Teure Energie für treue Kunden

- München - Gute Nachrichten kommen ausgerechnet einmal vom Ölmarkt: Die Preise für Heizöl sind nach heftigen Schüben in den vergangenen Monaten leicht rückläufig. Dafür schlagen die Energieversorger anderswo zu: Gas und Strom werden teurer. Während die Düsseldorfer Chefs des Energieriesen Eon noch verlautbarten, für dieses Jahr sei keine Erhöhung geplant, bat man bei Eon Bayern schon einmal zur Kasse: Um bis zu 17 Prozent steigen die Preise ab 1. Oktober.

<P>Betroffen davon sind ausgerechnet die treuesten Kunden des Energieversorgers: Hausbesitzer, die auf vermeintlich günstige Nachtstromheizungen setzten. Diese Wärmespeicher nehmen den Erzeugern die überschüssigen Energiemengen aus Großkraftwerken ab, um tagsüber mit der gespeicherten Wärme zu heizen. Sie wurden mit einem günstigen Nachtstromtarif belohnt.</P><P>Der ist ab Oktober nicht mehr so attraktiv: Grundpreis und Tagtarif werden um 17 % angehoben, nur der Nachttarif steigt maßvoller um 6 %.</P><P>Dies bestätigte auch Eon Bayern: "Die Preise wurden vor einem Jahr kalkuliert und mussten nun angepasst werden", sagt Pressesprecher Josef Schönhammer.</P><P>Ein Wechsel ist für diese Abnehmer kaum möglich. Denn die gesplitteten Tarife werden von Wettbewerbern nicht angeboten. Trotz der geplanten Anhebung bleibt dieser Tarif in der Regel günstiger als die Einheitspreise der Konkurrenten. Ein Umrüsten auf andere Heizarten ist in solchen Fällen besonders teuer, weil beim Bau von Häusern mit Elektroheizungen im Normalfall kein Leitungssystem für Heizwasser vorgesehen ist.</P><P>Ein Umbau auf Gas wäre auch nicht attraktiv. Denn hier langen die Versorger ebenfalls ordentlich zu. Erhöhungen von deutlich über 10 Prozent zeichnen sich ab.</P><P>Über die gestiegenen Energiekosten grämen sich nicht nur die Verbraucher, sondern nun auch der Industrieverband BDI. "Der Strompreis steigt und steigt", sagte Werner Marnette, Vorsitzender des BDI-Energieausschusses, der Wirtschaftszeitung FTD. "Das ist ein Beitrag zur Entindustrialisierung Deutschlands." Die Versorger treiben in seinen Augen die Preise nach oben. Bislang hatten Wirtschaftsvertreter im Einklang mit den Energieanbietern die Ökosteuer und die Förderung der Erneuerbaren Energien für die hohen Preise verantwortlich gemacht.</P><P>Zwar soll der Elektrizitätswirtschaft künftig von einer Regulierungsbehörde (wie bei Post und Telekom) stärker auf die Finger geschaut werden. Doch die Waffen, die das neue Energiewirtschaftsgesetz vorsieht, gelten als stumpf.<BR>Dabei geht es vor allem um die Durchleitungskosten, die ein Regionalversorger nehmen darf, wenn ein Stromkunde zu einem anderen Anbieter wechselt. </P><P>Darum streitet die Politik: Sollen Preise grundsätzlich vorher zur Genehmigung vorgelegt werden, wie die Union es fordert? Oder wird die Behörde erst auf Beschwerden hin aktiv, wie es die Regierung will? Das kann für den künftigen Marktzugang entscheidend sein. Doch mit den Durchleitungskosten haben die gegenwärtigen Preisrunden nichts zu tun, sie beziehen sich auf die Preise an der Leipziger Strombörse. Die sind kräftig gestiegen - um 36 Prozent in eineinhalb Jahren, wie Eon in seinen Preiserhöhungs-Schreiben angibt.</P><P>Bayern setzt auf billigen Atomstrom und auch die überproportional vertretene Wasserkraft ist nicht vom Ölpreis abhängig. Nur haben die bayerischen Verbraucher wenig davon, wie das bayerische Wirtschaftsministerium indirekt bestätigte. Strompreise richten sich "nicht nach den Gestehungskosten einzelner Kraftwerke, sondern bilden sich deutschlandweit aus Angebot und Nachfrage für eine bestimmte Strommenge und bestimmte Leistung für einen bestimmten Zeitraum", erläutert man im Ministerium die Genehmigungspraxis. Die Preise seien "an den Preisen der Strombörse orientiert". Der Zusatz-Gewinn landet also nicht bei den Versorgern, sondern bei den Erzeugern und Zwischenhändlern unter dem gleichen Konzerndach.</P>

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