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ThyssenKrupp startet neue Wachtumsphase

- Essen - Mit geplanten Milliarden-Investitionen steht der größte deutsche Stahlkonzern ThyssenKrupp vor dem Start in eine neue Wachstumsphase. In den kommenden fünf Jahren seien Investitionen von zwölf bis 14 Milliarden Euro geplant, von denen etwa die Hälfte für internes Wachstum und strategische Zukäufe ausgegeben werden solle, kündigte ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz am Donnerstag bei der Bilanzvorlage in Essen an. Erst in dieser Woche hatte der Konzern ein Angebot über 3,5 Milliarden Euro für den kanadischen Stahlhersteller Dofasco vorgelegt.

"Mit dem Schritt, Dofasco zu erwerben, haben wir ein klares Signal gesetzt, den Stahlbereich weiter auszubauen", sagte Schulz. "ThyssenKrupp und Dofasco schaffen ein echtes weltweites Stahlunternehmen mit über 12 Milliarden Euro Umsatz", sagte Schulz.

 Bei seiner Wachstumsstrategie habe das Unternehmen jedoch vor allem Europa und den Bereich jenseits des Atlantiks im Blick. Einer möglichen Beteiligung an einem Stahlhersteller in China erteilte der ThyssenKrupp-Chef dagegen eine Absage. Ein weiterer wichtiger Baustein der geplanten Strategie sei auch der geplante Bau eines Stahlwerks in Brasilien mit Investitionen von rund 1,7 Milliarden Euro. In Deutschland seien am weltweit größten Rohstahl-Standort in Duisburg in den kommenden Jahren Investitionen in Kapazitätserweiterungen und Modernisierungen von rund 700 Millionen Euro geplant.

In der Auseinandersetzung um die Übernahme von Dofasco rechne er derzeit nicht mit einem sich anbahnenden Bietergefecht mit dem weltweit zweitgrößten Stahlkonzern Arcelor, sagte Schulz. Nach der Vorlage eines feindlichen Übernahmeangebots für Dofasco durch Arcelor war ThyssenKrupp dem in Bedrängnis geratenen kanadischen Unternehmen mit einem eigenen Übernahmeangebot als so genannter "Weißer Ritter" zur Seite gesprungen.

In Verbindung mit der geplanten Wachstumsstrategie kündigte Schulz ein mittelfristiges Umsatzwachstum auf 45 bis 50 Milliarden Euro an. Im Geschäftsjahr 2004/2005 (30.9.) hatte der Konzern einen Umsatz von rund 42 Milliarden Euro erzielt. Nach einem Anstieg des Vor-SteuerErgebnisses auf den neuen Rekordwert von 1,836 Milliarden Euro kündigte Schulz für das laufende Jahr eine "Gewinnstabilisierung" bei einem Vor-Steuer-Ergebnis in der Größenordnung von 1,5 Milliarden Euro an. Gleichzeitig sei die Verschuldung von 2,8 Milliarden Euro im Vorjahr nun vollständig zurückgefahren worden.

Für das zurückliegende Jahr will ThyssenKrupp die Dividende um zehn Cent je Aktie auf 70 Cent erhöhen. Dazu soll eine Sonderausschüttung von zusätzlich 10 Cent kommen.

Als Folge der anhaltenden Absatzprobleme der Automobilindustrie in Nordamerika hätten sich Teile der Sparte Automobilzulieferung des Konzerns in der Region zum Sorgenkind des Konzerns entwickelt. Im laufenden Geschäftsjahr sei daher mit Belastungen durch Restrukturierungsmaßnahmen zu rechnen, sagte Schulz.

Vor dem Hintergrund der angekündigten Kürzungen bei den Kohlesubventionen habe ThyssenKrupp den Buchwert seiner Beteiligung in Höhe von 20,6 Prozent an dem Essener Kohlekonzern RAG von 442 Millionen Euro auf null abgeschrieben, berichtete Finanzvorstand Stefan Kirsten. Gleichzeitig seien die Rückstellungen für BergbauAltlasten um 32 Millionen auf 143 Millionen Euro aufgestockt worden. Neben ThyssenKrupp zählen auch die Energiekonzerne E.ON und RWE zu den RAG-Großaktionären.

Bei einem möglichen Börsengang der RAG sei ThyssenKrupp zur Abgabe seines Anteils bereit, sagte Schulz. Zunächst müsse jedoch eine Bewertung des Anteils vorgenommen werden. Voraussetzung dafür sei jedoch, dass das Unternehmen im Gegenzug dafür von allen Risiken und Altlasten freigestellt werde. Durch die Übernahme eines Aktienpakets von 2,98 Prozent aus dem Besitz der ThyssenKrupp AG habe die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung ihren Anteil auf 23,58 Prozent weiter aufgestockt, berichtete Schulz.

Neben der Krupp-Stiftung, die damit mit Abstand größter Einzelaktionär des Unternehmens ist, seien die Thyssen-Stiftung und die Commerzbank mit jeweils unter fünf Prozent als weitere Großaktionäre an dem Konzern beteiligt. "Mit den drei Aktionären haben wir eine Hauptversammlungs-Mehrheit und eine stabile Situation", sagte Schulz. Die Gefahr, selbst Ziel eines feindlichen Übernahmeversuchs zu werden, sehe er daher nicht.

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