteten Jeans gehörten noch die „7 for all mankind Standard Classic“ (249 Euro/ Note 2,1), die Salsa Low waist (110 Euro/ Note 2,3), die For friends FF Slim (26 Euro/ Note 2,4), die H&M Original regular waist (40 Euro/ Note 2,4), die Levi’s 501 (90 Euro/ Note 2,4) und die Wrangler Texas stretch (75 Euro/ Note 2,4).

-Als „befriedigend“ eingestuft wurden die Kuyichi Lewis regular fit (120 Euro/ Note 2,6) und die „Worker“ von Kik (10 Euro/ Note 2,9). Die Ökojeans „Average Joe“ von Nudie hatten eine bräunliche Färbung, die sich aber schnell herauswäscht. Stiftung Warentest urteilt: befriedigend, Note 2,9. Preis: 139 Euro. Ebenfalls nicht über ein „befriedigend“ hinaus kam die 70 Euro teure Jack & Jones Clark vintage (Note 3,1).

- Auf dem vorletzten Platz landete ein großer Name: Die „Safado regular“ wird von Diesel hergestellt. „Scheuert schnell durch“, sagen die Tester (159 Euro/ Note 3,2).

- „Am schnellsten futsch“ war die G-Star Raw 3301 Victor (120 Euro/ Note 3,3). „Etwas unsauber verarbeitet“, urteilt Stiftung Warentest.

Doch selbst die G-Star Raw wird als „befriedigend“ bewertet. Die Jeans hätten insgesamt eine „passable Figur“ gemacht, so Stiftung Warentest. „Richtig schlecht ist keine einzige.“

Jeans werden oft mit Chemikalien bearbeitet. Umso erstaunlicher, dass die Prüfer kaum Schadstoffe fanden. Lediglich in den Modellen von Lee, H&M und Levi’s registrierten die Messgeräte geringe, für Träger aber harmlose Spuren von Schwermetallen oder Formaldehyd. In der neuen Wrangler Texas fand sich etwas mehr Kupfer. Nach der ersten Wäsche war aber auch das kaum noch nachweisbar.

Deutlich mehr als an der Qualität der Produkte haben die Tester an den Arbeitsbedingungen bei der Herstellung zu kritisieren: „Unser Eindruck: Unzureichender Arbeitsschutz ist ein großes Problem in der Branche“, heißt es.

Seit den 70er-Jahren sind ständig neue Methoden entwickelt worden, um die Jeans abgetragen aussehen zu lassen – zum Beispiel das sogenannte Sandstrahlen. Unter Hochdruck wird Sand auf die Jeans gesprüht, oft auf Stellen wie Knie, Oberschenkel und Hosenboden. Das Verfahren, das seit etwa zehn Jahren eingesetzt wird, ist billig. Der Nachteil für die Arbeiter: Beim Strahlen gelangt feiner, quarzhaltiger Staub in die Luft und kann beim Inhalieren zur unheilbaren Lungenkrankheit Silikose (Staublunge) führen – und im schlimmsten Fall zum Tod durch Ersticken. Keine der Hosen im Test wurde durch Sandstrahlen behandelt. Dennoch sahen die Tester in mehreren Produktionsstätten, dass das Verfahren eingesetzt wurde. Der Ökojeans-Anbieter Nudie bekannte sich auf Nachfrage zum Sandstrahlen: Die Schutzanzüge der Arbeiter seien aber sicher.

Wenig auskunftsfreudig geben sich die meisten Unternehmen, wenn sie nach ihren Sozialstandards oder ihrem ökologischen Engagement befragt werden. Mehr als die Hälfte der Firmen wollten sich gar nicht äußern. Am besten schnitten noch H&M und Zara ab – beide erhielten das Siegel „engagiert“. Auch hier kritisieren die Tester aber die Arbeitsbedingungen. Stiftung Warentest befragte auch die Arbeiter in den Fabriken selbst. Fast alle sind unzufrieden mit ihrer Situation. Obwohl ihre Gehälter dem jeweiligen gesetzlichen Mindestlohn entsprechen oder leicht darüber liegen, decken sie etwa in Bangladesch nicht die Lebenshaltungskosten.

Von Felix Müller

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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