Tipps zur Wahl des Pflegeheims

München - Wer für sich selber oder einen Angehörigen einen Platz in einem Pflegeheim sucht, sollte sich frühzeitig informieren. Denn nicht jedes Haus genügt den individuellen Bedürfnissen. Und bei unvorhergesehenen Ereignissen wie einem Unfall muss es oft ganz schnell gehen.

Zunächst lässt sich eingrenzen, in welchem Umkreis ein Heim gesucht wird. Bei der Lage sollte die Entfernung zu Bekannten und Angehörigen berücksichtigt werden. "Wer ein großes soziales Netz am Wohnort hat, wird dort bleiben wollen", sagt Jürgen Brüggemann vom Medizinischen Dienst der Spitzenverbände der Krankenkassen (MDS) in Essen. "Wer vereinsamt in einer Wohnung im fünften Stock sitzt, wird vielleicht eher versuchen, in die Nähe von Angehörigen zu kommen."

Hausarzt kann helfen

Adressen von Einrichtungen vor Ort sind bei Sozialämtern und Seniorenberatungen erhältlich. "Die Pflegekassen müssen Preis-Leistungs-Vergleichslisten zur Verfügung stellen", sagt Brüggemann. Die AOK etwa bietet eine Suchmöglichkeit nach Postleitzahlen im Internet unter www.aok-pflegenavigator.de. In Bayern gibt das Landesamt für Statistik eine Broschüre mit Adressen aller Pflegeheime heraus, die jedoch mit 20,50 Euro nicht billig ist (Telefonische Bestellung unter 089 / 2 11 92 05).

Ein wichtiger Gesprächspartner für die Heimwahl ist zudem der Hausarzt. So könnten Patienten sich einem Gesundheitscheck unterziehen und im Rahmen der ärztlichen Prognose Tipps erhalten, sagt Guido Steinke von der Bundesinteressenvertretung und Selbsthilfeverband der Bewohnerinnen und Bewohner von Alten- und Pflegeeinrichtungen (BIVA). Sind etwa Probleme mit der Wirbelsäule absehbar, sollten sie dies bei der Entscheidung bedenken.

Zunächst lassen sich Heime ausschließen, deren Infrastruktur oder Konzept nicht den Bedürfnissen des Pflegebedürftigen entspricht. "Nicht jede Einrichtung ist für bestimmte Erkrankungen wie Demenz gleich gut gerüstet", sagt Barbara Keck von der Arbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO).

Besuche vereinbaren

Alle weiteren Heime am Wunschort sollten Interessenten genauer unter die Lupe nehmen. Dazu können sie sich zunächst schriftlich mit Hilfe von Broschüren oder per Internet informieren. Wer telefonisch Material über Leistungen, Konzept, Bewohner und Gestaltung des Hauses anfordert, kann gleich die aktuellen Kapazitäten erfragen.

"Ideal ist es, das Haus zunächst zu besuchen, ohne sein Interesse an einem Platz zu bekunden, also eine ehemalige Nachbarin zu besuchen oder in der öffentlichen Cafeteria zu essen", rät BIVA-Vertreter Steinke. Günstig sind Termine nach 15 Uhr, weil die Vormittage meist mit pflegerischen Tätigkeiten gefüllt sind.

Im Gespräch mit dem Heimvertreter ist es nach Steinkes Worten wichtig, dass sämtliche Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Betreuung offengelegt werden. Während einige Kosten durch Rahmenverträge mit dem Pflegeversicherungsträger geregelt sind, legt das Heim andere nach eigenem Ermessen fest. "Hierzu gehören zum einen zusätzliche Serviceleistungen wie Fahrdienste." Das bayerische Sozialministerium weist auf seiner Webseite zudem auf mögliche Anmeldegebühren und Reparaturkosten hin, die auf die künftigen Bewohner zukommen können.

Außerdem sollten Interessenten sich die Personalorganisation erläutern lassen: Wie viele Mitarbeiter werden zu welchen Zeiten eingesetzt - und welche Qualifikationen können sie vorweisen? "Ein Merkmal guter Pflege ist die sogenannte Bezugspflege: Jeder Bewohner hat einen festen Ansprechpartner", sagt MDS-Referent Brüggemann.

Heimregeln erfragen

Ein weiterer Gesprächspunkt betrifft die Bewohnerstruktur: So sollte geklärt werden, ob Menschen mit unterschiedlichen körperlichen Beeinträchtigungen im Heim wohnen und ob sie in Wohngruppen leben. Auch sollte hinterfragt werden, wie die Individualität der Bewohner gefördert wird. Wichtig ist zudem, ob es flexible Aufsteh- und Essenszeiten gibt. Ebenso ist darauf zu achten, ob die Zimmer individuell eingerichtet sind und ob Möbel mitgebracht werden können.

"Solche Fragen lassen sich im Gespräch mit anderen Bewohnern wie einem Vertreter des Heimbeirates klären", rät BAGSO-Expertin Keck. Manche Heime bieten Wohnen auf Probe und damit einen Einblick in den Alltag an.  fe/dpa

Weitere Informationen zum Thema:

 www.biva.de www.bmfsfj.de www.altenheim-adressen.de http://www.stmas.bayern.de/pflege/www.hilfe-und-pflege-im-alter.de

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