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TKK: Mehr Geld für Bayerns Hausärzte

München - Bewegung im Hausärzte-Streit: Die Techniker Krankenkasse hat als eine der ersten Versicherungen einen neuenVertrag abgeschlossen.

Erst am Montag hat Hausärzte-Chef Dieter Geis die Kassen attackiert. Mit ihrer Blockade-Haltung würden sie die hausärztliche Versorgung in Bayern gefährden. Er forderte die Versicherungen auf, rasch neue Verträge abzuschließen. Mehrere Kassen stellte Geis an den Pranger - eine blieb aber unerwähnt: die Techniker Krankenkasse (TK). Der Grund: Beide Seiten haben sich auf einen neuen Vertrag geeinigt, wie unsere Zeitung erfuhr.

Das Abkommen gilt ab Oktober. Für die Hausärzte bringt der Vertrag eine bessere Bezahlung. Künftig bekommt der Mediziner für die Behandlung pro Halbjahr eine Pauschale von 95 Euro. Kommt der Patient im zweiten Halbjahr erneut in die Praxis, gibt es nur noch 50 Euro. Dazu kommen Zuschläge für einen höheren Betreuungsaufwand: Für Versicherte, die an einer chronischen Krankheit wie Diabetes leiden, gibt es pro Quartal zehn Euro extra. Bei zwei solcher Krankheitsbildern steigt der Zuschlag auf gut 27 Euro, bei drei auf 55 Euro.

Im Gegenzug sichern die Hausärzte längere Sprechstundenzeiten zu. So soll es einmal pro Woche eine Früh- oder Abendsprechstunde für Berufstätige geben - ab 7 Uhr oder bis 20 Uhr. Alternativ können die Hausärzte eine Sprechstunde am Samstag anbieten. Auch bei der Terminvergabe mit Fachärzten sollen die Allgemeinmediziner die Patienten stärker unterstützen. Die Änderungen gelten allerdings nur für TK-Versicherte, die sich in den neuen Vertrag einschreiben. Die Einschreibung ist grundsätzlich freiwillig. Wer bisher schon am Hausarzt-Vertrag teilgenommen hat, muss sich nicht erneut anmelden. Bei der Techniker Krankenkasse in Bayern waren zuletzt rund 100 000 Versicherte im Hausarztvertrag eingeschrieben.

„Der Vertrag trägt entscheidend dazu bei, die Hausarztversorgung für TK-Versicherte zu verbessern“, betonte Geis. Christian Bredl, TK-Chef in Bayern, lobte die neue Partnerschaft zwischen Krankenkassen und Hausärzten.

Die neuen Verträge sind nötig, weil die meisten Krankenkassen kurz vor Weihnachten ihre Abmachungen kündigten. Sie reagierten damit auf die Drohung des Hausärzteverbandes, aus dem Kassensystem auszusteigen. Zwar stimmte letztendlich die Mehrheit der Hausärzte gegen den Ausstieg. Die Kündigungen blieben aber wirksam. Anfang des Jahres forderte Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) beide Seiten auf, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Der Abschluss setzt die anderen Kassen unter Druck - vor allem die AOK Bayern. Während sich etwa die Betriebskrankenkassen bereits auf eine Übergangslösung einigten, drohen die Gespräche zwischen AOK und Hausärzten zu scheitern. Beide Seiten warfen sich jüngst gegenseitig vor, die Verhandlungen bewusst zu torpedieren. Der jetzige Streit ist umso erstaunlicher als die AOK Bayern zu den ersten Kassen zählte, die einen Hausarztvertrag abschloss. Doch der einstige Liebling der Hausärzte ist inzwischen zum Hauptgegner geworden. Am Wochenende wollen die Mediziner bei einer Versammlung über Protestaktionen entscheiden.

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