RWE und ThyssenKrupp wollen angeblich RAG-Chef Müller stürzen

Medien: - Hamburg/Düsseldorf - Die Großaktionäre des RAG-Konzerns, RWE und ThyssenKrupp, arbeiten Medieninformationen zufolge an der Demontage von Vorstandschef Werner Müller. Vor allem RWE werfe Müller im Zusammenhang mit dem geplanten Verkauf der RAG-Tochter Saar Ferngas "Pflichtverletzungen" vor.

Dies berichteten "Handelsblatt" und "Financial Times Deutschland" (Montag) unter Berufung auf einen Brief der RWE-Vorstände und RAG-Aufsichtsräte Berthold Bonekamp und Jan Zilius an E.ON-Chef Wulf Bernotat, der dem RAG-Aufsichtsgremium vorsitzt.

Die Großaktionäre halten dem Vorstandschef den Berichten zufolge vor, eigenmächtig mit dem Stahlkonzern Arcelor Mittal den Verkauf der RAG-Mehrheit am Versorger Saar Ferngas vereinbart zu haben. ThyssenKrupp unterstütze die Vorwürfe von RWE gegen Müller. Sollte der Aufsichtsrat die Vorwürfe formell bestätigen, wäre Müller zum Rücktritt gezwungen. Dies würde auch die Börsenpläne der RAG gefährden. Müller habe die Vorwürfe schriftlich zurückgewiesen.

Ein RWE-Sprecher wies auf Anfrage am Montag lediglich darauf hin, dass es dem Unternehmen in dem Fall um eine "aktienrechtlich saubere Klärung des Falles" gehe. "Sollte sich der Verdacht der Pflichtverletzung bestätigen, hat der Aufsichtsrat die notwendigen Konsequenzen zu ziehen", so der Sprecher. Ein ThyssenKrupp-Sprecher wollte sich zu dem Thema nicht äußern.

Die Tatsache, dass dem Aufsichtsrat der RAG die Vereinbarung mit Arcelor Mittal nicht vorab zur Zustimmung vorgelegt worden sei, begründe dies aus Sicht von RWE den Verdacht von Pflichtverletzungen. Vor diesem Hintergrund habe das Unternehmen um eine Aufklärung des Sachverhalts gebeten. Die Ergebnisse sollten nun in einer außerordentlichen Sitzung des RAG-Aufsichtsrats diskutiert werden.

Eine RAG-Sprecherin wies die Vorwürfe auf Anfrage erneut zurück. "Der Sachverhalt stellt sich aus Sicht des RAG-Vorstands völlig anders dar", hatte das Unternehmen bereits am Wochenende mitgeteilt. Die geplante außerordentliche Aufsichtsratssitzung werde dem Vorstand die Chance geben, den Sachverhalt aus seiner Sicht "erneut und sehr präzise" darzulegen.

RAG-Chef Müller hatte Ende März bestätigt, dass Arcelor das Recht eingeräumt worden sei, in den Vertrag mit RWE einzusteigen, wenn das Unternehmen im Kartellverfahren unterliegen werde. Das Bundeskartellamt hatte zuvor eine zunächst geplante mehrheitliche Übernahme der zum RAG-Konzern gehörenden Saar Ferngas durch RWE untersagt und dies mit einer Verstärkung der marktbeherrschenden Stellung von RWE beim Strom- und Erdgasabsatz begründet.

Dagegen hat RWE jedoch Beschwerde beim Bundeskartellamt eingelegt, über die noch nicht endgültig entschieden wurde. Nach Presseberichten soll als Verkaufspreis für den Anteil von knapp 77 Prozent an Saar Ferngas eine Summe von rund 400 Millionen Euro vereinbart worden sein.

Arcelor hatte wie auch die anderen Anteilseigner in Aussicht gestellt, seinen Anteil an der RAG für einen symbolischen Preis von einem Euro abzugeben und damit eine Hürde für den geplanten RAG- Börsengang beiseite zu räumen. Die Vereinbarung zum Thema Saar Ferngas habe mit der Abgabe von Aktien unmittelbar nichts zu tun, hatte der RAG-Chef betont. Arcelor zählt ebenso wie RWE, ThyssenKrupp und E.ON zum Kreis der RAG-Aktionäre.

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