Das Logo der Video-App Tiktok
+
TikTok gehört zu den meistbenutzten Apps weltweit.

Die App für witzige Kurzvideos

TikTok: Social Network aus China erobert die Welt

TikTok setzt als soziales Netzwerk auf das Teilen und Kommentieren von kurzen Videoclips, die mit verschiedenen Filtern aufgepeppt werden. Innerhalb weniger Jahre gewann die chinesische App über zwei Milliarden Nutzer weltweit.

Beijing – Mit Videoclips ungelenker Teenager, die schlecht lippensynchron Songs ihrer Lieblingsstars nachsangen und -tanzten, begann einst der Siegeszug von TikTok. Heute gehört das Social Network zu den meistbenutzten Apps weltweit und lässt sogar die amerikanische Konkurrenz alt aussehen.

TikTok: Die Anfänge der App

TikTok wurde im September 2016 in Beijing von dem Tech-Unternehmen ByteDance zunächst unter dem Namen A.me auf dem chinesischen Markt vorgestellt und drei Monate später in Douyin umbenannt. Das Unternehmen ByteDance selbst war erst 2012 von Internet-Milliardär Zhang Yiming gegründet worden, der damit sein neues Newsportal Toutiao vermarkten wollte. Die neue App Douyin zum Teilen von Videoclips war eigentlich eher als Nebenprodukt ohne große Ankündigung auf den Markt gekommen, wurde aber sofort bei Jugendlichen zum millionenfach heruntergeladenen Hit.

Der große Erfolg in China ermutigte ByteDance dazu, die ebenfalls in China entwickelte App musical.ly für eine Milliarde US-Dollar aufzukaufen. Diese hatte zu diesem Zeitpunkt bereits 140 Millionen User in aller Welt und zwei Firmensitze in Schanghai und Los Angeles. Kernprodukt von musical.ly war die Möglichkeit, kleine witzige Videoclips aufzunehmen, die vor allem von Jugendlichen geteilt wurden. Mit dem Kauf durch ByteDance wurde musical.ly weltweit zu TikTok, während in China der bereits etablierte Name Douyin beibehalten wurde. Der Hauptsitz befindet sich in Culver City, einem Vorort von Los Angeles.

TikTok: Der Weg zum weltweiten Social Network

Schon bald nach der Veröffentlichung verbreitete sich TikTok rasend schnell in aller Welt. Im Februar 2019 wurde die Marke von einer Milliarde Downloads geknackt, mittlerweile sind es über zwei Milliarden. Auch wenn zweifellos nicht alle aktiv sind, konnte TikTok (ohne sein chinesisches Pendant Douyin) im Juli 2020 rund 800 Millionen aktive User weltweit verzeichnen.

Natürlich blieb es nicht bei privaten Videoclips, in denen Teenager Tänze und Songs vorführen. Schon bald strömten Prominente und kommerzielle Unternehmen in das neue Social Network, das zugleich seine eigenen Stars hervorbrachte.

Die aktuell größten Stars bei TikTok

Als erste TikTok-Userin brach die amerikanische Tänzerin Charli D‘Amelio die Schallmauer von 100 Millionen Followern. Die Stars mit den aktuell meisten Followern sind:

PlatzNameFollower (in Mio.)Land
1Charli D‘Amelio109,8USA
2Addison Rae77,8USA
3Bella Poarch58,6USA
4Zach King57,6USA
5Spencer Polanco Knight51,8USA
6TikTok51,7USA
7Loren Gray51,6USA
8Dixie D‘Amelio50,2USA
9Will Smith48,9USA
10Michael Le46,0USA

Als erster Nicht-Amerikaner belegt der 17-jährige bhutanisch-indische Influencer Riyaz Alye mit 44 Millionen Followern den 11. Platz. Auf dem 13. Platz findet sich die mexikanische Sängerin Kimberly Loaiza (38,4 Mio.) und auf dem 16. Platz der türkische Koch Burak Özdemir (35,7 Mio). Die unglaublich erfolgreiche koreanische Band BTS schafft es mit 29,9 Mio. Followern bei TikTok allerdings derzeit nur auf Platz 24.

TikTok: Beliebte Funktionen

Die ursprünglich beliebteste Funktion von TikTok war die Möglichkeit, eigene Videoclips aufzunehmen. Dazu wählen Nutzer einen Song aus und einen Videohintergrund. Mit der Smartphone-Kamera filmen sich die Nutzer dann selbst, während sie lippensynchron zu den Songs singen und tanzen. Die Clips können schließlich mit Filtern verfremdet oder aufgehübscht werden. Zur Wahl stehen zahllose Songs aus verschiedenen Genres. Wer es sich zutraut, der kann auch selbst zum Background-Track singen.

