Teure "Gratis-SMS": Neue Abo-Falle lockt gezielt Jugendliche

- Monatlich gut 300, 400 SMS - also Kurznachrichten - vom Handy aus an Freunde versenden? Null Problem für unzählige Teenager und junge Erwachsene, die sich durch wildes Simsen oft genug verschulden. Da klingen Angebote zum Gratis-SMS-Versand über das Internet überaus verlockend, ganz nach dem Motto: 100 SMS für lau plus Handy-Verlosung. Was Viel-Simsern vor wenigen Wochen noch als Geheimtipp zum Geldsparen erschien, entpuppte sich inzwischen jedoch als pfeilgerader Weg in eine teure Abonnement-Falle.

Eltern müssen warnen

"Diese neueste Masche ist unglaublich", warnt Peter Knaak von Stiftung Warentest. Windige Anbieter hätten speziell Kinder und Jugendliche im Visier, die bei Gratis-Versprechen noch ohne Risikobewusstsein zugriffen. Reine Abzocke, kritisiert auch Markus Saller, Jurist der Verbraucherzentrale Bayern. "Eltern sollten ihre Kinder davor warnen", rät Verbraucherschützer-Kollegin Evelin Voß. Und darüber sollte mit dem Nachwuchs zu Hause unbedingt geredet werden: Nicht alles, was reißerisch als gratis beworben wird, ist auch wirklich kostenfrei. Den Betreibern der entsprechenden Internetseiten geht es nach Einschätzung von Verbraucherschützern in der Regel nicht darum, etwas zu verschenken. Sondern eher darum, kostenpflichtige Abos an den Mann zu bringen.

Die Masche

Die entsprechenden Lockangebote sind allesamt nach einem ähnlichen Muster aufgebaut. Unter der Blickfangüberschrift der Gratis-SMS-Chance erscheint Bildschirm füllend ein Formular, in dem man sich registrieren lassen muss. Interessenten sollen sich mit Namen, Anschrift, Telefonnummer und E-Mail-Adresse anmelden, um dann gleich mit dem Simsen loslegen zu können. Der Haken daran: Erst im Kleingedruckten versteckt - unterhalb der Eingabemaske - wird darüber aufklärt, dass man damit ein Abonnement eingeht. Wer nicht aktiv nach weiteren Details sucht und beispielsweise mit dem Cursor nach unten scrollt, kriegt von der Zahlungsverpflichtung nichts mit. Das Ende vom Lied: Angemeldete Interessenten schließen in der Regel ahnungslos eine Monatspauschale über eine bestimmte Anzahl von SMS ab. Kostenpunkt: Etwa 84 Euro für ein Jahr, zahlbar per Vorkasse. Das Perfide daran: Die Rechnung kommt erst dann ins Haus, wenn die 14-Tage-Frist vorbei ist, in denen man den Vertrag hätte widerrufen können. "Die meisten dieser Internet-Seiten sind undurchsichtig gestaltet", sodass man leichtgläubig in eine Abo-Falle reintappen kann, warnt Bettina Seutte vom Online-Ratgeberdienst Teltarif.

Schnell reagieren

Wer sich erst vor kurzem angemeldet, aber noch keine Rechnung gekriegt hat, sollte schnellstens reagieren, rät Saller. Sein Tipp: Den Vertrag sofort schriftlich widerrufen. Telefonisch kommt man bei solchen Anbietern mit Beschwerden ohnehin kaum weiter. Ist ein Minderjähriger in die Abo-Falle hineingeraten, sollte man das ebenfalls schriftlich mitteilen. Ohne Einwilligung der Eltern ist ein Vertrag mit Kindern unwirksam. Aber auch eine ganze Reihe unfreiwilliger Kunden, die bereits eine Rechnung bekommen haben, hätten relativ gute Chancen, aus dem ungewollten Vertrag herauszukommen, sind die Experten von Teltarif überzeugt. Wer nachweisen könne, dass er keine formgerechte Widerrufsbelehrung erhielt und am besten gar keine oder nur SMS aus dem versprochenen Freikontingent nutzte, habe damit einen Hebel, sich juristisch zur Wehr zu setzen.

Hoffen auf Kulanz

Anders sieht es den Angaben zufolge aus, wenn man den Abo-Dienst tatsächlich nutzte, also deutlich mehr SMS als das Gratis-Angebot in Anspruch nahm. Dann sei man auf die Kulanz des Anbieters angewiesen, so die Teltarif-Fachleute. Aus der Klemme helfe aber häufig nur der Gang zum Anwalt oder zur juristischen Beratung bei den Verbraucherzentralen.

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