Teuerung in Eurozone bei 4 Prozent: Inflation fordert Zentralbank heraus

Brüssel - Mit einer Inflationsrate von 4 Prozent hat der Preisauftrieb in der Eurozone im Juni einen Rekordwert erreicht. Wirtschaftsexperten bekräftigten angesichts der hohen Inflationsrate ihre Erwartung, dass die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag den Leitzins erhöhen werde.

Die Inflationsrate von 4 Prozent liegt deutlich über dem von der EZB angestrebten Wert von knapp 2 Prozent. Der bisherige Höchststand lag bei 3,7 Prozent im Mai. Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, geht daher fest von einer Zinserhöhung aus. "Das ist schmerzhaft und wird konjunkturell sicher Schäden auslösen", sagte der Experte. "Aber noch schlimmer wären die Schäden, wenn wir wieder eine Inflationsmentalität wie in den 70er Jahren bekommen würden."

Die EU-Kommission warnte vor einer "Lohn-Preis-Spirale". Es wäre falsch, auf die steigenden Lebenshaltungskosten mit erheblichen Lohnsteigerungen zu reagieren, sagte Kommissionssprecherin Amelia Torres: "Eine Lohn-Preis-Spirale hätte sehr schädliche Folgen für unsere Wirtschaft." Als Hauptgrund für die Teuerungsrate vermutete die Sprecherin von EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Joaquín Almunia die hohen Energie- und Lebensmittelpreise.

Eine offizielle Aufschlüsselung der Ursachen lag noch nicht vor, da es sich bei den Eurostat-Zahlen nur um eine erste Schätzung handelte. Allerdings ist seit Januar allein der Ölpreis um rund 40 Dollar gestiegen, am Montag übersprang er erstmals die Marke von 143 Dollar pro Barrel.

Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Walter befürchtet weitreichende Konsequenzen. "Soziale Unruhen wegen der Preisanpassungen, zum Beispiel in Schwellen- und Entwicklungsländern, werden wahrscheinlich politische Systeme in große Schwierigkeiten bringen", sagte er der Deutschen Welle.

In Deutschland stiegen die Preise im Juni um 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Die Teuerungsrate lag damit unter dem Durchschnitt von 4 Prozent für die Eurozone. Letzteres ist der höchste Wert seit Beginn der regelmäßigen Inflationsmessungen durch Eurostat im Jahr 1997. In diese gehen Lebensmittel- und Energiepreise, Wohnungsmieten und Telefongebühren, die Kosten für Kleidung, Körperpflege und Haushaltsgeräte, aber auch für Fahrzeuge, Unterhaltungselektronik und Restaurantbesuche ein.

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