Teure Klicks: Abzocker locken via Internet in immer neue Fallen

- Miriam Z. aus München ist im 6. Monat schwanger und wollte nur schnell im Internet nachschauen, welche Bedeutung hinter dem von ihr gewählten Kindernamen Lucia steckt. Zwei Wochen später flatterte eine Rechnung über 168 Euro ins Haus. Sie ist in die Abofalle der Gebrüder Schmitdtlein getappt.

- Zwei böse Fallen

Diese bieten im Internet unter den Domains xxx-heute.com Dienste an, für die man sich zuvor anmelden muss. Auf den unübersichtlich gestalteten Seiten übersieht der Besucher meist, dass die Nutzung im Voraus bezahlt werden muss. Ein unvorsichtiger Klick, mit dem die AGBs bestätigt werden, verpflichtet die Seitenbesucher zu einem zweijährigen Abo. Die Abzocke taucht noch in einer anderen Form im Netz auf: Internetnutzer werden auf Seiten geködert, auf denen irgendeine Art von Test wie etwa ein IQ-Test abgerufen werden kann. Dass dieser eine ganze Stange Geld kostet, ist im Kleingedruckten versteckt.

- Fälle häufen sich

Hinter den Internetfallen stecken meist nur wenige, die durch eine Vielzahl von ähnlich gestrickten Seiten Unvorsichtigen das Geld aus der Tasche ziehen. Seit ca. einem Jahr mehren sich die Beschwerden bei den Verbraucherzentralen.

- Vertrag oft hinfällig

Die Masche funktioniert allerdings nur, solange die Leute brav zahlen. Denn meist ist der Vertragsschluss gar nicht rechtens. Erst jüngst entschieden sowohl das Land- als auch das Amtsgericht München, dass den Forderungen nicht nachgekommen werden muss, da der Verbraucher mit der Kostenpflichtigkeit nicht rechnen konnte (Aktenzeichen: 30 S 10495/06 und 161 C 23695/06). Desweiteren kann der Vertrag als sittenwidrig gelten, wenn Leistung und Gegenleistung in keinem Verhältnis zueinander stehen. 168 Euro für eine Vornamen-Liste, die man im Buchhandel für 9,90 Euro bekommt, kann man ruhig sittenwidrig nennen.

Also nicht gleich in Panik verfallen, sondern abwarten, bis ein gerichtlicher Mahnbescheid im Briefkasten zu finden ist. Dem liegt auch ein großer rosa Zettel bei, mit dem Widerspruch eingelegt werden kann. Der Internet-Anbieter müsste dann seinen Anspruch begründen, worauf er jedoch meist verzichtet. Des Weiteren könnte er gar nicht nachweisen, mit wem der Vertrag geschlossen worden ist. Jeder, dem Namen und Adresse bekannt sind, könnte die Anmeldung getätigt haben.

- Wenn Kinder surfen

Tappen Minderjährige in die Falle, fällt es Eltern oft schwer, ruhig Blut zu bewahren. Da es in der Anmeldemaske nicht möglich ist, ein Geburtsdatum unter 18 anzugeben, müssen Minderjährige mogeln oder ihnen wird der Zugriff verwehrt. Oftmals drohen die Internet-Anbieter dann mit angeblichen Strafeinträgen. Bevor der Nachwuchs kriminell wird, zahlen viele Eltern lieber die 60 Euro. Dabei hätten sie es besonders leicht aus der Falle zu kommen, denn Verträge mit Minderjährigen sind nur mit ihrer Zustimmung gültig. Auch hier gilt also: wer sich wehrt, ist im Recht.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Größte Freihandelszone der Welt wird neu aufgestellt
Fast ein Vierteljahrhundert waren die meisten mit Nafta zufrieden - dann kam Donald Trump. Die Nordamerikanische Freihandelszone muss auf Druck des US-Präsidenten neue …
Größte Freihandelszone der Welt wird neu aufgestellt
Wohnmobile werden in Deutschland immer beliebter
In die Freizeitfahrzeuge halten jetzt immer mehr elektronische Helfer Einzug - von der Rückfahrkamera bis zum Abstandswarner. Deutschlands Versicherer halten das …
Wohnmobile werden in Deutschland immer beliebter
Ministerin Barley droht mit Frauenquote für Vorstände
Die Leitung von Unternehmen ist immer noch überwiegend Männerdomäne. Eine Pflicht für Firmen, ihre Vorstände ausgeglichen zu besetzen, gibt es nicht. Jetzt ist sie …
Ministerin Barley droht mit Frauenquote für Vorstände
Mindestlohn hat untere Tarifgehälter angehoben
Der 2015 eingeführte gesetzliche Mindestlohn hat vor allem in typischen Niedriglohnbranchen gewirkt.
Mindestlohn hat untere Tarifgehälter angehoben

Kommentare