Jeder Nutzer kann im Stream „Folge ich“ die neuesten Videos anderer Nutzer betrachten, denen gefolgt wird. Im Stream „Für dich“ sind weitere Vorschläge zu sehen, die TikTok mithilfe von Algorithmen auf Basis der individuellen User-Vorlieben auswählt. Weiterhin ist es möglich, Clips zu liken und mit anderen Nutzern der App zu teilen. Beliebt ist die „Reagieren“-Funktion: Dabei filmen Nutzer ihre eigene Reaktion auf ein Video, die dann Freunde gleichzeitig mit dem eigentlichen Clip sehen. Mit der „Duett“-Funktion ist es möglich, Duette mit einer anderen Person aufzunehmen.

Nutzer, die mindestens 1.000 Follower um sich geschart haben und mindestens 16 Jahre alt sind, können eine zusätzliche „Live“-Funktion nutzen und über diese Livestreams senden.

Geschenke bei TikTok

Nutzer ab 18 Jahren können über die App virtuelle Geschenke kaufen, senden und erhalten. Dies funktioniert so:

  • Der Nutzer kauft zunächst virtuelle Münzen bei TikTok. Der Mindestbetrag ist 1,09 Euro und liefert 65 Münzen.
  • Mit den Münzen werden bei TikTok virtuelle Geschenke gekauft. Ein Panda kostet beispielsweise 5 Münzen, ein Rainbow Puke 100 Münzen.
  • Unter dem Video des Empfängers befindet sich die Option „Geschenk geben“. Alle, die dem Video folgen, können sehen, wer Geschenke von welchem Wert verschenkt hat.
  • Das Konto des Empfängers verwandelt die Geschenke in Diamanten.
  • Diamanten können dann wieder in echtes Geld umgewandelt und über PayPal oder einen anderen Zahlungsdienstleister ausgezahlt werden.

Daneben gibt es eine schier endlose Auswahl an Challenges, bei denen User offizielle Musikvideos in kurzen Clips nachtanzen und ihre eigenen Moves unter Beweis stellen müssen:

  • Bei der Celeb Lookalike Challenge ging es darum, eine ohnehin vorhandene optische Ähnlichkeit mit Stars zu verstärken und sich als Doppelgänger im Video zu präsentieren.
  • Die Stand-up-Challenge war eine Herausforderung für Sportliche: Eine Person liegt bäuchlings auf dem Boden, die andere steht auf ihrem Rücken. Begleitet von einem Soundtrack steht die liegende Person nach und nach auf, während die andere Person auf ihr stehen bleiben muss. Geht alles gut, steht sie am Ende auf den Schultern der nun aufrecht stehenden Person.
  • Bei der Level-up-Challenge wiederum sollten Haustiere dazu gebracht werden, über verschiedene Barrieren wie eine Reihe Klopapierrollen zu steigen, ohne diese umzuwerfen.
  • Für Umweltschutz und Sauberkeit sorgte die Cleansnap-Challenge: Hier wurden in Rekordzeit vermüllte öffentliche Orte wie Parks und Strandabschnitte gesäubert.

TikTok im Bildungsbereich

Als Social Network hat TikTok Vor- und Nachteile. Als positiv ist beispielsweise das 2019 gestartete #EduTok-Programm zu bewerten. Ursprünglich für den indischen Markt entwickelt, erlebte es aufgrund der Corona-Pandemie und der Schließung von Schulen weltweit einen rasanten Durchbruch im Schulbereich. Lehrer und Mentoren filmen kurze Videos, in denen sie Themen in den unterschiedlichsten Schulfächern behandeln. Die moderne zugängliche Aufbereitung spricht Jugendliche in aller Welt an. Aauch in Deutschland sind somit zahlreiche #edutok-Accounts entstanden.

TikTok in der Kritik

Auf den ersten Blick wirkt die bunte App um Songs und Tänze harmlos und jugendgerecht. Doch TikTok stand schon häufiger aufgrund von Mängeln beim Datenschutz und Jugendschutz in der Kritik. Seit Ende April 2020 dürfen nur noch Personen über 16 Jahren private Nachrichten schicken und empfangen. Damit sollen Minderjährige vor Annäherungsversuchen durch Cyberkriminelle geschützt werden.

Für Ärger sorgen außerdem regelmäßig Zensurmaßnahmen durch die chinesische Regierung. So wurden Videos über die Proteste in Hongkong gegen die Regierung in Beijing zensiert. Doch nicht nur China übt subtilen Druck über das Social Network aus. In der Türkei wird beispielsweise jede Kritik an Präsident Erdogan zensiert. In vielen anderen Ländern werden Inhalte aufgrund von „Obszönität“ oder „Immoralität“ gelöscht. Hart kritisiert wird TikTok auch für das Löschen von LGBT-freundlichen Inhalten, und das nicht nur in Ländern, in denen Homosexualität bis heute unter Strafe steht.

In den USA wird TikTok derweil von einigen der Spionage für China verdächtigt. Der frühere Präsident Donald Trump wollte TikTok vor dem Ende seiner Amtszeit noch verbieten. Doch die TikTok-Mutterfirma ByteDance reichte vor einem Gericht in Kalifornien Klage dagegen ein und bekam Recht.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare