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Viele Urlauber sitzen nach der Pleite von Thomas Cook fest (Symbolbild).

Thomas-Cook-Pleite sorgt für Frust

Hotels in der Karibik erpressen Gäste: „Sie zahlen aus Angst“ 

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Nach der Pleite von Thomas Cook hängen viele deutsche Urlauber in der Karibik fest. Ein Bayer beweist in der Situation Galgenhumor.

Punta Cana/Dominikanische Republik - Perfektes Strandwetter, 35 Grad im Schatten, aber die gut hundert Urlauber, darunter etliche aus Bayern, sitzen in einer Bar in Sichtweite des Pools, davor ihre gepackten Koffer. Ferien-Tristesse nach der Thomas-Cook-Pleite in einem Fünf-Sterne-Hotel nahe Punta Cana in der DomRep. „Wir bekommen nur noch Getränke“, klagt der Schwandorfer Stefan Härtl. Zum Essen gibt es in den Restaurants nichts mehr, denn dieses Privileg verloren die Deutschen, die alle bei Thomas Cook oder den Töchtern wie Neckermann und Bucher ihre Traumreise gebucht haben, mit dem Zugang zu den Zimmern. Härtl: „Plötzlich gingen unsere Türkarten nicht mehr.“ Statt dem erhofften Grünlicht blinkte es am Schloss rot – kein Zimmer, kein Bett.

Insolvenz von Thomas Cook: Hotels in der Karibik erpressen Gäste: „Sie zahlen aus Angst“ 

Sie hängen seit Stunden fest. Der hochgelobte deutsche Versicherungsschein, der die Pauschalreise absichert, greift bei Insolvenz. Darüber hatte merkur.de* berichtet. Die wurde für Thomas Cook Deutschland aber erst Mittwochvormittag deutscher Zeit beantragt. Davor war in der Karibik der Schein sein Papier nicht wert: Das Management will Geld sehen für Übernachtung und Verpflegung. Summen, die sie vom Pleiteveranstalter nicht erhalten hat.

Thomas-Cook-Pleite: Urlauber werden in Hotels eingeschüchtert

Die am Strand Gestrandeten hören deshalb ein „You pay cash!“ Oder ein deutsches „bezahlen, bezahlen!“ Dabei hat das Härtl, der mit seiner Ehefrau eingecheckt hat, ja auch gemacht. Zuhause in der Oberpfalz: „Die Reise hat pro Person 1750 Euro gekostet, für die 17 Übernachtungen inklusive Flug. Aktuell wollen die von uns einen Betrag nur fürs Zimmer von 2380 US-Dollar.“

Hotelgäste fühlen sich erpresst, zumal ein Sicherheitsdienst vor Eingängen patrouliiert und eine Drohkulisse aufbauen soll. Dass eine Managerin zu den Verzweifelten sagt, „hier sind Sie nicht in einem Gefängnis“, lässt die Sorgen nicht verfliegen. Härtl weiß, dass bereits erste Urlauber den Forderungen nachgegeben haben, um Konsequenzen abzufedern.

Thomas-Cook-Pleite: Deutscher Botschafter schaltet sich ein

„Sie zahlen aus Angst. Andere sagen, ‚Wir bezahlen keinen Cent, wir haben alles bezahlt‘.“ Vom Reiseleiter, der sich in der Bar den Urlaubern stellt, erhoffen sie sich gute Nachrichten. Daraus wird nichts. „Für euch kann ich nichts tun.“ Dies gelingt aber dem deutschen Botschafter: Nach einem Gespräch mit der Hotelleitung dürfen alle das Gebäude verlassen, „ohne zu bezahlen“, sagt Stefan Härtl. Er checkte nahe des Flughafens in ein anderes Hotel ein, heute soll es mit Air France zurück nach Deutschland gehen. „Wir waren zwei Wochen hier“, beklagt er sich, „der Urlaub ist im Eimer. Es wäre besser gewesen, ich wäre zuhause geblieben und in die Arbeit gegangen.“

Nach der Pleite von Thomas Cook, hat jetzt ein weiteres Reiseunternehmen Konkurs angemeldet. *merkur.de klärt Sie über die Rechte auf, die Kunden nach der Insolvenz haben.

Video: Condor kann vorerst weiterfliegen

*merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Zentral-Redaktionsnetzwerks.

Alexander Auer/Markus Christandl

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