Teurer, aber besser: Exportkönig Bayern

- München - Erich Greipl gerät ins Schwärmen. "Das sind phantastische Zahlen. Wir sind phantastisch aufgestellt." Der Präsident des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages benutzt das Wort noch mehrmals. Kein Wunder, hat doch der Freistaat 2004 zum elften Mal in Folge einen Ausfuhrrekord aufgestellt. Dass aber nicht alles rosig ist, zeigen die Zahlen: Im ersten Quartal 2005 nahmen die Ausfuhren zwar um 3,9 Prozent auf 29,5 Milliarden Euro zu - 2004 war es jedoch ein Anstieg um 11,1 Prozent. Der Konjunkturmotor schwächelt etwas.

Wirtschaftsminister Otto Wiesheu (CSU) präsentierte gestern die Bilanz. Der Freistaat sei Exportnation Nummer 19 in der Welt, vor Ländern wie Schweden und Australien. Die Ausfuhrquote der bayerischen Industrie habe mit 44,9 Prozent einen neuen Höchststand erreicht.Mit 36 Milliarden Euro waren Fahrzeuge 2004 der Exportschlager, gefolgt von Maschinen und Elektrotechnik. Hauptabnehmer bleibt trotz eines Rückgangs von 10,5 Prozent die USA. Die Ausfuhren nach China brachen um 28 Prozent ein, dafür steigerte Bayern den Absatz in der Euro-Zone. Neue Märkte sieht Wiesheu im Nahen Osten und in Russland.Wegen hoher Ölpreise und des noch relativen starken Euro werde ein Rekordwachstum wie 2004 heuer nicht möglich sein, so Wiesheu. Er warnte: "Wir werden uns im Export nur behaupten, wenn wir das besser sind, was wir teurer sind." Dort, wo andere vorne liegen, so Greipl, müsse die Arbeit in Bayern billiger werden.Ohne den Exportüberschuss von fast 23 Milliarden Euro wäre Bayerns Wirtschaft 2004 nur um etwa 0,6 statt um die tatsächlichen 1,9 Prozent gewachsen. 60 Prozent der örtlichen Arbeitsplätze hängen direkt und indirekt von den Ausfuhrleistungen der Unternehmen ab.Von "guten Exporten" und "schlechten Importen" wollte Greipl nichts wissen. Nur ein Standortmix sichere das Wachstum. Wiesheu nannte für 2004 Importe von 95 Milliarden Euro. Er sah den Freistaat als interessanten Absatzmarkt für Partner: "Außenhandel ist für uns keine Einbahnstraße."Eine solche zeichnet sich aber am Arbeitsmarkt ab: Der Stellenabbau geht weiter. Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft schätzt, dass nochmals ein bis zwei Prozent der Stellen auf der Kippe stehen.

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