Teuerungsrate bei drei Prozent: Sparer und Rentner die Verlierer

- Die Inflation in Deutschland ist im November auf den höchsten Stand seit mehr als 13 Jahren gestiegen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema.

Was ist Inflation?

Inflation ist das lateinische Wort für Aufblähung. In der Wirtschaft bedeutet Inflation Geldentwertung durch Preissteigerungen oder eben Aufblähung der Preise. Das statistische Bundesamt berechnet monatlich die Inflation anhand eines sogenannten Warenkorbes, der aus verschiedenen Produkten und Dienstleistungen besteht. Die Preissteigerungsrate oder Inflationsrate beschreibt, wie viel teurer dieser Warenkorb im Vergleich zum vorigen Jahr geworden ist. Im November lag die Rate bei 3 Prozent.

Was bedeutet das für Verbraucher?

Für dieselbe Menge Geld kann sich der Verbraucher weniger kaufen als noch vor einem Jahr. Ohne Lohnerhöhung sinkt der Lebensstandard. Auch das gesparte Geld ist weniger wert.

Wie ist der Anstieg im November entstanden?

Drei Preistreiber sind zufällig zusammengekommen, sagt Henning Vöpel vom Hamburger HWWI: Die Mehrwertsteuererhöhung zum Jahresbeginn, die Explosion der Ölpreise und der kräftige Anstieg der Nahrungsmittelpreise.

Bleibt die Inflation so hoch?

Eher nicht: Es gibt keine Pläne zu weiteren Steuererhöhungen und es ist extrem unwahrscheinlich, dass Öl und Nahrungsmittel noch einmal so kräftig teurer werden. Fachleute rechnen mit einem Rückgang nach dem Winter auf knapp über 2 Prozent.

Warum ist Inflation in Deutschland so ein großes Thema?

Im vergangenen Jahrhundert hat Deutschland zwei große Krisen der Geldentwertung erlebt: In den frühen 20er-Jahren verfiel der Geldwert zum Höhepunkt der Krise praktisch von Tag zu Tag. Auf den Banknoten standen Milliardensummen und trotzdem konnten die Bürger kaum etwas dafür kaufen. Erst eine Währungsreform stoppte die Entwicklung. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam die nächste Währungskrise: Die damalige Reichsmark wurde wertlos, Zigaretten wurden als Ersatzwährung benutzt. Erst die Einführung der D-Mark 1948 schuf Stabilität.

Wie schütze ich mein Vermögen vor der Inflation?

Sachwerte kaufen. Die schlechteste Lösung ist Geld auf dem Girokonto. Auch das klassische Sparkonto mit derzeit etwa 2 Prozent Zinsen bedeute bei 3 Prozent Inflation einen realen Verlust. Chefvolkswirt Jochen Intelmann von der Hamburger Sparkasse rät: "Der klassische Inflationsschutz ist Gold. Man könnte den Anteil im Depot erhöhen."

Soll ich jetzt noch schnell Anschaffungen machen?

Wenn die Inflation entgegen der Expertenmeinung über längere Zeit hoch bleibt, würden aufgenommene Kredite billiger in der Rückzahlung. "Immobilien könnten bei anhaltender Inflation interessanter werden", sagte Haspa-Chefökonom Intelmann.

Muss mir der Chef jetzt mehr Gehalt zahlen?

Nur wenn eine Gehaltsanpassung an die Inflation vertraglich abgemacht ist. Allerdings werden die Gewerkschaften wohl bei den nächsten Tarifverhandlungen die Preissteigerung in ihre Forderung aufnehmen. Wenn die Teuerung nicht wieder nachlässt würden die Gewerkschaften 2008 drei Prozent plus x fordern. Volkswirte befürchten dann den sogenannten Zweitrundeneffekt: Die Firmen erhöhen wegen gestiegener Lohnkosten die Preise und damit zöge die Inflation weiter an - ein Teufelskreis käme in Gang, die gefürchtete Preisspirale.

Wer ist Gewinner und wer ist Verlierer?

Klassische Inflationsverlierer sind Rentner, Hartz-IV-Empfänger und andere Bezieher von Sozialleistungen. Anders als Arbeitnehmer können sie nicht über hohe Lohnforderungen die Preissteigerungen wieder hereinholen. Verlierer ist auch, wer Geld mit niedriger Verzinsung etwa auf dem Sparkonto angelegt hat. Gewinner sind Hausbesitzer.

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