Öl teuer wie nie zuvor

New York - Nicht nur der Euro, auch der Ölpreis hat Rekordhöhen erreicht. Der Rohölpreis ist in New York erstmals auf mehr als 80 Dollar je Barrel (159 Liter) gestiegen. Der Rekordstand schlägt voll auf die Verbraucher in Deutschland durch, Heizöl und Sprit sind teuer wie selten zuvor.

Die Ölpreise befinden sich auf einem Höhenflug. Noch zum Jahresbeginn hatte der Ölpreis bei 61 Dollar gelegen und ist seither um 31 Prozent in die Höhe geschossen. Stark rückläufige amerikanische Rohölvorräte, eine enttäuschend bescheidene Ausweitung der Opec-Förderung um 500 000 Barrels von November an und die anhaltend starke globale Nachfrage, vor allem in den USA, China und Indien, haben die Ölpreise auf Rekordniveau getrieben. Hinzu kommen wieder einmal Ölmarkt-Spekulationen von Hedge-Fonds und anderen Investoren.

Leidtragende sind neben den Unternehmen, die auf den "Schmierstoff der Industrie" angewiesen sind, auch die Verbraucher. Vor Beginn der kalten Jahreszeit liegt der Preis für Heizöl mit etwa 64 Euro für 100 Liter auf einem Jahreshoch. An den Tankstellen kostete Superbenzin nach Berechnungen des ADAC im Schnitt etwa 1,37 Euro, Diesel 1,18 Euro. In einigen Städten lag Diesel mit über 1,20 Euro nahe des Höchststandes. Derzeit schützt nur der starke Euro die Autofahrer vor noch höheren Preisen.

Hurrikan "Humberto", der gerade in Texas an Land gegangen ist, erinnerte die Ölkonzerne, Raffineriebetreiber und die Anlieger am Golf von Mexiko unsanft daran, dass die jährliche Hurrikan-Saison im September und frühen Oktober traditionell ihren Höhepunkt erreicht. Der Golf von Mexiko und die angrenzenden Bundesstaaten Texas und Louisiana sind das Hauptfördergebiet der USA für Rohöl und Erdgas.

Einige Ölfachleute halten angesichts der knappen Lagerbestände bei einer plötzlichen Angebotsverknappung durch nicht absehbare politische Entwicklungen im Nahen Osten, in anderen wichtigen Fördergebieten oder im Falle schlimmer Wirbelstürme im Golf von Mexiko einen Preisanstieg auf deutlich über 80 Dollar für denkbar. In den Diskussionen der Energieexperten tauchen sogar sporadisch 100-Dollar-Preisprognosen auf.

Auf inflationsbereinigter Basis haben die Ölpreise im Frühjahr 1980 über 100 Dollar erreicht. Der extrem schwache Dollar ist ein weiterer Faktor für den Wunsch der Ölländer, die Ölpreise möglichst hoch zu halten. Sie werden für ihre Ölexporte in Dollar bezahlt.

Die USA werden ihren Ölverbrauch im kommenden Jahr weiter um 1,1 Prozent auf 21,1 Millionen Barrels pro Tag erhöhen, prognostiziert die amerikanische Energiebehörde EIA (Energy Information Administration). Damit benötigen die Amerikaner mit sechs Prozent der Weltbevölkerung rund ein Viertel des globalen Ölangebots. Die USA fördern aber täglich selbst nur etwa 5,2 Millionen Barrels. Somit müssen mehr als drei Viertel des US-Ölbedarfs durch Importe abgedeckt werden.

Die EIA prognostiziert für leichtes Rohöl der Sorte "WTI" (West Texas Intermediate) für das laufende Jahr einen Durchschnittspreis von 67 Dollar je Barrel und für 2008 von 71 Dollar. "Die anhaltend starke Nachfrage und die niedrigen Überschusskapazitäten machen den Markt im Hinblick auf unerwartete Angebotsunterbrechungen bis Ende 2008 verwundbar", betonen die US-Regierungsfachleute.

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