Test: Die meisten Matratzen sind zu weich

Teuer muss nicht gut sein. Kaltschaum-Matratzen von der Stange für 300 Euro bekamen von der Zeitschrift „Test“ bessere Noten als individuell angepasste für fast das Vierfache. Doch der Matratzenkauf kann auch noch billiger gutgehen.

Kaltschaum ist ein hochwertiges Material für Matratzen. Er schmiegt sich an die Körperkonturen an und sorgt für ein angenehmes und gesundes Schlafklima. Die Zeitschrift „Test“ hat das in ihren Matratzentests immer wieder bestätigt. Doch bettet sich derjenige besser, der für seine Matratze tief in die Tasche greift?

Die Teuerste patzte

Für den aktuellen Test haben die Tester bis zu 1120 Euro für eine Matratze ausgegeben. So teuer ist die 90-Zentimeter-Maßmatratze von Lattoflex. Gleich zwei davon bestellten sie für den Test, maßgerecht für eine kleine, leichte Frau und einen großen, schweren Mann. Das ernüchternde Ergebnis: Es lohnt sich nicht, viel Geld dafür auszugeben: Teure Modelle, ganz individuell angefertigte, erreichten lediglich mittlere Noten (Lattoflex für eine leichte Person: 2,6, für eine schwere Personen: 2,3).

Gute Auslaufmodelle

Die beste Matratze im Test, die Badenia Irisette Vita Flex Flextube (Note 2,0), kostet 650 Euro. Die billigste gute, die Panther Evolution 3.0, ein Auslaufmodell (Note 2,0), nur 600 Euro. Es geht aber noch billiger. Wie Test in früheren Tests nachgewiesen hat, gibt es gute Matratzen bereits ab 200 Euro. So schnitt eine Sultan Hjartdal von Ikea für 209 Euro mit Note 2,4 gut ab. Allerdings handelt es sich bei dem erst im Februar 2011 getesteten Modell um eine Taschenfederkernmatratze.

Viele sind zu weich

Die Note allein ist nicht entscheidend. Es kommt darauf an, ob die Härte passt. Leichtere Menschen brauchen im allgemeinen weichere Matratzen. Fast alle jetzt geprüften Matratzen waren eher weich. Insbesondere schwere Schläfer sinken so tief ein, dass die Kontaktfläche zwischen Matratze und Person zu groß wird. An den Kontaktstellen kann sich zu viel Körperfeuchte sammeln, und die Bewegungsfreiheit wird eingeschränkt. Das verschlechtert den Schlaf.

Falsche Angaben

Wer sich im Geschäft eine feste Matratze aussuchen möchte, hat schlechte Karten. Selten stimmt die Härteangabe. Meist gaukeln die Hersteller eine größere Härte vor, als die Matratzen tatsächlich haben. Ein Extrembeispiel ist der Testsieger Badenia. Die Härte wird mit „H3, fest“ angegeben. Das bedeutet nach allgemeinem Sprachgebrauch: Die Matratze ist hart, empfohlen für Menschen mit über 80 Kilogramm Körpergewicht. Tatsächlich, so stellte sich bei den Prüfungen heraus, ist sie sehr weich, geeignet für Personen bis 60 Kilo.

Nur eine Matratze, die Ergomaxx Premium (500 Euro, Note 4,0) von Dänisches Bettenlager, wich in der anderen Richtung ab: Statt H2 (mittelfest) ist sie hart. Einige Anbieter verzichten ganz auf die Härteangabe (Lattoflex, Matratzen, Concord, Schlaraffia).

Die Firma Hukla macht viel Werbung mit ihrer Härteabstimmung über Kleider-Konfektionsgrößen von KGS 1 bis KGS 6. „1“ ist die Frauengröße 36/38 (auch 17/18 und 68/80) und „6“ die Männergröße 54/56 (auch 26/30 und 110). Diese Extreme wurden geprüft. Beide Matratzen für 600 Euro waren sehr weich, wobei sich die kleine leichte Frau auf der für den großen schweren Mann sogar wohler fühlte (Noten: zweimal 4,0).

Zuerst Probeliegen

Für Käufer gibt es drei Wege aus diesem Dilemma: Probeliegen, probeliegen und noch mal probeliegen. Es reicht nicht, sich schnell mal rücklings auf die Matratze auszustrecken. Hier gilt es wirklich, sich wie zuhause im Bett zu entspannen. Matratzenkauf braucht einfach viel Zeit. Die Warentester empfehlen beim Kauf und beim Probeliegen leichte, bequeme Kleidung zu tragen und ruhig eine Weile in der angestammten Schlafhaltung zu bleiben.

Lästiger Geruch

Ein Problem nach dem Kauf ist die Geruchsbelästigung. Nur eine Matratze, die insgesamt nur mit der Note 4,0 bewertete MFO Pro Live Dream (600 Euro), erreichte hier die Note Gut. „Test“ kritisiert eine Geruchsmischung zwischen Chemielabor und Zahnarztpraxis, rät zum individuellen Schnuppertest und zum Ausgasen in einem gut durchlüfteten Raum. Nach vier Wochen ohne Besserung sollte man reklamieren. Allerdings ist der Geruch nur lästig. Eine Raumluftbelastung oder Schadstoffe wurden bei keinem der getesteten Modelle festgestellt

mm

Rubriklistenbild: © dpa

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