Teures Öl: Experte sieht Gefahr für Konjunktur

- München - Berichte über die Entwicklung im Nahen Osten und über Fortschritte im Atomstreit mit Iran haben den Ölpreis gestern auf einen Zickzackkurs gejagt. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent stieg zwischenzeitlich auf den Rekordstand von 78,18 Dollar. Doch Gerüchte, es gebe Aussichten für einen Waffenstillstand im Nahen Osten, ließen den Preis absacken: Am Nachmittag notierte das Barrel bei 75,73 Dollar.

Wirtschaftsfachleute sorgen sich um die Konjunkturentwicklung. Die Ölexpertin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung schloss einen Anstieg des Ölpreises in Richtung 100 Dollar nicht aus. "Der Dreh- und Angelpunkt ist der Iran. Wenn es hier zu einer Sanktion kommen sollte oder sogar zu einer militärischen Intervention, wird es dort zu Produktionseinbußen kommen und das kann nicht ohne Weiteres kompensiert werden", sagte sie "N-TV".

Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) sieht zunehmende Gefahren für die Konjunktur. "Wenn der Ölpreis weiter durch politische oder militärische Risiken in die Höhe getrieben wird, schlägt das direkt auf die deutsche Konjunktur durch", sagte RWI-Experte Roland Döhrn der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". Angesichts der zu erwartenden Belastungen durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer sei zu befürchten, "dass der Absturz der deutschen Wirtschaft im nächsten Jahr umso stärker ausfällt".

Die Bundesregierung erwägt unterdessen ein neues Energie-Bündnis mit Russland. "Wir denken an eine deutsch-russische Energie-Allianz", sagte Umweltstaatssekretär Michael Müller (SPD) der "Berliner Zeitung". Nach den Vorstellungen der Regierung solle Russland energiesparende Techniken aus Deutschland bekommen, das im Gegenzug langfristig russische Energie erhalte.

Der US-Ölexperte Daniel Yergin warnte derweil vor Engpässen in der Ölversorgung. Laut "Spiegel special" sieht Yergin den Kapazitätspuffer - der nach den Turbulenzen der 70er-Jahre geschaffen worden sei - inzwischen weitgehend aufgebraucht. "Wir leben in einem neuen Zeitalter der Versorgungsangst", zitiert das Magazin den Energie-Fachmann.

Unterdessen stieg die "Krisenwährung" Gold auf den höchsten Stand seit zwei Monaten. Eine Feinunze kostete im asiatischen Handel am Morgen in der Spitze 675,50 Dollar.

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