Rio Tinto will Alcan kaufen

Montreal - Der britisch-australische Bergwerkskonzern Rio Tinto will den kanadischen Aluminiumriesen Alcoa für 38,1 Milliarden US-Dollar (27,8 Mrd Euro) in bar übernehmen. Dies haben die beiden Unternehmen in Montreal bekannt gegeben.

Rio Tinto, der bisher drittgrößte Bergwerkskonzern der Welt, würde damit weltgrößter Aluminium- und Bauxit-Produzent. Es würde sich um die bisher größte Akquisition durch einen Bergwerkskonzern handeln. Mit dem Alcan-Kauf setzt sich die Übernahmewelle in der Metallbranche beschleunigt fort. Die Alcan Inc. hatte zuvor ein feindliches Übernahmeangebot des US-Marktführers Alcoa von knapp 28 Milliarden Dollar oder etwa 76 Dollar je Aktie abgelehnt. Rio Tinto bietet den Alcan-Aktionären 101 Dollar je Aktie in bar.

Die Alcan-Aktien schossen am Donnerstag im frühen Handel an der New York Stock Exchange NYSE um 8,3 Prozent auf 97,92 Dollar in die Höhe. Die Aktien hatten im September 2006 ein Zwölfmonatstief von 37,42 Dollar verbucht. Aber auch die Alcoa-Aktien legten deutlich um 6,2 Prozent auf 45,05 Dollar zu. An der Wall Street wurde der Kurs durch Spekulationen angeheizt, nach denen Alcoa selbst übernommen werden könnte. Die Rio-Tinto-Aktien gaben um 1,3 Prozent auf 320,17 Dollar nach. An der Wall Street stiegen auch andere Aluminium- sowie Stahl-, Kupfer- und sonstige Rohstoffwerte angesichts neuer Übernahmespekulationen kräftig.

Alcan war bisher drittgrößter Aluminiumproduzent der Welt. Rio Tinto lag auf Platz acht. Das Unternehmen mit Sitz in London baut sein bisher vor allem auf Eisenerz, Kupfer, Kohle, Uran, Gold, Diamanten und andere Rohstoffe konzentriertes Geschäft mit der Übernahme weiter aus und vervielfacht seine Aluminiumerzeugung. Rio Tinto und Alcan hatten 2006 Umsätze von insgesamt 49 Milliarden Dollar. Rio Tinto ist auch der zweitgrößte Eisenerzproduzent der Welt.Alcoa und Alcan, die langjährigen globalen Marktführer, waren in diesem Jahr vor der russischen Rusal-Gruppe, die aus einem Zusammenschluss hervorging, an der Weltspitze abgelöst worden.

Die Aluminiumprodukt-Sparte von Rio Tinto soll mit Alcan zur Rio Tinto Alcan mit Sitz in Montréal zusammengelegt werden. Alcan-Konzernchef Dick Evans soll die Rio Tinto Alcan führen. Er wird Rio-Tinto-Konzernchef Tom Albanese unterstellt. Es werden Synergien von 600 Millionen Dollar nach Steuern erwartet. Die Deutsche Bank fungierte als einer der Rio-Tinto-Berater und ist auch an der Finanzierung der Übernahme beteiligt. Der Alcan-Verwaltungsrat hat den eigenen Aktionären einstimmig die Annahme des Rio-Tinto-Angebots empfohlen.

Der Alcan-Aufsichtsratsvorsitzende Yves Fortier verwies auf das attraktive Aufgeld. Es gebe nur relativ geringe operative Überlappungen. Alcan komplementiere das breit gefächerte Portefeuille seines Unternehmens, betonte der Rio-Tinto-Aufsichtsratsvorsitzende Paul Skinner. Rio-Tinto-Konzernchef Albanese kündigte an, dass sich das Unternehmen weiter auf seine Bergwerks- und Metallaktivitäten konzentrieren wolle. Deshalb solle die Verpackungssparte von Alcan abgegeben werden. Rio Tinto verspricht sich durch die Übernahme auch bessere Wachstumsmöglichkeiten. Das Unternehmen kündigte eine strategische Überprüfung aller Rio-Tinto-Vermögenswerte an.

Alcan hatte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 23,6 Milliarden Dollar, einen Gewinn von 1,8 Milliarden Dollar und erzeugt jährlich rund 4,2 Millionen Tonnen Aluminium. Die Verpackungssparte hatte 23 Prozent zum Alcan-Umsatz beigesteuert. Rio Tinto setzte 25,4 Milliarden Dollar um und hatte einen Gewinn von 7,4 Milliarden Dollar. Mit Aluminium setzte Rio Tinto dabei 3,5 Milliarden Dollar um. Produziert wurden 845.000 Tonnen.

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