Teurer Schutz vor der Steuer

München - Die Abgeltungssteuer hat viele Anleger alarmiert. Dachfonds gelten als Wunderwaffe und sind deshalb zum Favoriten der Bundesbürger aufgestiegen. Verbraucherschützer beurteilen die Fonds jedoch skeptisch.

Kein anderes Fondssegment erzielt derzeit so hohe Zuflüsse wie die Dachfonds. Allein im ersten Halbjahr investierten Anleger nach Angaben des Bundesverbandes Investment und Asset Management (BVI) das Rekordvolumen von 6,7 Milliarden Euro in Dachfonds, während es im Vorjahreszeitraum nur 0,9 Milliarden Euro waren. Dachfonds investieren das Geld der Anleger nicht in einzelne Aktien oder Rentenpapiere, sondern kaufen selbst Anteile von verschiedenen Einzelfonds (siehe Kasten).

Die hohen Mittelzuflüsse lassen sich durch die Vertriebsoffensive von Banken und Fondsgesellschaften erklären. Sie werben für die Produkte damit, dass Umschichtungen innerhalb eines Dachfonds ab 2009 von der 25-prozentigen Abgeltungssteuer befreit sind und die Fondsmanager dadurch flexibel auf Marktveränderungen reagieren können. Im Gegensatz dazu greift bei Privatanlegern, die ihr Fondsportfolio umschichten, nach dem Jahreswechsel jedes Mal sofort die Abgeltungssteuer.

Einige bankenunabhängige Vermögensverwalter und Verbraucherschützer sehen die viel gepriesene Anlageklasse jedoch kritisch: "Dachfonds sind keineswegs eine Wunderwaffe gegen die Abgeltungssteuer", sagt Arno Gottschalk, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bremen. Hauptkritikpunkt sind nach seinen Worten die verhältnismäßig hohen Gebühren, die künftig weiter steigen dürften.

Diese setzen sich aus den laufenden Kosten des Dachfonds und den Gebühren und Transaktionskosten der Einzelfonds zusammen. Damit betragen die Gesamtkosten laut der Verbraucherzentrale Thüringen bis zu fünf Prozent des Fondsvermögens. Daher sollten sich Anleger die Kosten unbedingt aufschlüsseln lassen, rät Karin Baur vom Magazin "Finanztest". Immerhin müssten diese erst einmal erwirtschaftet werden.

In den letzten fünf Jahren erzielten Dachfonds mit dem Schwerpunkt Aktien nach Angaben des BVI eine jährliche Durchschnittsrendite von 6,9 Prozent. Internationale Aktienfonds brachten demgegenüber 8,3 Prozent und deutsche Aktienfonds sogar 12,7 Prozent. Ungeachtet dessen ist das Angebot an Dachfonds in jüngster Zeit explodiert. Laut BVI sind allein seit Jahresbeginn 180 neue Dachfonds auf den Markt gekommen, und das Fondsvermögen ist auf rund 55 Milliarden Euro gestiegen.

"Unter den besten Investmentfonds finden sich nur sehr selten Dachfonds", sagt "Finanztest"-Expertin Baur. Und gerade bei den neu aufgelegten Fonds sollten Anleger vorsichtig sein. "Trotz der vollmundigen Werbeversprechen kaufen Anleger hier die Katze im Sack. Denn niemand weiß, wie gut das Fondsmanagement ist und ob die strategische Ausrichtung tatsächlich funktioniert." Darüber hinaus besteht nach ihrer Ansicht die Gefahr, dass wenig erfolgreiche Fonds bald wieder geschlossen werden.

Ohnehin raten Anlageberater davon ab, Entscheidungen nach steuerlichen Aspekten zu treffen. "Es geht nur um die Qualität des Fonds, und der sollte innerhalb seiner Kategorie über viele Jahre gleichmäßig gute Ergebnisse gebracht haben", sagt Baur.

Für Anleger, die ein risikoarmes und kostengünstiges Investment suchen, empfiehlt Arno Gottschalk eine Kombination aus attraktiven Zinsanlagen und börsennotierten Indexfonds. Diese sogenannten ETF (Exchange Traded Funds) bilden einen Marktindex wie beispielsweise Dax, Dow Jones oder Euro Stoxx ab. Sie enthalten alle Werte des jeweiligen Index, und damit profitieren Anleger direkt von der allgemeinen Börsenentwicklung. Zudem kosten sie keinen Ausgabeaufschlag, es wird lediglich eine relativ geringe Verwaltungsgebühr fällig.

 Was sind Dachfonds?

Dachfonds verteilen das Geld der Anleger nicht in einzelne Aktien oder Anleihen, sondern kaufen Anteile von verschiedenen Aktien- oder Rentenfonds.

Diese "Zielfonds" wiederum legen in eine Vielzahl von Einzeltitel an. Anleger können unter verschiedenen Dachfonds-Kategorien von geringem bis erhöhtem Risiko auswählen.

Kritisch zu sehen sind Dachfonds wegen ihrer im Vergleich zu Einzelfonds hohen Kosten. Der Anleger muss nämlich nicht nur die Gebühren für die Einzelfonds entrichten, sondern auch die Verwaltungskosten des Dachfondsmanagers. Zudem sind in den vergangenen Monaten zahlreiche Fonds aufgelegt worden, die ausschließlich in die Produkte eines Anbieters investieren, was meist ein Zeichen mangelnder Qualität ist, wie unabhängige Fachleute sagen.

Allerdings sind Dachfonds nicht per se zu verteufeln. Vor allem solche aus der Gruppe Aktienfonds Welt haben eine relativ stabile Wertentwicklung. Aus dieser Kategorie hat die Stiftung Warentest zuletzt den Acatis 5 Sterne-Universal (Isin: DE 000 531 713 5) und den Wallberg Manager Select (Isin: LU 011 145 663 7) als führend bezeichnet.

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