Der tiefe Sturz des Peter Hartz

- Braunschweig ­ - Er gehörte zu den schillerndsten Figuren in der Sozialpolitik und Unternehmensgeschichte der vergangenen Jahre ­ doch dann kam der tiefe Sturz. Der langjährige mächtige VW-Arbeitsdirektor Peter Hartz wird sich voraussichtlich schon bald vor Gericht verantworten müssen. Die Staatsanwaltschaft habe Anklage erhoben, teilte sie mit. Es ist eine weitere Etappe beim Abstieg des Managers, der jahrelang einen der einflussreichsten Jobs bei VW hatte.

Und es ist der Beginn des juristischen Nachspiels eines beispiellosen Korruptionsskandals, der den größten europäischen Autohersteller bis in die Grundfesten erschütterte.

Rund 17 Monate nach Beginn der Affäre kommen mit der Anklageerhebung noch einmal viele Details ans Licht. Hartz hat ein Geständnis abgelegt und die Verantwortung für die Begünstigung von Betriebsräten übernommen. Ihm droht eine mehrjährige Freiheitsstrafe. Untreue in 44 Fällen wirft die Justiz ihm vor. Kontrollmechanismen habe der mächtige Personalvorstand abgeschafft. Allein dem Ex-Betriebsratschef Klaus Volkert habe er von 1994 bis 2005 neben seinem Gehalt insgesamt fast zwei Millionen Euro "Sonderbonuszahlungen" zugeschanzt. Auch dessen Geliebte ging nicht leer aus. Juristen nennen das Begünstigung. Der Volksmund sagt Bestechung.

Hartz auf der Anklagebank ­ das ist der bisherige Tiefpunkt im Lebenslauf des heute 65-jährigen Saarländers, der bis vor anderthalb Jahren noch auf eine glänzende Karriere zurückblicken konnte. Niemand hätte vermutet, was hinter den Kulissen bei VW abgelaufen ist, wie es die 63 Seiten starke Anklageschrift jetzt auflistet. Sechsstellige Summen wechselten dort den Besitzer, als ob es gar nichts wäre.

Unrechtsbewusstsein dürfte dabei zunächst wohl nur wenig ausgeprägt gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft macht dazu keine Angaben. Hartz jedenfalls argumentierte von Anfang an, er habe sich stets von der Absicht leiten lassen, im Interesse des Unternehmens zu handeln. Und dazu gehörte für ihn offenbar auch, das gute Verhältnis zum Betriebsrat zu pflegen. So hat er laut Anklageschrift seinen Mitarbeiter Klaus-Joachim Gebauer 1997 auch ausdrücklich angewiesen, den Betriebsratsvorsitzenden Volkert "großzügig und wertschätzend" zu behandeln und dabei "nicht kleinlich" zu sein.

Tatsächlich ist VW ja lange für eine besonders harmonische und im Sinne beider Seiten erfolgreiche Sozialpartnerschaft gelobt worden. Dabei entstanden auch durchaus innovative Arbeitszeitmodelle, die Massenentlassungen verhinderten und für die Hartz gefeiert wurde. Wie kein Zweiter aus der Riege der Manager stand Hartz für Konsens und einen ganz besonderen Zusammenhalt mit der Arbeitnehmerseite und dem Betriebsrat.

Dass er in seiner Position einen Etat hatte, über den er frei verfügen konnte, dürfte nicht ungewöhnlich sein. Dass er aber über zehn Jahre hinweg nicht auf die Idee gekommen ist, die Zahlungen in solcher Höhe seien vielleicht doch auf die Dauer nicht in Ordnung, ist schwer vorstellbar. Sein Geständnis und seine hehren Motive könnten Hartz vor Gericht jetzt helfen, sagte die Staatsanwaltschaft. Aber die Geschichten um die Machenschaften bei VW werden wieder die Zeitungen füllen. Denn Hartz ist erst der erste Beschuldigte, der angeklagt wird. Gegen 12 weitere wird noch ermittelt.

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