Was Sie beachten müssen

Teurer Strom: Darum lohnt sich der Wechsel

München - Die regionalen Grundversorger beliefern in Deutschland rund ein Drittel aller Haushalte mit Strom – für Verbraucher ist das teuer. Eine Kündigung des Grundversorger-Tarifs rechnet sich fast immer.

Den Grundversorger kann man sich nicht aussuchen. Er bestimmt sich danach, in welchem Versorgungsgebiet der Verbraucher wohnt. Nur ist die Grundversorgung recht teuer. Dabei müssen Kunden nicht einmal zwingend den Anbieter wechseln, um Geld zu sparen. Oft reicht schon eine Änderung des Tarifs. Zu diesem Ergebnis kommt die Verbraucherzentrale Bayern nach einer Analyse verschiedener Tarife im Freistaat.

Wie sind die Verbraucherschützer dabei vorgegangen?

Stellvertretend für Städte und Gemeinden im Freistaat haben Experten der Verbraucherzentrale Bayern Strom-Tarife für die Stadt München, die Region Nürnberg und die Gemeinde Waldaschaff im Landkreis Aschaffenburg untersucht. Dazu haben sie den Preis der lokalen Grundversorger – meist sind das die Stadtwerke – mit potenziellen Alternativen verglichen.

Wie haben die Stichproben-Regionen im Vergleich abgeschnitten?

Im Vergleich der drei untersuchten Grundversorger ist der Strom der Stadtwerke München am günstigsten. Ein durchschnittlicher Vier-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4200 Kilowattstunden zahlt hier für den Grundversorger-Tarif 1162 Euro im Jahr. Zum Vergleich: In Waldaschaff fallen jedes Jahr Stromkosten von 1248 Euro an, in Nürnberg sind es 1251 Euro.

Kann ein Haushalt in München trotzdem Geld sparen?

Obwohl die Stadtwerke München vergleichsweise günstig sind, rechnet sich ein Tarifwechsel: Wer den hauseigenen Online-Tarif M-Strom-Direkt wählt, spart gegenüber der Grundversorgung 5,6 Prozent (siehe Tabelle). Das sind 65,30 Euro im Jahr. Auch Single-Haushalte profitieren von einem Wechsel. Wer den Stadtwerken komplett den Rücken kehren will, kann sich insbesondere im ersten Vertragsjahr über kräftige Ersparnisse freuen. Nur: Langfristig können die Alternativ-anbieter nicht mit dem Online-Tarif der Stadtwerke konkurrieren. Da es sich aber um eine Stichprobe handelt, wollen Verbraucherschützer nicht ausschließen, dass am Markt günstigere Anbieter existieren – in Nürnberg und Waldaschaff ist das der Fall.

Ist Ökostrom immer teurer als die Grundversorgung?

Nein. Beispielsweise ist für ein Vier-Personen-Haushalt in München der Ökostrom-Tarif der Entega ab dem zweiten Vertragsjahr 2,2 Prozent günstiger als das Grundversorger-Angebot der Stadtwerke. Die Ersparnis ist aber geringer als bei konventionellen Versorgern.

Sind Discount-Anbieter immer am billigsten?

Nein. Zwar locken Billiganbieter im ersten Vertragsjahr mit Einsparungen von rund 25 Prozent, im zweiten Vertragsjahr zahlen Kunden aber oft den selben Tarif wie beim Grundversorger. Bei einer langen Vertragslaufzeit hebt sich die Anfangsersparnis auf. Außerdem warnt die Verbraucherzentrale davor, dass in den Vertragsbedingungen der Discounter oft rechtswidrige Klauseln versteckt sind.

Wie gehe ich bei einem Anbieterwechsel vor?

Nach Angaben der Verbraucherzentrale kann ein Grundversorgungsverhältnis jederzeit mit einer Frist von zwei Wochen gekündigt werden. Zunächst sollte der Kunde aber anhand der letzten Jahresabrechnung seinen Stromverbrauch ermitteln und erst nach einem Vergleich über Tarifrechner im Internet die Vertragsunterlagen eines potenziellen neuen Anbieters anfordern. Nach Prüfung der Unterlagen wird der unterschriebene Vertrag an den neuen Versorger geschickt, der neue Anbieter regelt mit dem alten Vertragspartner den Datenaustausch.

Sebastian Hölzle

Rubriklistenbild: © dpa

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