Auf Druck der Aktionäre

ThyssenKrupp bestellt Sonderprüfer

Düsseldorf/Essen - ThyssenKrupp will aus der Krise heraus. Dazu gehört nicht nur ein tiefgreifender Umbau des Konzerns. Es wird auch an die Befindlichkeiten der Aktionäre gedacht.

Die Milliardenverluste und Affären des Stahlriesen ThyssenKrupp werden von Sonderprüfern noch einmal untersucht. Der angeschlagene Industriekonzerns will nach Forderungen von Aktionärsvertretern jetzt Experten mit einer Sonderprüfung beauftragen. Eine entsprechende Mitteilung der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) bestätigte am Mittwoch ein Sprecherin des Unternehmens. Konkret sollen laut der DSW die internen Überwachungssysteme gegen Gesetzesverstöße und das Controlling bei Großinvestitionen unter die Lupe genommen werden.

In der freiwilligen Sonderprüfung lasse ThyssenKrupp unter anderem das weiterentwickelte interne Kontrollsystem, das Gesetzesverstößen vorbeugen soll, untersuchen, hieß es auch in Essen. Darauf habe sich der Vorstand mit den Aktionärsschützern von der DSW und dem Aktionär Christian Strenger geeinigt, die in der Hauptversammlung im Januar Sonderprüfungsanträge gestellt hatten. Der Sonderprüfungsbericht solle der nächsten Hauptversammlung zugänglich gemacht werden. Große Sorgenkinder des Konzerns sind Stahlwerke in den USA und Brasilien, die für Milliarden gebaut wurden und jetzt verkauft werden sollen.

Die DSW zollte dem Vorstand für die neue Transparenz Respekt: „Das Unternehmen setzt damit ein klares Signal für eine unabhängige Aufklärung gemeinsam mit den Aktionären“, erklärte Marc Tüngler, DSW- Hauptgeschäftsführer. Das zeige, der Kulturwandel finde nicht nur auf dem Papier statt, sondern werde gelebt. Mit dem gemeinsamen Vorgehen werde Neuland betreten. „Bei einem Dax-Konzern dürften die Vertreter der Kleinaktionäre bislang noch nicht so tief in die Unterlagen schauen.“ Auf Vorschlag von DSW und Strenger werden die Hamburger Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO und der Frankfurter Professor für Rechnungswesen, Hans-Joachim Böcking, als Sonderprüfer tätig.

Es gehe zunächst darum, mögliche Fehler im System zu erkennen, erläuterte Tüngler das Bestreben der DSW. In einem zweiten Schritt sollte geklärt werden, wer für die Probleme verantwortlich zu machen sei und möglicherweise auch zur Rechenschaft gezogen werden könne. Wenn ThyssenKrupp diesen Weg nicht gegangen wäre, hätte die DSW gerichtlich eine Sonderprüfung angestrebt. Der Konzern hatte selbst Studien in Auftrag gegeben. Diese hatten keine Pflichtverletzungen bei den Verantwortlichen in Vorstand und Aufsichtsrat im Zusammenhang mit den Kartellverwicklungen von ThyssenKrupp und dem gescheiterten Investitionsabenteuer in Übersee ans Tageslicht gebracht. Auf der Hauptversammlung von ThyssenKrupp hatte es erhebliche Kritik geben.

dpa

Rubriklistenbild: © AP (Symbolbild)

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