Der tiefe Fall des Wirtschafts-Wunderkinds Windhorst

Berlin - Ärger wegen Betrugs- und Untreue: Gegen eine Millionenzahlung ist der Prozesses gegen den einstigen Vorzeige-Unternehmer Lars Windhorst am Freitag zum Teil eingestellt worden.

Der Manager mit Wohnsitz in London gestand vor dem Berliner Landgericht über seinen Anwalt die Betrugs- und Untreue-Vorwürfe. Windhorst verpflichtete sich, bis Juni 2,5 Millionen Euro an einen geschädigten Geldgeber und eine Million Euro an die Staatskasse zu zahlen. Die Anklagepunkte Betrug und Insolvenzverschleppung wurden daraufhin eingestellt. Wenn das Geld geflossen ist, soll der Prozess neu starten. Dann geht es noch um die Veruntreuung von 800 000 Euro.

Da war er noch ein Shooting-Star der New Economy: Bundeskanzler Helmut Kohl (rechts) unterhält sich während einer Bootsfahrt am 18. November 1995 auf dem Saigon-Fluss in Vietnam mit Lars Windhorst. Der gerade 19 Jahre alte Unternehmer war damals das jüngste Mitglied der Wirtschaftsdelegation, die den Kanzler auf seiner Südostasienreise begleitete.

Die Staatsanwaltschaft hatte Windhorst vorgeworfen, als Geschäftsführer von zwei nach ihm benannten Firmen die Zahlungsunfähigkeit beim Insolvenzgericht nicht angezeigt zu haben. Die Bilanzen für die Jahre 1999 bis 2001 sollen für eine Gesellschaft gar nicht, für eine andere erst verspätet erstellt worden sein. Der gebürtige Ostwestfale soll rund 800 000 Euro in den Jahren 2002 bis 2004 von Geschäftskonten verschoben haben, auf die er nicht zurückgreifen durfte. Zudem soll er sich vom Gründer eines Klinikimperiums ein Darlehen von zehn Millionen Euro durch Vortäuschung angeblich vorhandener Sicherheiten erschwindelt haben.

Die höchsten Manager-Abfindungen

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Den Schaden bedauere er sehr, erklärte Windhorst. Fünf Millionen Euro sind nach Angaben der Verteidigung bereits zurückgeflossen. Windhorst hatte in den 90er Jahren für Aufsehen gesorgt, als er den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) auf einer Asienreise begleitete. Schon als 16-Jähriger hatte Windhorst ein Unternehmen für Computerzubehör gegründet.

Der einstige Shootingstar der New Economy gab sich nach dem Prozess erleichtert: “Ich bin froh, dass ich mich mit voller Kraft ins neue Jahr stürzen und auf meine unternehmerische Tätigkeit in London konzentrieren kann“. Vor der Wirtschaftskammer hatte der gelernte Kaufmann Versäumnisse wegen fehlender unternehmerischer Erfahrung eingeräumt. Er habe verzweifelt versucht, seine Unternehmen zu retten, sagte der heute 33-jährige Manager.

Die Staatsanwaltschaft hat keine Bedenken gegen die teilweise Einstellung. Das Verfahren, das das internationale Finanzwesen berührt, wäre ohne Geständnis sehr langwierig geworden. Maßgeblich sei, dass für den noch bestehenden Vorwurf der Untreue eine Strafe von einem Jahr Haft mit Bewährung plus Zahlung einer Strafe in Höhe eines Jahreseinkommens in Aussicht genommen wurde. Das sei angemessen und abschreckend für andere Manager, betonte der Ankläger.

dpa

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