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Ob Patienten selbst wählen oder angerufen werden – in beiden Fällen kann es zu Extragebühren kommen.

Teurer Anschluss am Krankenbett

Telefonieren im Krankenhaus kann teuer werden. Nicht nur Patienten müssen mit teils horrenden Gebühren für die Nutzung eines Telefons rechnen. Auch ihren Verwandten und Freunden drohen hohe Kosten für Anrufe.

Telefonieren war eine der wenigen Freuden, die der Mutter von Klaus Stahl im Krankenhaus noch blieben. Ihr Sohn rief sie bis zu ihrem Tod im Februar täglich an. Nicht ganz billig für ihn: Seine Mutter war in der Asklepios-Klinik in Gauting nur unter der Vorwahl 01805 zu erreichen.

Aufpreis für Service-Nummern

Wer diese sogenannte Service-Nummer wählt, muss 14 Cent pro Minute aus dem Festnetz bezahlen. Das ist um ein Vielfaches teurer, als wenn das Krankenhaus unter einer normalen Festnetznummer zu erreichen wäre: Mit einem Billiganbieter kostet ein Festnetzanruf nur ein bis zwei Cent pro Minute. Gegen die teure 01805-Nummer hilft auch keine Billigvorwahl. Und für die Service-Nummern gelten üblicherweise auch Flatrates nicht. Wer die 01805-Nummer mit dem Handy erreichen will, muss mit maximal 42 Cent pro Minute rechnen. Vor Inkrafttreten des neuen Telekommunikationsgesetzes (TKG) am 1. März waren aus dem Mobilfunknetz sogar Kosten bis zu einem Euro pro Minute möglich.

Kosten-Ausgleich

für die Telefon-Anlage Um 60 Euro stieg die Telefonrechnung von Klaus Stahl während des achtwöchigen Krankenhausaufenthaltes seiner Mutter. Weil er in Wiederhofen im Oberallgäu wohnt, konnte er die 67-Jährige nicht täglich besuchen. „Telefonieren war die einzige Möglichkeit, mit meiner Mutter in Kontakt zu bleiben“, sagt er. Als er über Neujahr in Österreich war, konnte er die Schwerkranke gar nicht anrufen. Aus dem Ausland sind 01805-Nummern nicht erreichbar. Eine Frechheit, findet Stahl: „Die Krankenhäuser nutzen die Bedürftigkeit der Patienten schamlos aus.“

Das Problem der 01805-Anschlüsse in Krankenhäusern ist auch Petra von Rhein von derVerbraucherzentrale Bayern bekannt. Patienten, die von ihrem Bett aus ihre Angehörigen anrufen wollen, müssten sowieso teurere Gebühren bezahlen, sagt sie. Ein bis drei Euro Leihgebühr werden üblicherweise für den Apparat am Bett verlangt. Hinzu kommen Gesprächsgebühren, die oft deutlich höher sind als bei einem Privatanschluss. „Ein Ärgernis ist aber, dass man auch als Anrufer mehr bezahlen muss“, sagt von Rhein.

Die Lungenfachklinik in Gauting ist kein Einzelfall. In vielen Krankenhäusern können die Patienten nur unter 01805-Nummern angerufen werden. Florian Mair, Vorsitzender des Vereins Online-Verbraucherschutz, kritisiert dies: „Das ist Abzocke.“ Auf seiner Internetseite hat der Verein aufgerufen, Krankenhäuser, Reha-Kliniken und Pflegeheime zu melden, die 01805-Nummern nutzen. 175 Kliniken deutschlandweit sind inzwischen aufgelistet, darunter auch das Klinikum Freising. 80 Millionen Euro Mehrkosten verursachten die Kliniken den Anrufern insgesamt, schätzt Mair. Zu den Profiteuren gehören die Telefonanbieter, aber auch die Kliniken.

Mathias Eberenz, Firmensprecher der Gautinger Asklepios-Klinik, verteidigt dies. Die Kliniken müssten die Telefonkosten selbst tragen, sie würden nicht von den Krankenkassen oder Sozialversicherungsträgern übernommen. Eine moderne Telefonanlage selbst in kleineren Krankenhäusern koste bis zu 300 000 Euro plus geschätzte 100 000 Euro Wartungs- und Instandhaltungskosten im Jahr. Mit der Servicenummer erziele die Klinik keine Gewinne. „Die Einnahmen werden zur Refinanzierung und Instandhaltung der Anlage verwendet.“

Hinter den 0180-Nummern steckte ursprünglich ein anderer Gedanke. Verbraucherfreundlichkeit stand im Vordergrund, als der sogenannte Geteilte-Kosten-Dienst eingeführt wurde. Als Ferngespräche tagsüber noch teurer als die 0180-Tarife waren, ermöglichten diese Nummern vergünstigte Telefonkontakte zu Firmen. Das angerufene Unternehmen übernahm einen Teil der Gebühren, sodass der Anrufer beispielsweise nur den Ortstarif statt des teuren Ferngesprächstarifs bezahlte. Während Telefonieren allgemein billiger wurde, sind die Gebühren für die 0180-Nummern nicht entsprechend gesunken.

Es geht auch ohne teure Vorwahl

Einige Kliniken im Münchner Umland, beispielsweise Dachau, Ebersberg und Fürstenfeldbruck, haben die teure Vorwahl inzwischen abgeschafft. „Wir wollten den Patienten und ihren Angehörigen die hohen Telefonkosten nicht mehr länger zumuten“, erklärt Gabriela Birnböck, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit am Fürstenfeldbrucker Krankenhaus. Diese Kliniken richteten normale Festnetznummern mit Durchwahlen zu den Patienten ein. Durchwahlen, wie es sie in allen Kliniken zu Ärzten und Stationen gibt.

Aglaja Adam

Wie man sich vor Gebühren schützen kann

-Für Ihren Apparat am Bett gilt: Fordern Sie am ersten Tag im Krankenhaus eine genaue Preisliste an, die alle Kosten erklärt.

-Fragen Sie nach, ob Sie günstige Call-by-Call-Anbieter (Sparvorwahl) nutzen können.

-Fragen Sie nach, ob Sie im Krankenhaus Ihr Handy benutzen dürfen. Für Ihre Angehörigen kann es billiger sein, sie im mobilen Netz anzurufen als die 01805-Nummer zu wählen.

-Fragen Sie beim Krankenhauspersonal nach, ob es statt der 01805-Nummer auch eine Festnetznummer mit üblicher Ortsvorwahl gibt. Denn die Service-Nummern sind auf ganz normale Telefonnummern geschaltet.

-Im Internet finden Sie unter www.0180.info eine Liste mit Ersatznummern für Hotlines mit der Vorwahl 0180.

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