Thomas Cook greift Online-Reisebüros wie Expedia & Co an

- Oberursel - Europas zweitgrößter Tourismuskonzern Thomas Cook forciert seinen Online-Vertrieb und greift damit Spezialisten wie Expedia, Lastminute oder Opodo an. Unter www.thomascook.de sollen künftig Pauschalreisen fast aller Veranstalter buchbar sein, teilte der Konzern in Oberursel bei Frankfurt mit.

An diesem Mittwoch wird der neue Auftritt freigeschaltet, bis Mitte kommenden Jahres soll eine europaweite Plattform entstehen. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres (31. Oktober) stieg der Umsatz des Konzerns mit seinen Hauptmarken Neckermann und Condor um zwei Prozent auf fünf Milliarden Euro. Damit wurde erstmals seit vier Jahren die Fünf-Milliarden-Marke wieder nach drei Quartalen erreicht. Der Verlust unter dem Strich sank von 54 auf 52 Millionen Euro. In der Reisebranche ist in der Regel das vierte Quartel des Geschäftsjahres das stärkste, vergangenes Jahr wurde die Rückkehr in die Gewinnzone geschafft.

Zum Stand der Verhandlungen der beiden Eigentümer Lufthansa und KarstadtQuelle über eine mögliche Aufspaltung des Konzerns wollte sich Thomas-Cook-Chef Thomas Holtrop nicht äußern. Das Unternehmen könne auch ohne eine Entscheidung seine Pläne weiter verfolgen. "Für uns ist es nicht so entscheidend", sagte Holtrop. Zur möglichen Abspaltung der Flugtochter Condor meinte der Vorstandschef, für Thomas Cook sei es wichtig, ausreichend Flugkapazitäten zur Verfügung zu haben. Thomas Cook war im Kern durch die Fusion von Neckermann Reisen und Condor entstanden. Zuvor bereits hatte Holtrop den schrittweisen Abschied vom "Ideal des integrierten Konzerns" angekündigt.

Mit dem neuen Online-Vertrieb reagiert Thomas Cook nach eigener Einschätzung auf einen tiefgreifenden Wandel der Pauschalreise. So würden Internet-Vertrieb und Billigflieger stark wachsen, Hotels immer häufiger ihre Zimmer selbst vermarkten und Reisebüros zunehmend selbst als Veranstalter auftreten. Neben dem Ausbau des Internets hatte Thomas Cook vor wenigen Wochen zudem angekündigt, innerhalb von drei Jahren doppelt so viele Reisebüros an sich binden zu wollen.

Eine zentrale Rolle für den Online-Vertrieb sollen so genannte nutzergenerierte Inhalte sein. Dabei sollen ähnlich wie bereits bei anderen Anbietern Urlauber ihre eigenen Erfahrungen aufschreiben, um Interessierten einen Überblick über Ziele oder Hotels zu geben. Neben www.thomascook.de hat der Konzern weitere Webauftritte wie www.condor.de, www.neckermann-reisen.de oder www.bucher.de für kurzfristige Angebote. Geplant sind auch neue Portale für bestimmte Nischen, so zum Beispiel eine Golf-Plattform.

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