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Teufel im Detail: Crash-Tests und Etiketten behindern den Handel

- Washington - Alle reden von transatlantischer Annäherung, aber da, wo es wirklich spürbar Wirkung hätte, liegt seit langem viel im Argen. Unterschiedliche Industriestandards und Normen sind ein Klotz am Bein jedes Unternehmers, der dies- und jenseits des Atlantiks Geschäfte machen will. Zu ihrem Gipfeltreffen in Washington haben die EU-Spitze und Präsident George W. Bush eine neue "Initiative zur Verbesserung der wirtschaftlichen Integration" angestoßen. Die deutsche Industrie setzt große Hoffnungen darauf.

<P>Daimler-Chrysler kann wie viele andere Unternehmen ein Lied vom Frust mit den verschiedenen Standards singen. "Beispiel Crash-Tests: in den USA wird das Testauto frontal vor die Betonwand gefahren, in Europa im leichten Winkel", sagt Unternehmenssprecher Dennis Fitzgibbons. "Das erfordert Extra-Tests, verschiedene technische Ausstattungen der Autos und damit zusätzliche Kosten." Für Siemens kämpft Patricia Sherman seit Jahren in Washington um Harmonisierung. "Es ist wirklich nervend fürs Geschäft", sagte sie vor kurzem in einer Podiumsdiskussion zu den Perspektiven eines wahren transatlantischen Marktplatzes.<BR><BR>Das Deutsche Institut an der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore (GICGS) errechnete im vergangenen Jahr Milliardensummen, die auf beiden Seiten des Atlantiks verplempert werden. "Der wirtschaftliche Gewinn einer Normung beläuft sich auf ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts, im Fall von Deutschland allein rund 15 Milliarden Euro", hieß es darin. "Die USA verlieren im Jahr durch abweichende Standards in anderen Ländern 20 bis 40 Milliarden Dollar an Waren- und Dienstleistungseinnahmen."<BR><BR>"Machen wir uns nichts vor: da spielt auch Strategie eine Rolle, um Märkte abzuschotten. Aber das gilt für beide Seiten." Robert Bergmann<BR><BR>Neben den verlangten Crash-Tests weichen zum Beispiel auch die Anforderungen für Autoscheinwerfer voneinander ab, die Sicherheitsvorkehrungen für Rasenmähermotoren, die Etikettierung ätherischer Öle, die Testvorschriften für Medikamente und Regeln der Buchhaltung. "Der wichtigste und dringendste Bereich für eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit ist für die deutsche Wirtschaft die gegenseitige Anerkennung und Harmonisierung von Standards, Zertifikaten und Normen", verlangt der Bundesverband der Deutschen Industrie.<BR><BR>Warum es seit Jahren hakt, ist schwer zu sagen. Im Büro der Europäischen Kommission in Washington wird gerne<BR>mit dem Finger auf die amerikanischen Handelspartner gezeigt. Die Europäer seien durch die langjährige Integration in der Harmonisierung geübt, die Amerikaner bewegten sich dagegen ungern. "Machen wir uns nichts vor: da spielt auch Strategie eine Rolle, um Märkte abzuschotten", sagt der Vertreter der deutschen Industrie in Washington, Robert Bergmann. "Aber das gilt für beide Seiten gleichermaßen."<BR><BR>"Reform auf diesem Gebiet verlangt immensen politischen Willen, um fest verwurzelte Interessen zu überwinden", räumt Bill Sweeney, beim amerikanischen IT-Riesen EDS für Regulierungsangelegenheiten zuständig, ein. Gegen die Vorschläge des BDI gebe es im Kongress erhebliche Skepsis. "Die Abgeordneten verlangten Gegenleistungen."<BR>Dass Normierungen und Standards vor allem in den USA ein Wettbewerbsmittel sind, halten auch die Autoren der Studie des Deutschen Instituts fest. "Das ganze gilt als Chance, im Markt einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil zu erzielen." In Europa, sagt Bergmann, werden zuerst die Normen gemacht, dann wird produziert. In den USA werde dagegen munter drauflos produziert. Die erfolgreichste Norm setze sich am Ende durch - ein Dschungelprinzip, das den Europäern ziemlich fremd ist.<BR></P>

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