Teures Gas und Öl belasten die Konjunktur

München/Nürnberg - Der Aufschwung in Deutschland neigt sich dem Ende zu. Vor allem die hohen Preise für Energie bremsen die Konjunktur aus. Die Konsumlust sinkt, die Skepsis der Unternehmer steigt.

Noch im April sah alles nach einem neuen "Sommermärchen" aus: Gute Tarifabschlüsse und erfreuliche Zahlen vom Arbeitsmarkt fachten den Optimismus der Deutschen an, die Verbraucherstimmung blühte auf. Doch mittlerweile kann davon keine Rede mehr sein: Die Inflation verfestigt sich bei drei Prozent, dunkle Wolken ziehen am Konsumhimmel auf.

Im Juli erwartet das Nürnberger Marktforschungsinstitut GfK für das Konsumklima nur noch einen Wert von 3,9 Punkten nach 4,7 Punkten im Juni - damit nähert sich die Verbraucherstimmung dem tiefsten Stand seit zweieinhalb Jahren. Zugleich hat die GfK ihre Konsumprognose halbiert und rechnet in diesem Jahr nur noch mit einem Wachstum von 0,5 Prozent.

"Die gegenwärtige Verbraucherstimmung ist alles andere als ein Sommermärchen", sagt GfK-Chef Klaus Wübbenhorst. Der private Konsum schwächelt und könnte auch die Konjunktur mit in den Sog zu ziehen. Nach Ansicht des Münchner Ifo-Instituts wird genau das im kommenden Jahr passieren: Nach 2,4 Prozent Wachstum im laufenden Jahr rechnen die Volkswirte für 2009 nur noch mit einem Plus von 1,0 Prozent.

Genährt wird der wachsende Pessimismus der Verbraucher besonders von der Preisexplosion bei Kraftstoff und Energie. Die Urlaubszeit steht unmittelbar bevor, in einigen Bundesländern haben bereits die Sommerferien begonnen - aber die Preisspirale für Benzin und Diesel dreht sich weiter, und ein Ende scheint nicht in Sicht. Dazu drohen massive Preiserhöhungen bei Gas (siehe unten). "Das ist ein echter Einkommensverlust, den die Deutschen dadurch merken, dass sie ihren realen Lebensstandard nicht mehr halten können", sagte der Europa-Chefvolkswirt der Bank of America, Holger Schmieding, der Onlineausgabe der "Zeit".

Die in den vergangenen Monaten ausgehandelten Tariferhöhungen verpuffen, denn die Teuerung frisst die höheren Verdienste wieder auf: Nach neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden verdiente ein in Vollzeit beschäftigter Arbeitnehmer im ersten Quartal zwar 2,8 Prozent mehr als 2007, die Verbraucherpreise kletterten aber um 2,9 Prozent.

Dass nicht mehr Geld übrig bleibt, dazu trägt auch der Staat bei: Bei Lohn- und Gehaltserhöhungen greift das Finanzamt den Bürgern überproportional tief in die Tasche und nimmt ihnen einen Teil des Geldes gleich wieder weg. Die hohen Lebensmittelpreise tun ein Übriges, um den Deutschen die Kauflaune gründlich zu verderben.

Hinzu kommt, dass die hohen Energiepreise auch der Wirtschaft zunehmend zu schaffen machen. Der Geschäftsklimaindex sank im Juni ebenfalls deutlich, wie das Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung mitgeteilt hatte. Hinzu kommt die nachlassende Weltkonjunktur, die die exportabhängige deutsche Industrie trifft. Auch auf dem Arbeitsmarkt lässt die Dynamik nach: Im laufenden Jahr werden nach Einschätzung der Experten im Schnitt 590 000 Menschen mehr beschäftigt sein als 2007. Auch 2009 werde die durchschnittliche Zahl der Erwerbstätigen noch steigen, wenn auch nur noch um 110 000, so das Ifo-Institut.

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