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Heinrich Hiesinger, der Vorstandsvorsitzende von Thyssenkrupp. Foto: Rolf Vennenbernd/Archiv

Geplante Stahlfusion

Thyssenkrupp unter Druck: Kritik von Investor und IG Metall

Ringen um den Kurs des Stahlkonzerns: Während der Investor Cevian aufs Tempo beim Umbau drückt, erhöhen Betriebsräte und IG Metall den Widerstand gegen die geplante Stahlfusion.

Essen(dpa) - Knapp sieben Jahre nach dem Antritt von Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger ist die geplante Neuausrichtung des Essener Konzerns gleich von mehreren Seiten in die Kritik geraten.

Während der Thyssenkrupp-Großinvestor Cevian nach Informationen des "Handelsblatts" ein schnelleres Umbau-Tempo fordert, droht die IG Metall bei der angepeilten Stahlfusion mit Tata mit einem Ultimatum. Bei einem für den Dienstag geplanten Treffen von Cevian-Chef Lars Förberg mit der Thyssenkrupp-Spitze werde es um "Grundsätzliches" gehen, schrieb die Zeitung. Sprecher von Thyssenkrupp und Cevian wollten den Bericht nicht kommentieren.

Zuletzt hatte Cevian öffentlich die Zerschlagung von Thyssenkrupp gefordert. "Die Strategie hat nicht das geliefert, was man versprochen hat", hatte Förberg erklärt. Aufsichtsratschef Ulrich Lehner sprach sich gegen eine Aufspaltung aus. "Eine Zerschlagung des Konzerns ist überhaupt kein Thema", sagte Lehner dem "Handelsblatt" (Dienstag). Damit stärkte er im Machtkampf mit Cevian Konzern-Chef Hiesinger den Rücken. Deutliche Kritik übte Lehner an Cevian: "Wenn sich ein Aktionär in der Art und Weise öffentlich positioniert, dann schadet das dem Unternehmen."

Um Thyssenkrupp neu aufzustellen, soll unter anderem das europäische Stahlgeschäft mit dem des indischen Konzerns Tata verschmolzen werden. Dagegen laufen die Gewerkschaften Sturm. Die Arbeitnehmervertreter befürchten bei einer Fusion der bisherigen Konkurrenten den Abbau von deutlich mehr als 2000 Jobs in Deutschland und kritisieren die anvisierte Verlegung des Sitzes der Stahlsparte in die Niederlande. Sie fordern zudem Arbeitsplatz- und Standort-Garantien.

Thyssenkrupp-Chef Hiesinger hatte jüngst gesagt, dass die geplante Fusion aus Sicht des Unternehmens absolute Priorität genießt. Die Zustimmung der Arbeitnehmer zur Stahlfusion ist nicht zwingend notwendig. Notfalls könnte Thyssenkrupp den Zusammenschluss auch gegen die Stimmen der Arbeitnehmer im Aufsichtsrat durchsetzen. Eine Abstimmung hat der Konzern zum Jahresbeginn in Aussicht gestellt. Hiesinger setzt allerdings darauf, eine "gute Lösung" zu finden.

Unterdessen hat die IG Metall im Streit um die Stahlfusion den Druck erhöht. Die Gewerkschaft will die Beschäftigten an allen Stahlstandorten von Thyssenkrupp über die Ergebnisse der Verhandlungen mit dem Vorstand abstimmen lassen. "Wenn nur ein Standort Nein sagt, kann die IG Metall nicht zustimmen", sagte der frühere Gewerkschaftschef Detlef Wetzel, der die IG Metall im Aufsichtsrat der Stahlsparte von Thyssenkrupp vertritt, der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (Dienstag).

Wetzel forderte den Konzern auf, noch vor Weihnachten im Detail darzulegen, was eine Fusion für die deutschen Standorte und ihre Beschäftigten bedeutet. "Wir können nicht die Verantwortung dafür tragen, das muss der Vorstand schon selbst tun und sich gut überlegen, was er seinen Beschäftigten vorlegt", sagte Wetzel. Eine mögliche Abstimmung könnte nach Angaben eines IG-Metall-Sprechers noch im Januar stattfinden.

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