Teure Energie: Gaskunden müssen aktiver werden

München - Die angekündigten Teuerungswellen beim Erdgas sind eine bittere Pille für die Verbraucher. Schon ab 1. Juli muss die Kundschaft von über 100 Gasversorgern für die Energie deutlich tiefer in die Tasche greifen - auch in Bayern. Verbraucherschützer raten dringend, die Tarife zu vergleichen.

Einige Kunden werden bereits seit Anfang Juni stärker zur Kasse gebeten. Durchschnittlich 7,6 Prozent mehr müssen sie jetzt schultern - das bedeutet für Familien mancherorts Mehrausgaben von bis zu 200 Euro im Jahr allein fürs Gas, hat das Online-Verbraucherportal Verivox berechnet.

Zum Beispiel in München: Beim örtlichen Grundversorger zahlt eine Familie mit einem Gasverbrauch von 20 000 Kilowattstunden im Jahr derzeit im sogenannten M-Tarif rund 1200 Euro mit Online-Rechnung. Mit der Preisanhebung ab Juli ist der Musterhaushalt dann mit 1323 Euro dabei, das sind 123 Euro mehr pro Jahr. In Köln fällt die Teuerung nach Verivox-Berechnungen noch drastischer aus.

Dort muss eine Familie beim Grundversorger zurzeit gut 1294 Euro im sogenannten Fair-Regio-Tarif fürs Gas zahlen. Ab Juli wird daraus eine Belastung von 1511 Euro. Am günstigsten ist Erdgas zurzeit bei den Stadtwerken in Stade (Niedersachsen) mit 1086 Euro, am teuersten in Wismar (Mecklenburg-Vorpommern) mit 1672 Euro pro Jahr.

Energiesparen deckt Preissprünge nicht ab

Nur durch Energiesparen lässt sich die neue Extra-Belastung kaum noch auffangen. Wer der Preisspirale gegensteuern will, hat vielerorts zusätzlich die Möglichkeit, den bisherigen Gasversorger zu wechseln (siehe Kasten). Bislang hätten sich aber nur wenige Kunden dazu entschlossen, ihren Anbieter zu wechseln. "Einen neuen Gasversorger haben seit dem Sommer 2006 erst 300 000 Haushalte", sagte Peter Reese von Verivox.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW/Berlin) berichtete: "Viele Haushalte wechseln nicht den Anbieter, sondern nur den Tarif." Nach Berechnungen des Verbandes entschied sich bis Ende 2007 jeder zehnte (elf Prozent) private Verbraucher für einen anderen Tarif oder Anbieter. Insgesamt werden in Deutschland laut BDEW rund 20,2 Millionen Haushalte mit Gas versorgt.

Günstigere Alternativanbieter seien allerdings noch dünn gesät und längst nicht flächendeckend in Deutschland vorhanden, sagt Aribert Peters vom Bund der Energieverbraucher. Außer einer Reihe regionaler Konkurrenten sei bislang erst ein bundesweiter Gasversorger auf dem Markt.

Der Anbieter wirbt damit, ein Cent pro Kilowattstunde günstiger zu sein als im Allgemeinen Tarif beim örtlichen Grundversorger. "Doch die Belieferung klappt nicht immer", so die Erfahrungen Peters. "Das ist die traurige Wahrheit." Wer ein billigeres Alternativangebot an seinem Wohnort finde, solle schleunigst umsteigen, rät Dagmar Ginzel von Verivox. Gespart werden könne allemal, sagt auch Peters.

Aber aufgepasst, meint Peters. Wer wechseln will, sollte vorher immer nach bevorstehenden Preiserhöhungen fragen. Sonst komme man womöglich beim neuen Versorger im Herbst in die nächste Teuerungswelle hinein. Vor einem Wechsel sei zudem ratsam, zur Sicherheit noch mal beim bisherigen Anbieter anzurufen und nach billigeren Tarifen zu fragen. Oft halte der alte Versorger Sondertarife parat. Wird die Zahlung übers Internet abgewickelt, ist manchmal ein Extra-Rabatt möglich. 

Anbieter-Wechsel

Grundsätzlich kann jeder Verbraucher den Gasanbieter wechseln, der einen eigenen Gaszähler für sein Haus oder seine Wohnung hat und in einem direkten Vertragsverhältnis zu einem Gasanbieter steht (also direkt die Rechnungen erhält und das Gas bezahlt). Nicht wechseln können Mieter von Wohnungen, deren Energiekosten vom Vermieter auf die Mieter umgelegt werden. Diese können höchstens ihren Vermieter auf die Möglichkeit zu wechseln aufmerksam machen.

Und so funktioniert ein Wechsel: Auf der letzten Abrechnung nachsehen, was man pro Jahr fürs Erdgas bezahlt und wie hoch der Verbrauch ist. Internet-Rechner, Verbraucherzentralen sowie Stiftung Warentest helfen dann bei der Suche nach einem billigeren Angebot. Ist ein günstigerer Versorger gefunden, füllt man dessen Formulare aus und schickt sie ab. Der Neue übernimmt die Kündigung beim alten Gaslieferanten sowie die spätere Rechnungstellung. Der Gaszähler wird nicht ausgetauscht. Die Grundversorgung mit Gas ist immer gewährleistet. Die Anbieterumstellung dauert in der Regel sechs bis acht Wochen nach Abschluss des Vertrages.

Den Internet-Rechner zum Gaspreisvergleich finden Sie unter www.merkur.de/sparrechner

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