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Teuer aber attraktiv: Investoren loben den Standort Deutschland

- Stuttgart - Deutschland gehört für ausländische Unternehmer zu den attraktivsten Standorten der Welt. Das ergab eine Studie des Wirtschaftsprüfungsunternehmens Ernst & Young.

In Europa habe sich nur Polen höherer Beliebtheit erfreut, teilten die Prüfer mit. Beliebtester Standort weltweit sei China vor den USA und Indien. Doch werden auch deutsche Standortnachteile kritisiert: Fast 90 Prozent der Befragten (672 international tätige Konzerne) bemängelten an der Bundesrepublik hohe Kosten, 80 Prozent die Steuerlasten. Dem sozialen Klima und der Lebensqualität erteilten sie im Vergleich zum Vorjahr schlechtere Noten.

"Der hohe Regulierungsgrad, ein unflexibler Arbeitsmarkt und hohe Sozialstandards bleiben für Investoren neben den Arbeitskosten in Deutschland ein Ärgernis", sagte Peter Englisch von Ernst & Young. "China, Indien und die osteuropäischen Länder drohen, Deutschland den Rang abzulaufen", warnte er.

Gute Noten, die besten in Europa, erteilten knapp 90 Prozent der Firmen dem Standort Deutschland für seine Infrastruktur und die Ausbildung der Arbeitskräfte. Auch bei der Qualität von Forschung und Entwicklung nimmt Deutschland in der Einschätzung der Befragten die Spitzenposition auf dem Kontinent ein. Der Zugang zu Finanzinvestoren sei in der Bundesrepublik gut; hinsichtlich der Rechtssicherheit und der politischen Stabilität sind die Firmen zuversichtlich. Die Attraktivität des deutschen Binnenmarkts und die Lage in der Mitte Europas wurden hervorgehoben.

Deutschlands Zukunft liegt nach Ansicht der potenziellen Investoren vor allem in den High-Tech-Branchen. Eine wichtige Rolle würden dabei künftig die Telekommunikation sowie die Chemie- und die Autoindustrie spielen.

"Deutschlands Ingenieure genießen nach wie vor Weltruf", resümierte Englisch. Deutschlands Zukunft liege in der Forschung und Entwicklung. Daher müssten vor allem die Bildung und die Ausbildung von Arbeitskräften im Fokus der Öffentlichkeit stehen. "Wir können nicht billiger sein als Polen und Chinesen", sagte Englisch. "Aber wir können besser sein."

"Warum investieren sie dann nicht?" fragte Gernot Nerb, Bereichsleiter für Branchenforschung beim Ifo-Institut, auf die Diskrepanz dieser Einschätzung zu der vieler deutscher Ökonomen. Mittelständler, so Nerb, müssen oft stärker auf die Kosten achten, während Konzerne mehr Gewicht auf die in der Studie positiv dargestellten Faktoren legen. Tatsächlich habe Deutschland, so Nerb, seine Wettbewerbsposition verbessert. Während in Italien die Lohnstückkosten in den letzten Jahren um sieben bis acht Prozent gestiegen sind, seien sie in Deutschland entsprechend gefallen.

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