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Häufiges und hektisches Umschichten gehört zu den teuersten Fehlern beim Aktieninvestment. Geduld ist eine Basis für langfristigen Anlageerfolg.

Neue Serie: Altersvorsorge – Teil 1

Die vier Grundfehler beim Sparen

München - Dass die gesetzliche Rente im Alter nicht reicht, ist bekannt. Doch sparen die meisten Menschen hierzulande falsch. In einer Artikelserie erläutert unsere Zeitung, was und wie Anleger es besser machen können.

Damit jemand seinen wohlverdienten Ruhestand genießen kann, braucht es ein gewisses finanzielles Polster. Dafür, das ist bekannt, reicht die gesetzliche Rente allein nicht aus. Schließlich werden zum einen die Menschen hierzulande immer älter, zugleich aber nimmt die Zahl der Erwerbstätigen ab.

Die Rentenlücke, also die Differenz zwischen dem, was die gesetzliche Rente auszahlt, und dem Bedarf, um den Lebensstandard im Ruhestand beizubehalten, wird deshalb immer größer. Grundsätzlich gehen Experten davon aus, dass Ruheständler etwa 70 Prozent ihres letzten Nettogehalts dafür brauchen.

"Je früher jemand mit dem Sparen anfängt, desto besser"

Laut neueren Berechnungen der Ruhr-Universität in Bochum aber ist das zu niedrig. Sie haben herausgefunden, dass dafür 87 Prozent des letzten Nettogehalts notwendig sind. Die Rentenlücke dürfte bei vielen also größer sein als bislang gedacht. Doch wie können die Menschen Abhilfe schaffen? Neben der gesetzlichen Rente als erster und der betrieblichen Altersvorsorge als zweiter Säule ist privates Sparen als dritte Säule unerlässlich. Und da gilt: „Je früher jemand damit anfängt, desto besser“, sagt Professor Rolf Tilmes, Vorstand des FPSB Deutschland, einer Standesorganisation, die für die Ausbildung zertifizierter Finanzplaner zuständig ist.

Dabei ist das Sparen selbst nicht das Problem. Insgesamt, so Berechnungen der DZ Bank, halten die Deutschen Ende 2013 Vermögensbestände in Höhe von 5,2 Billionen Euro. Fragwürdig ist aber die Aufteilung des Vermögens. Rund 40 Prozent, also knapp über zwei Billionen Euro, sind Bankeinlagen. Versicherungsprodukte, denen ebenfalls überwiegend Zinspapiere wie Anleihen zugrunde liegen, machen weitere 30 Prozent aus.

Niedrig-Zinsen zehren am Vermögen

Diese einseitige Ausrichtung auf Zinsanlagen war in der Vergangenheit nicht schlecht. „Mit dem Einsetzen der finanziellen Repression, also dem künstlichen Niedrighalten der Zinsen durch die Notenbanken, und dem Wegfall des risikolosen Zinssatzes ist nun aber ein Risiko entstanden, das viele Anleger ignorieren. Nämlich die sukzessive Enteignung über niedrige beziehungsweise negative Realzinsen“, sagt Markus Steinbeis von der Vermögensverwaltung Huber, Reuss & Kollegen in München.

Konkret bedeutet das, dass die Zinsen, die es derzeit gibt, zum Teil sogar unter der Inflationsrate liegen, womit das Geld real an Wert verliert. So gut wie alle Experten empfehlen deshalb auch die Beimischung von Aktien. Doch machen Aktien laut der DZ Bank nur etwa 6,3 Prozent am Vermögen der Deutschen aus.

Falsche Schlüsse aus bösen Erfahrungen

Der Grund für diese niedrige Quote dürfte in den schlechten Erfahrungen der Anleger damit in den vergangenen 15 Jahren liegen. Zweimal, im Jahr 2000 und 2008, brachen die Aktienkurse ein. Allerdings: Langfristig erholten sie sich auch jedes Mal wieder. Dass private Anleger dennoch von der Anlageklasse Aktie enttäuscht sind, dürfte auch daran liegen, dass viele dort falsch investieren.

Professor Andreas Hackethal von der Goethe-Universität Frankfurt kommt in einer Untersuchung zu dem Ergebnis, dass Anleger im Schnitt rund vier Prozent Rendite pro Jahr auf der Straße liegen lassen. Hauptursache: mangelnde Streuung.

Streuung in vielen Fällen zu gering

Diese mangelnde Streuung hat ihre Ursache auch am so genannten Home Bias. Er besagt, dass Anleger dort investieren, wo sie glauben, sich am besten auszukennen. Da sich die Berichterstattung der Medien hierzulande auf die Konzerne aus dem deutschen Leitindex Dax fokussiert, investieren die meisten Anleger auch dort. Das führt dazu, dass Anleger hierzulande deutsche Titel zu stark gewichtet haben und damit Chancen ungenutzt lassen, die sich an anderen Märkten ergeben.

Wer oft umschichtet, treibt die Kosten

Einen weiteren Grund für das schlechte Abschneiden hat Experte Tilmes ausgemacht. „Viele Anleger verschenken einen Großteil der möglichen Wertentwicklung, weil sie zum falschen Zeitpunkt kaufen und verkaufen und zu häufig umschichten.“

Anleger machen also einerseits bei der Aktienanlage Fehler, andererseits ist die einseitige Ausrichtung auf Zinsanlagen problematisch. „Zwar ist eine kurze Nullzinsphase nicht dramatisch“, sagt Gottfried Urban von der Traunsteiner Vermögensverwaltung Neue Vermögen, „dieses Mal könnte es aber 15 bis 20 Jahren dauern, bis sich die Zinspolitik wieder normalisiert.“ Und aus diesem Grund sollten Anleger umdenken: „Für wen weiterhin Sicherheit vor Rendite geht, der wird in den nächsten Jahren keine Rendite erzielen“, so Urbans Fazit. Die brauchen aber die Menschen, wenn sie für das Alter vorsorgen wollen.

Wer effizienter und besser für das Alter vorsorgen will, kann sich externe Hilfe zu holen. Um den passenden Berater zu finden, gilt es allerdings auf einiges zu achten. „Die Qualität der Beratung hat viel mit der Qualifikation des Beraters zu tun“, sagt Tilmes. Wer sich also an einen Finanzberater wendet, sollte diesen nach seiner Qualifikation befragen. Dazu kommt die Frage, ob er das ganze Repertoire an Anlageprodukten anbietet oder bevorzugt die Produkte einer bestimmten Gesellschaft. Auch die Kostentransparenz sollte bei der Wahl des Anlageberaters deshalb eine wichtige Rolle spielen. Die Alternative dazu ist die eigene Umsetzung. Was Anleger und Sparer dabei beachten sollten und welche Investmentmöglichkeiten sich anbieten, erläutern die nächsten Teile dieser Serie.

Von Gerd Hübner

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