Timesharing: Überteuertes Urlaubs-Wohnrecht

Die eigene Ferienwohnung auf Zeit wird für viele Kunden zum Reinfall. Die sogenannten Timesharing-Verkäufer versprechen Touristen private Urlaubs-Wände für wenig Geld. In der Realität gibt es minderwertige Qualität zu überteuerten Preisen, warnt die Stiftung Warentest.

Die Uferpromenaden und Strandcafés am Mittelmeer sind ihr bevorzugtes Jagd-Revier. Redegewandte Verkäufer, die in diesem Fall aber keine Strandtücher oder gefälschte Handtaschen anbieten, sondern Ferienwohnungen. Für horrende Beträge verkaufen sie Teilzeit-Wohnrechte (Timesharing): Die Erwerber dürfen ein oder mehrere Wochen im Jahr in einem bestimmten Apartment Urlaub machen. „Fast immer sind die Angebote total überteuert“, warnt die Stiftung Warentest in ihrem aktuellen „Test“-Magazin.

Die Verkäufer versprechen den meist überrumpelten Touristen eine eigene Ferienwohnung für kleines Geld. Der Clou daran: Der Käufer muss das Objekt gar nicht komplett kaufen, sondern nur für die Zeit, in der er dort Urlaub machen möchte. Zum Beispiel Ferienanlage „Sol“, Wohnung Nr. 27, immer in der 33. Kalenderwoche. Für diese sieben Tage gehört die Wohnung ihm, im übrigen Jahr sind andere dran. Vorteile: Der Preis ist viel geringer als das, was sonst beim Kauf einer Immobilie fällig wäre. Eine Woche kostet im Regelfall 7000 bis 12 000 Euro.

Klingt überzeugend, doch in der Praxis gibt es jede Menge Probleme. „Da sind als Erstes die Betrügereien, mit denen kriminelle Kloppertruppen arbeiten“, schreiben die Verbraucherschützer. Vor allem auf den Kanarischen Inseln und auf dem spanischen Festland, aber auch an der portugiesischen Algarve, in Griechenland und Italien sprechen sie Urlauber auf der Straße an. „Sie verkaufen qualitativ minderwertige Anlagen zu weit überhöhten Preisen“, warnt die Stiftung Warentest. Das Landgericht Duisburg errechnete laut Stiftung Warentest bei einem Apartment auf Gran Canaria „schier unglaubliche“ 10 000 Euro pro Quadratmeter, umgerechnet auf den konventionellen Kauf, während vergleichbare Wohnungen keine 1000 Euro kosteten. Außerdem müssen Timesharer laufend weiter zahlen: Mitgliedsbeiträge, Instandhaltung, Verwaltung – bei einer Ferienwoche oft etwa 350 Euro jährlich. Endreinigung, Bettwäsche, Kurtaxe, Strom, Wasser gehen extra, Anreise und Verpflegung sowieso.

Dass sich das nicht lohnt, sei eine einfache Rechnung: Wer statt 20 000 Euro Kaufpreis zu zahlen, das Geld bei der Bank anlegt, darf langfristig mit rund 600 Euro Jahreszins kalkulieren, rechnen die Warentester vor. Timesharern entgeht dieses Geld. Eine Urlaubswoche kostet sie inklusive Nebenkosten schnell über 1000 Euro. Dafür können sie auch Ferienwohnungen mieten.

Und wer mietet, kann mal hierhin, mal dorthin, und kann auch Schnäppchenangebote nutzen. Dagegen müssen Timesharer ständig in dasselbe Apartment. Zwar betreiben viele Clubs Tauschsysteme, damit die Mitglieder auch mal in andere Anlagen können. Doch das kostet meist 100 bis 150 Euro extra. „Finanziell ist Timesharing ein Verlustgeschäft“, betonen die Tester. Die Wohnrechte zu verkaufen, sei allenfalls mit Verlust möglich. So zahlt die Schweizer Hapimag derzeit für die Rücknahme von Anteilsscheinen weniger als die Hälfte des Preises, die sie beim Verkauf erzielt. Und da können Kunden schon froh sein.

In der Regel, so die Stiftung Warentest, ist es gar nicht möglich, die Wohnrechte zu verkaufen. Selbst wer sie verschenken will, bleibe darauf sitzen, denn die Verpflichtung zur Übernahme der hohen laufenden Kosten schreckt ab. Dabei haben manche Verträge Laufzeiten von 40, 70 oder gar 99 Jahren. „Wer das einmal unterschrieben hat, hängt am Haken, auch wenn eine Fünf-Sterne-Anlage mit den Jahren auf null Sterne absteigt.“

Die Käufer solcher Wohnrechte sind in den meisten Fällen gar keine wirklichen Eigentümer, sondern haben nur Nutzungsrechte. Sie können nicht einmal über die Einrichtung der Wohnung entscheiden, tragen aber das volle Standort-Risiko und müssen bei anstehenden Renovierungen kräftig mitzahlen.

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